U20-Europameisterschaft Der große Wurf bleibt aus

Explosiv: Merlin Hummel in seinem letzten Versuch, der ihm die Silbermedaille sicherte. Foto: imago/Beautiful Sports

Merlin Hummel holt in Tallinn EM-Silber. Darüber ist er etwas enttäuscht. Er weiß, es wäre mehr drin gewesen, hätte er nur an seine zuletzt überragenden Leistungen angeknüpft.

Tallinn/Kulmbach - Die Goldmedaille war bei der U 20 -Europameisterschaft in Tallin/Estland schon zum Greifen nah. Merlin Hummel hatte in seinen sechsten und letzten Wurf alles reingelegt und den Hammer mit einem Urschrei aus dem Ring katapultiert. Das sechs Kilogramm schwere Sportgerät flog und flog – und landete schließlich nach 79,32 Meter auf dem Rasen des Stadions in Tallinn. Der Kulmbacher Hammerwerfer war in diesem Moment wieder mit sich im Reinen. Er hatte sich mit diesem Versuch um mehr als zwei Meter verbessert, auf Rang drei liegend hatte er sich mit diesem Wurf an die Spitze gesetzt, vor seine Rivalen aus Frankreich und Polen. Doch die stiegen noch einmal in den Ring.

Der bis dato Zweitplatzierte Jean Baptiste Bruxelle zeigte Nerven und kam auch in seinem dritten Finalwurf nicht über die Weite hinaus, mit der er als Bester in eben dieses Finale eingezogen war (77,90 Meter). Damit rutschte er wieder hinter Hummel. Und was machte nun Dawid Pilat? Den besten Wurf des Polen in dessen fünften Versuch (79,20 Meter) hatte der Kulmbacher gerade um zwölf Zentimeter übertroffen. Würde Pilat zurückschlagen können? Er konnte: 79,59 Meter. Erster Platz. Goldmedaille. Silber ging an Hummel, Bronze an Bruxelle.

Bis zum letzten Wurf

„Es war ein super spannender Wettkampf“, konstatierte Merlin Hummel am Tag danach. Auch wenn er die Enttäuschung nicht verhehlen wollte. „Der zweite Platz ist nicht schlecht. Aber ich weiß natürlich auch, hätte ich meine Leistung normal abgerufen in dem überragenden Bereich wie zuletzt, wäre das ein Titel geworden.“

Schon seine Qualifikationsweite vom Donnerstag hätte gereicht, um am Freitag im Endkampf den Titel zu holen. Auf eine Weite von 79,90 Meter hatte er da den Hammer geschleudert, war damit Tagesbester. Der Kulmbacher ging daher leicht favorisiert in den Wettkampf. Er strotzte zudem vor Selbstbewusstsein, weil er in den vergangenen Wochen reihenweise mit Weiten um die 80 Meter geglänzt hatte. Auch deshalb galt es für ihn nach dem EM-Wettkampf, den zweiten Platz erst einmal zu verarbeiten.

Doch der Kulmbacher ist Sportler durch und durch. Von daher hatte er das EM-Silber rasch abgehakt und blickte schon wieder nach vorn: „Ich denke, ich werde weiter an einem Titel arbeiten und schaue jetzt mal, was bei der WM geht.“

Dafür wird Hummel wieder die Koffer packen. In einem Monat findet die U 20-WM der Leichtathletik in Nairobi statt. Vielleicht triumphiert der Kulmbacher ja dann unter der afrikanischen Sonne. Er wird jedenfalls nichts unversucht lassen.

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