Topthemen: Hof-GalerieWaldschratDie Bilder vom WochenendeFall Peggy KnoblochSelber Wölfe

 

Das große Krabbeln zur Kommunion

In Franken gibt es zur Kommunion einen alten Brauch. Kurz vor dem Festtag tragen die Kommunionkinder Krapfen an Nachbarn, Verwandte und Freunde aus. Dabei handelt es sich bei "Krapfen" mitnichten um mit Hagebuttenmark gefüllte Berliner. Vielmehr sind es "Knieküchla", ein rundes Hefe-Schmalzgebäck, das innen bestenfalls so dünn ist, dass man durchsehen kann, und das außen einen dickeren Rand hat. In der Stadt, in der ich jetzt lebe, wird diese Tradition kaum noch gepflegt. Trotzdem oder gerade deswegen habe ich meine Kinder dazu verdonnert, sie weiterzführen.



 

Ich mag diesen Brauch. Schließlich erinnert er mich an meine eigene Kindheit. Damals gab es noch in jedem Dorf Krapfenbäckerinnen, die ins Haus kamen, um mit den Frauen der Familie tagelang und körbeweise die "Sträubla", wie sie bei uns hießen, herzustellen. Leider musste ich auch tagelang austragen und wurde nicht in die Geheimnisse des Krapfenbackens eingewiesen. Erste Versuche scheiterten kläglich. So holt dann auch der Vater an einem sonnigen Samstagmorgen beim Bäckermeister unseres Vertrauens 100 Stück ab. Während meine Älteste und der Mann im Haus das frische, mit Puderzucker bestaubte Backwerk in Papiertüten legen und für stetigen Nachschub sorgen, ziehen mein Kommunionkind und ich los. Von früh um zehn bis nachmittags um vier. Wir haben Glück. Fast überall wird uns die Tür geöffnet. Manchmal gibt es Süßigkeiten zurück, manchmal ein kleines Kuvert. Nur eine einzige Tüte bleibt übrig. "Probieren wir es einfach am Abend noch einmal", sage ich zu meiner Tochter und stelle die Tüte in unseren Hausflur auf die übereinandergestapelten Bleche, die dort bereits auf die Rückkehr zur Bäckerei warten. Zwei Stunden später wollen wir uns noch einmal auf den Weg machen. Leider waren wir aber nicht die ersten, die diese Idee hatten. Im Hausflur führt eine schwarze Straße vom Hof draußen unter unsere alte Haustür hindurch direkt ins Schlaraffenland. Ameisen. Wie die kleinen Viecher die Krapfen so schnell gefunden haben, weiß der Heilige Geist! Der kommt allerdings erst an Pfingsten.

Autor

Brigitte Löffler
Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
20. 04. 2018
11:45 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Ameisen Bäckereien und Konditoreien Festtage Heilige Heiliger Geist Kommunion Pfingsten Puderzucker Süßwaren
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


Kommentare

Schreiben Sie den ersten Kommentar!

Wenn Sie einen Kommentar hinterlassen möchten, melden Sie sich bitte an.

Benutzername
Passwort
     

Noch kein Konto? Jetzt Registrieren
Mehr zum Thema

17.11.2017

Jetzt aber hurtig ...

Der Heilige Abend fällt dieses Mal für Einkäufe flach.Ein Grund mehr, schleunigst an Geschenke zu denken. » mehr

Autor

Brigitte Löffler

Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
20. 04. 2018
11:45 Uhr



^
Ändern Einverstanden

Diese Webseite nutzt Cookies für Funktions-, Statistik- und Werbezwecke. In unserer » Datenschutzerklärung können Sie die Cookie-Einstellungen ändern. Wenn Sie der Verwendung von Cookies zustimmen, klicken Sie bitte "Einverstanden".