Wunsiedel Tierheim-Tiere gibt es nicht für jeden

"Jessica" ist kamerascheu, aber in den Armen von Tierheimleiterin Manuela Marth erträgt die Katze das Blitzlicht des Reporters. "Jasmin" ist da viel cooler. Die beiden Katzen warten wie rund 170 andere Tiere in Breitenbrunn auf Frauchen und Herrchen, die bereit sind, ihnen ein neues Zuhause zu geben. Foto: Rainer Maier

Eine Tier-Adoption ist ein schwieriger Prozess. Immer wieder heißt es, es sei eine Herausforderung, Schützlinge zu bekommen.

Wunsiedel - Am liebsten hat "Jessica" ihr großes grünes Kissen. Allerdings liegt sie nicht gemütlich darauf, sondern hat sich darunter eingerollt. Ein perfektes Versteck. Doch Manuela Marth weiß, wo sie die Katze findet. Die Leiterin des Tierheims in Wunsiedel-Breitenbrunn kennt ihre Schützlinge. "Jasmin" ist da viel cooler, thront erhaben auf ihrem Regalbrett und beobachtet eher gelangweilt, wie "Jessica" fotografiert wird. Beide Katzen warten in Breitenbrunn darauf, dass ihnen Menschen ein neues Zuhause geben. Eine passende neue Heimat für die Tiere zu finden, ist die wichtigste Aufgabe des Tierheims. Das ist nicht immer einfach.

Aufnahme und Vermittlung

Landet ein Tier im Tierheim, durchläuft es ein Aufnahmeverfahren: Erst kommt es in Quarantäne und wird untersucht, registriert und falls erforderlich, entfloht, entwurmt und kastriert. Wenn es gesund ist, darf es sich zu seinen Artgenossen gesellen.

Bei Fundtieren wird überprüft, ob sie gechipt sind und ob eine Suchanzeige vorliegt. Wird der Besitzer nicht gefunden, muss das Tier - das als Fundsache gilt - zunächst zwei Wochen im Tierheim bleiben, bis es vermittelt werden darf. Meldet sich der Besitzer später, hat er noch ein halbes Jahr lang ein Rückholrecht.

Bei der Vermittlung ist nicht nur der Wunsch des Interessenten entscheidend, sondern auch die Chemie zwischen neuem Besitzer und dem Tier und das Einverständnis des Tierheims.

96 Hunde, 151 Katzen und 344 Kleintiere hat das Tierheim des Tierschutzvereins Wunsiedel-Marktredwitz im vergangenen Jahr versorgt. Hier werden Fundtiere abgegeben, es landen aber auch Tiere hier, deren Besitzer aufgrund einer Krankheit oder eines Umzuges kein Haustier mehr besitzen können oder wollen. Auch beschlagnahmte Tiere kommen in die Obhut des Heimes.

Die meisten dieser Tiere werden entweder von ihren Besitzern, denen sie ausgebüxt waren, wieder abgeholt oder an neue Frauchen und Herrchen vermittelt. "Rassekatzen etwa sind schnell weg", sagt Manuela Marth. Die Tierärztin leitet das Tierheim Breitenbrunn seit November 2017.

Fundtiere können bereits nach zwei Wochen vermittelt werden. Allerdings hat der bisherige Besitzer ein halbes Jahr lang ein Rückholrecht, wenn er nachweisen kann, dass ihm das Tier gehört.

Weil die Mitarbeiter des Tierheims für jedes Tier das passende Zuhause finden wollen, sind die Adoptionsregeln relativ streng. Das Formblatt "Selbstauskunft Adoption" und die genauen Nachfragen empfinden viele Menschen schon als Zumutung. Die gründliche Überprüfung der neuen Besitzer ist für die Mitarbeiter aber eine wichtige Angelegenheit: "Wir wollen ja, dass es dem Tier bei den neuen Besitzern besser geht als im Tierheim und nicht umgekehrt", sagt Marth.

Grundsätzlich spiele zum Beispiel das Alter der neuen Besitzer eine große Rolle: "Wir würden einen einjährigen Hund nicht an einen 80-Jährigen abgeben. Der Hund würde den Besitzer womöglich überleben", sagt Marth. Ältere Menschen sollten sich überlegen, ob sie nicht lieber einem älteren Tier eine Chance auf ein schönes Leben geben möchten.

Die neuen Herrchen müssen zudem viele weitere Voraussetzungen erfüllen: Im persönlichen Gespräch wird ermittelt, ob sie sich Gedanken um die Haltung gemacht haben und ob die ganze Familie hinter der Anschaffung steht. Hat der neue Besitzer genug Zeit oder ist das Tier den ganzen Tag alleine in der Wohnung eingesperrt? Stimmen die Wohnverhältnisse und ist der Vermieter einverstanden?

Andererseits muss auch das Tier in die neue Umgebung und zu seinen Besitzern passen: Kratzt die Katze, darf sie nicht in eine Familie mit kleinen Kindern. "Wichtig ist, das Tier nicht nur nach der Optik auszusuchen, sondern auch den Charakter zu berücksichtigen", sagt Marth.

Bei der Vermittlung von Hunden und Katzen besuchen die Mitarbeiter das neue Zuhause. Denn das Umfeld ist für die Vermittlung ausschlaggebend. Auch bei Hasen, Hamstern, Mäusen oder Vögeln genügen Fotos von dem Käfig oder der Voliere nicht. Hier schauen sich die Tierschützer das neue Zuhause ebenfalls genau an und geben konkrete Tipps für die Haltung. "Schließlich müssen viele Kriterien erfüllt werden", sagt Manuela Marth. Die Mitarbeiter klären das alles lieber vorher ab, bevor ein vermitteltes Tier wieder zurückgegeben wird. "Wenn wir also die Tiere nicht hergeben, haben wir gute Gründe dafür." Und diejenigen, die ein Tierheim-Tier mit nach Hause nehmen dürfen, bekommen nach einiger Zeit noch einmal Besuch von den Tierschützern: Nachkontrolle ist Standard.

Was viele gar nicht wissen: "Die Tiere haben teilweise im Tierheim ein besseres Leben, als in manchem Zuhause. Sie sind gut versorgt, haben Kontakt zu Artgenossen, Ansprache und Auslauf." Ehrenamtliche Gassigeher beschäftigen sich in Wunsiedel mit ihnen, versuchen, bei scheuen Katzen oder Hunden Vertrauen aufzubauen, damit sie leichter vermittelt werden können. Und sie bringen ihnen gutes Benehmen bei. "Solche Helfer sind immer erwünscht", sagt Manuela Marth.

 
 

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