Stadtsteinach Aufrechte Männer, bestraft mit dem Tod

Zwei konsequenten Kämpfern bis zum Äußersten in ihrer persönlichen Überzeugung galt ein Gottesdienst am Donnerstagabend in der Stadtkirche Sankt Michael in Stadtsteinach: Alfred Andreas Heiß, der als Christ den Wehrdienst unter dem Hakenkreuz verweigerte, und Michael Schnabrich, der sich aus politischer Überzeugung gegen ein totalitäres NS-Regime wandte. An beide erinnern Tafeln in Stadtsteinach und in Triebenreuth - an Schnabrich zudem eine kleine Tafel an dem Haus, an dessen Stelle sein Geburtshaus in der Wehrstraße stand (Bild). Foto: Klaus Klaschka

Stadtsteinach gedenkt zweier Männer, die wegen ihrer Ehrlichkeit und ihrer Überzeugung ermordet wurden. Dies sind Alfred Heiß und Michael Schnabrich.

Stadtsteinach - Mit einem Gottesdienst hat die katholische Pfarrei Stadtsteinach am Donnerstagabend einen "Glaubenszeugen des christlichen Glaubens im deutschen Martyrologium des 20. Jahrhunderts": Alfred Andreas Heiß an dessen 80. Todestag.

Heiß wurde 1904 im Stadtteil Triebenreuth geboren. Als tiefgläubiger und konsequent nach seinem Glauben Handelnder hatte er als Soldat sowohl den "Deutschen Gruß" als auch das Tragen einer Uniform mit Hakenkreuz verweigert. Am 20. August 1940 verurteilte ihn der Erste Senat des Reichskriegsgericht deshalb zum Tode. Heiß wurde am 24. September 1940 um 5.50 Uhr erschossen. An dessen Todestag erinnerte Pfarrer Helmut Spindler im Gottesdienst in Sankt Michael. Nach den coronabedingten Beschränkungen soll laut Pfarrvikar Sebastian Masella noch einmal in größerem Umfang dem Märtyrer Alfred Heiß gedacht werden, kündigte Spindler an.

"Man soll Gott mehr gehorchen als den Menschen, wie es in der Apostelgeschichte steht, und selig sind diejenigen, die hungern und dürsten nach der Gerechtigkeit, selig, die um der Gerechtigkeit willen verfolgt werden, wie Jesus in der sogenannten Bergpredigt im Matthäusevangelium sagt - davon hat sich Heiß leiten lassen, sagte Geistlicher Rat Helmut Spindler. Heiß sei kein mächtiger verblendeter Fanatiker gewesen. Er habe für sich entschieden, wonach er sein Leben ausrichtet. Er habe für sich dann auch konsequent gehandelt und aufrecht und unerschütterlich die Konsequenzen getragen.

An einen weiteren "Mann, der aus innerer Überzeugung heraus ein totalitäres Regime ablehnte", erinnerte Bürgermeister Roland Wolfrum im Gottesdienst: Michael Schnabrich. Er wurde vor 140 Jahren in der heutigen Wehrstraße in Stadtsteinach geboren und suchte, wie Heiß, sein berufliches Fortkommen als Schuster in der Ferne. Als Gewerkschafter und Sozialdemokrat habe auch er versucht, gegen das unmenschliche NS-Regime anzugehen. 1924 wurde er als SPD-Abgeordneter für den Wahlkreis Hersfeld-Hünfeld-Rotenburg in den Deutschen Reichstag gewählt. Dort verweigerte er am 23. März 1933 seine Zustimmung zum "Ermächtigungsgesetz", mit dem die Nationalsozialisten quasi demokratisch legitimiert an die Macht kommen wollen.

Schnabrich wurde wie so viele andere SPD-Abgeordnete und -Funktionäre, unter fadenscheinigen Gründen in Schutzhaft genommen, nach sechs Wochen aber wieder frei gelassen. Danach ließ er sich in Kassel nieder, wo er ein Kino eröffnete und eine Zeitung herausgab, die, so schreibt ein örtlicher Chronist "durch geschickte Auswahl offizieller Informationen auch für Antifaschisten von Interesse war".

Am Tage des Überfalls auf Polen, am 1. September 1939 wurde Schnabrich zusammen mit fünf weiteren Kasseler Sozialdemokraten durch die Gestapo verhaftet und Mitte 1939 in das KZ Sachsenhausen überführt. Am 7. Oktober 1939 kam es beim morgendlichen Zählappell zu schweren Misshandlungen durch den berüchtigten SS-Oberscharführer Schubert, der Michael Schnabrich gnadenlos mit seinen Stiefeln in den Unterleib trat bis dieser regungslos am Boden lag. Zwei Tage danach, am 9. Oktober 1939 verstarb Michael Schnabrich an den schweren Misshandlungen. Zum Gedenken an Michael Schnabrich hat die Stadt Stadtsteinach im Mai 1996 an seinem Geburtshaus in der Wehrstraße eine Gedenktafel angebracht.

"Unterschiedlich waren die Beweggründe von Alfred Andreas Heiß und Michael Schnabrich für ihr konsequentes Handeln und ihren persönlichen Widerstand gegen ein menschenverachtendes Regime. Beide sollten uns jedoch mahnen, Unrecht nicht wieder zuzulassen", sagte Bürgermeister Wolfrum. Zur Erinnerung hat die Stadt vor drei Jahren einen Gedenkweg eingerichtet. Der führt vom Kirchplatz an der Gedenktafel für Schnabrich über dessen Geburtshaus hoch nach Triebenreuth zur Kapelle am Ortsrand und zur Gedenktafel für Alfred Heiß. Das Geburtshaus von Alfred Heiß gibt es nicht mehr.

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