Wunsiedler Brunnenfest Ruhig, besinnlich – und doch charmant

Seit Jahren gehören Brunnenfest und der Tag der offenen Kirche zusammen, so auch 2020. Foto: /David Trott

Auch in diesem Jahr findet das Brunnenfest in einem kleineren Rahmen statt. Die Brunnen werden trotzdem geschmückt und erinnern an den Ursprung.

Wunsiedel - Traditionalisten wird es freuen, dass es heuer wieder ruhig und besinnlich wird, die Feierwütigen sehnen sich nach den Zeiten vor Corona zurück. Pandemiebedingt findet das Brunnenfest wie im vergangenen Jahr nur in einer vereinfachten Variante statt. Die meisten Brunnengemeinschaften halten allerdings an dem alten Brauch fest und schmücken ihre Wasserspender – wenn auch oft weniger aufwendig, dafür aber sicherlich so charmant wie eh und je.

Alleinstellungsmerkmal

Zurecht sind die Wunsiedler stolz auf ihr Brunnenfest: Es ist ein Alleinstellungsmerkmal in der Region, gehört nicht zuletzt deswegen seit 2016 zum immateriellen Kulturerbe der Unesco im Bereich gesellschaftliche Bräuche, Rituale sowie Feste und lockt jedes Jahr Tausende von Besuchern in die Festspielstadt. Der Legende nach schmückten die Bewohner nach einer Dürre ihre Brunnen mit Blumen und Girlanden, als das Wasser wieder floss. Seit 1833 ist das Fest belegt und findet immer am Samstag und Sonntag vor Johanni (24. Juni) statt.

Dass das Fest noch gefeiert wird, verdanken die Wunsiedler ihren Altvorderen. Denn als 1899 die Hochdruckwasserleitung installiert wurde, gingen die Bürger für ihre Brunnen, die auch als Treffpunkt dienten, auf die Barrikaden. So beschloss der Magistrat schließlich, dass neben der neuen Hochdruckwasserleitung auch weiterhin die Röhrwasserleitung, die die Brunnen mit Wasser versorgte, bestehen bleiben sollte.

Tradition des Schmückens

Das alljährlich wiederkehrende Brauchtum hatte auch die Bildung von Brunnengemeinschaften zur Folge, die die Tradition des Schmückens jeweils an die nachfolgenden Generationen vermittelten und so schon früh das ehrenamtliche Engagement in der Stadt hochhielten.

Aber nicht nur Anwohner in den Gemeinschaften, auch Kindergärten, Schulen, Vereine und Firmen betätigen sich im Juni als „Brunnenputzer“.

Derzeit sprudelt aus 36 Brunnen Wasser, das im Sommer einen gewissen Kühleffekt durch die Verdunstung hat und damit zur Verbesserung des Kleinklimas beiträgt. „Bisher haben wir 28 Rückmeldungen der ,Brunnenputzer’ “, freute sich Melanie Wehner-Engel, die Veranstaltungsmanagerin der Festspielstadt, zu Beginn der Woche, und sie hofft, dass die übrigen Gemeinschaften auch noch zusagen.

Voller Tatendrang

Relativ neu ist die Gruppe, die für den Winkelbrunnen verantwortlich zeichnet. Der Wasserspender, der ein wenig verborgen an der Schnittstelle von Dammgasse und Turmgäßchen sein kühles Nass quellen lässt, hat sozusagen die Konfession gewechselt. Die Kolpingfamilie hatte den Winkelbrunnen über 30 Jahre herausgeputzt, im vergangenen Jahr übernahm die Chorgemeinschaft von Ulrike Schelter-Baudach das Schmücken und feierte coronabedingt eine eher stille Premiere.

„Die Leute sind voller Tatendrang und freuen sich auf das Brunnenfest“, hat Melanie Wehner-Engel festgestellt. Dies sei ein „tolles Zeichen“, dass sich die Menschen trotz des Virus nicht unterkriegen lassen. Und das, obwohl die Stimmung sicherlich nicht überschäumen werde. Denn wie auch im vergangenen Jahr werden heuer keine Live-Bands auf den Plätzen und in den Straßen zu sehen und zu hören sein.

Auf Musik müssen Besucher und Einheimische aber nicht vollends verzichten. Ab 20 Uhr wird der evangelische Posaunenchor unter der Leitung von Reinhold Schelter vier Brunnen im Stadtgebiet „bespielen“. Dann werden mit einbrechender Dämmerung die Brunnen mit Kerzen, Fackeln und anderen Lichtern illuminiert und tragen weiter zu einem eher besinnlichen Fest bei. „Die Vorfreude auf nächstes Jahr, dann hoffentlich ganz ohne Beschränkungen, ist auch schon spürbar“, sagt die Veranstaltungsmanagerin.

Zum Dank Festspielkarten

Am Wochenende sind auch keine Sammler unterwegs, die um Spenden für die ehrenamtlichen Schmücker bitten. Verzichten müssen die Gemeinschaften heuer auf Material zum Dekorieren wie etwa kleine Fichten, Birken und Rindenmulch vom Kommunalunternehmen (KU) Infrastruktur, da der Stadt eben jegliche Einnahmen vom Wochenende fehlen. „Dafür bekommen die Brunnengemeinschaften nach dem Fest einen kleinen Obolus sowie Festspielkarten für die Luisenburg“, betont Bürgermeister Nicolas Lahovnik. Unterstützen werden Stadt und KU die Gastronomie bei der Ausweitung der Freischankflächen. Daher werde gewiss der ein oder andere Biergartenausschank dazugekommen, ist sich der Rathauschef sicher, der auch heuer auf die offizielle Eröffnung verzichten muss.

Dafür habe ihn im vergangenen Jahr berührt, dass das Brunnenfest quasi zu seinem Ursprung zurückgekommen ist. Ähnlich beschaulich erwarte er das Fest auch heuer, auch wenn am Wochenende das Gemeinschaftsgefühl dank der niedrigen Inzidenz ein wenig mehr ausgelebt werden könne. So werde es zwar keine große Party, sondern eben eine tolle ursprüngliche Veranstaltung.

Ehrenamtliches Engagement

„Von den tollen Ideen beim Schmücken bin ich immer wieder überrascht“, sagt Lahovnik und dankt allen Wunsiedlern für ihr ehrenamtliches Engagement. Deshalb werde er sich auch heuer zu einem Rundgang aufmachen und das Brunnenfest genießen. Als „Pflichtprogramm“ sehe er dies aber keineswegs an.

Ein weiterer Höhepunkt wird auch in diesem Jahr fehlen, der sonst fester Bestandteil des Brunnenfest-Sonntags ist: der Tag der Städtepartnerschaften. „Die Vertreter der Partnerstädte können uns leider nicht besuchen“, bedauert der Rathauschef. Dafür seien jeweils nach Mende, Volterra, Ostrov, Łapy und Schwarzenberg Lieferungen mit Wunsiedler Bier gegangen. „So werden wir mit unseren Freunden online anstoßen“, freut sich Lahovnik.

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