Stabhochspringerin Sarah Vogel „Es ist etwas Besonderes, in Hof die Saison zu beenden“

Sarah Vogel bekommt beim Jubiläumsspringen der LG Hof den meisten Applaus. Kein Wunder, ist sie doch in Hof geboren. Die 19-Jährige ist bestens motiviert, scheidet aber früh aus und ärgert sich. Doch ihre beiden größten Fans sind froh, sie überhaupt einmal live springen zu sehen.

Hof - Sie schreit ihren Frust und Ärger aus sich heraus, als die Latte zum dritten Mal bei der Höhe von 4,02 Meter fällt. „Die waren locker drin“, sagt Sarah Vogel später. Doch nur Sekunden später verneigt sie sich vor den Hofer Fans – und schickt zweien sogar noch ganz liebe Küsschen. An Oma Helga und an Oma Hannelore. Die sitzen und stehen im Publikum und sind mächtig stolz, ihre in Hof geborene Enkelin endlich einmal live springen zu sehen und nicht per Livestream im Internet. „Das ist ein unglaublich schönes Gefühl“, sagt Helga Rister. „Ich hätte ihr einen guten Sprung gegönnt, aber es hat nicht sollen sein.“

Umarmung von den Omas

Kurze Zeit später nimmt sie ihre Enkelin in den Arm, die gefühlt von Bank zu Bank geht, um mit dem ein oder anderen zu plaudern. Später wird sie auch noch mit Udo Jahreiß von der LG Hof unterwegs sein, um Spenden für den lokalen Leichtathletik-Nachwuchs einzusammeln. Und natürlich feuert sie die anderen Athleten an, denn die Stabhochspringer sind eine große Familie.

Doch nun steht sie erst einmal bei der anderen Oma und lässt sich auch von ihr lieb drücken. „Ich habe mich sehr gefreut, dass ich sie hier einmal live gesehen habe“, sagt Hannelore Vogel. Sie hat Verständnis, dass ihre Enkelin zum Saisonende nicht mehr ganz an ihre Top-Leistung von 4,30 Meter, die Sarah Vogel als Siegerin bei der U20-Europameisterschaft aufgestellt hat, anknüpfen kann. „Es ist halt ein bisschen die Luft heraus.“

Dicker Applaus der Fans

Aber nicht für die Hofer Fans. Die haben „ihre“ Sarah vom Beginn an in ihr Herz geschlossen. Bei der Begrüßung und Präsentation der 13 Athleten aus fünf Nationen erhält sie den wärmsten und lautesten Applaus. Als sie um 14.19 Uhr erstmals die Höhe von 3,82 Meter locker und leicht überquert, sind die berühmten Hofer Hände da, klatschen, als hätte die vor 19 Jahren in Hof geborene und mittlerweile in Hessen lebende Vogel schon den Wettkampf gewonnen. Nur wenige Minuten später zittern und leiden die 1500 Anhänger mit ihrer Lokalmatadorin, die für die LG Seligenstadt ihre Wettkämpfe bestreitet. Um 14.41 Uhr ist mit dem dritten ungültigen Versuch über 4,02 Meter der Wettkampf schon vorbei. Am Ende ist es der vierte Rang für das sympathische Energiebündel. Und die Europameisterin bekennt kurze Zeit später: „Ich war schon sehr nervös. Denn es ist für mich etwas Besonderes, diese Saison gerade in Hof zu beenden“, sagt die 19-Jährige.

Tipps von der Kollegin

Denn es war für Sarah Vogel eine überaus erfolgreiche Zeit in diesem so kurzen Wettkampf-Sommer. U20-Europameisterin in Tallinn mit neuer Bestmarke über 4,30 Meter, deutsche U20-Meisterin und Nummer vier der Weltrangliste in dieser Altersklasse. Und in der deutschen Rangliste der Frauen liegt Sarah Vogel aktuell auf Rang fünf – und das mit erst 19 Jahren. Die zwölf Jahre ältere Katharina Bauer lobt das Talent, spricht von „großem Potenzial“ und traut ihr eine erfolgreiche Zeit bei den Erwachsenen zu. „Dazu muss sie aber vor allem mental an sich arbeiten und noch mehr Selbstbewusstsein zeigen“, betont Bauer. Beide nehmen sich an diesem Tag mehrmals in den Arm, plaudern und tauschen sich aus. Es hat den Anschein, als ob ihr die routinierte Stabhochspringern künftig noch öfter zur Seite stehen wird.

Hofer Wärschtla und Eis

Im Hintergrund hält sich hingegen den ganzen Tag lang Papa Michael, der meist an der Sprunganlage zu sehen ist, mit dem Tablet Sprünge aufnimmt und seine Erfahrungen als erfolgreicher Trainer natürlich gerne an die anderen Springerinnen und Springer weitergibt. Und zwischendurch gönnt sich der Hofer natürlich auch ein paar Wärschtla. Denn auch er genießt die wenigen Stunden in seiner Heimatstadt.

Die Tochter ist derweil zur Eisdiele unterwegs, gönnt sich ein großes Eis. Und lächelt immer wieder in die Menge. Ein toller Tag – und die richtige Entscheidung, beim Jubiläumsspringen an den Start zu gehen. Am Ende nimmt sie neben den anderen Athleten auf der Anlaufanlage, die kurzerhand zum Siegerpodest umfunktioniert wird, Platz – und genießt die Zeremonie mit den schwedischen und amerikanischen Hymnen.

Und zum Abschluss verspricht sie noch etwas, dass vor allem ihre beiden Großmütter gerne hören. „Ich komme gerne wieder.“

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