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Der große Tag: Das königliche "Ja"

In einer Woche ist es so weit. Am 19. Mai geben sich seine Königliche Hoheit Prinz Henry Charles Albert David of Wales und Rachel Meghan Markle das Jawort. In der vergleichsweise bescheidenen Kapelle von Windsor Castle.



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Es ist kein Vergleich mit der Hochzeit seines Bruders William in der Westminster Abbey vor sieben Jahren, und es ist erst recht Welten entfernt von der seiner Eltern im Juli 1981 in der St. Paul’s Cathedral. St. George’s Chapel, auf dem Gelände des königlichen Sommersitzes Windsor, bietet "nur" Platz für etwa 800 Menschen. Hier besiegelten sein Vater Prinz Charles und dessen zweite Ehefrau Camilla Parker Bowles ihre standesamtliche Hochzeit mit einem Gottesdienst. Und hier wird auch Prinz Harry am nächsten Samstag seine Meghan heiraten.

Es soll alles eine Nummer kleiner sein für das Paar, das nicht die britische Monarchie retten muss – dafür sind William und Catherin auserkoren –, aber dennoch im Fokus der Öffentlichkeit steht. Nicht nur die sensationslüsterne englische Boulevardpresse, auch hiesige Medien haben durchaus großes Interesse daran gezeigt, dass Rachel Meghan Markle nicht nur bürgerlich ist, sondern eine US-Amerikanerin mit afrikanischen Wurzeln, geschieden noch dazu, älter als Harry (sie ist 36, er 33), eine Schauspielerin – und als solche eher mittelmäßig bekannt. Gerüchte über den Vater, der gern mal ein Glas zu viel trinken soll, machten die Runde. Aber: Souverän hat das junge Paar all das nicht nur ausgesessen, sondern es ging auf eine regelrechte "Hochzeits-Tour" durchs Land und gewann Presse und Volk für sich.

Denn so stark die Monarchie im Land oft diskutiert wird, gerade in Brexit-Zeiten klammert man sich an die Konstante des in Europa einmaligen Königshauses. Kein anderes Adelsgeschlecht hält so sehr an Traditionen fest, kein anderes wird so geliebt und gefeiert wie die Windsors.

600 geladene Gäste in der Kapelle, weitere 2000 auf dem weitläufigen Gelände von Windsor Castle – damit wären die Kapazitäten des kleinen Windsor eigentlich schon erschöpft. Zu normalen Zeiten leben in dem 35 Kilometer westlich von London (und in der Einflugschneise des Flughafens Heathrow) gelegenen Städtchen rund 27 000 Menschen, viele davon in der Hauptstadt angestellte Pendler. In knapp 40 Minuten ist man mit der Regionalbahn am Bahnhof Paddington, so lange sitzen auch viele innerhalb Londons in der U-Bahn, um ihren Arbeitsplatz zu erreichen.

Queen Elizabeth verbringt in Windsor nicht nur Ferienzeit, sondern gern auch die Wochenenden. Sobald man mitten im Ort die Themse überquert hat, befindet man sich auf dem Gelände von Eton, der bekanntesten und renommiertesten Privatschule des Landes. Natürlich absolvierten auch die Prinzen William und Harry dort ihre Schulzeit. Eine – abgesehen vom Fluglärm – sehr gediegene Wohngegend also, wo man mit etlichen Cafés, Restaurants und Souvenirläden zwar auf regelmäßig kommende Touristen aus aller Welt eingestellt ist, nicht jedoch auf die vermutlich über 100 000 Menschen, die für den Hochzeitstag erwartet werden, und die nur eines wollen: Einen Blick auf das glückliche Paar werfen.

Sie werden sich in die britische Fahne, den Union Jack, hüllen, wilde Hüte und Perücken tragen und in den Nationalfarben Rot, Blau und Weiß geschminkt sein. Und sie werden die Straßen und Gässchen rings um das hinter hohen Mauern verborgene Schloss belagern. Lange vor dem großen Ereignis werden sie in Windsor kampieren – oder zu kampieren versuchen, denn die Stadtverwaltung hat das Aufstellen von Zelten, wie sie vor acht Jahren in London den Weg des frischgebackenen Brautpaars William und Kate säumten, untersagt. Sehr zum Unmut der royalen Fans, die noch immer hoffen, dass Prinz Harry sich in ihrem Sinne ausspricht. "Wir sind sehr enttäuscht, dass man uns von dem großen Event fernhalten will", meint Louise Terham, die mit ihrer Freundin auch bei Williams Hochzeit zugegen war. Zur Not wollen die beiden jungen Frauen die Nacht von Freitag auf Samstag in Campingstühlen verbringen.

Hotelzimmer in Windsor sind natürlich seit Monaten ausgebucht, selbst in London dürfte es schwer werden, kurzfristig noch eine Unterkunft zu finden. Im reichen, teuren Westen der Stadt wuchs Prinz Harry auf. Dort, wo es für eine Großstadt unendlich viel Grün gibt, der Hyde Park direkt in die mit reichlich Understatement Kensington Gardens genannten Grünflächen übergeht, liegt Kensington Palast. Ein Palast ohne hohe Mauern, ohne jegliche Abgrenzung zu den frei zugänglichen Parkflächen. Ein beliebtes Ausflugsziel für Londoner und Besucher, eine Oase der Ruhe inmitten der Stadt. Heute leben Harry und Meghan zusammen im zum Palast gehörenden "Nottingham Cottage".

Natürlich ist auch ganz London im Harry-und-Meghan-Fieber. Teller, Tassen, Schlüsselanhänger, Poster, Püppchen, Glaskugeln, Schreibtischunterlagen, Kalender – kaum etwas, was es nicht in den Souvenirläden mit ihren Konterfeis zu kaufen gibt. "Ist schon ein ganz ordentliches Geschäft", brummt Verkäuferin Janice Prescot in der Nähe des Buckingham Palasts, wo sich solche Läden aneinandereihen. Prescot kommt aus Manchester und ist "deswegen", wie sie sagt, dem royalen Hype nicht allzu sehr zugetan. Auf Prinz Harry allerdings lässt sie nichts kommen. Hätte ja auch eine schwere Kindheit gehabt, der Junge, keine dreizehn, als die Mutter starb. Dass er da als Jugendlicher manchmal über die Stränge geschlagen habe, sei doch nur logisch gewesen. Und jetzt, hebt sie hervor, "ist er doch sehr ums Gemeinwohl besorgt".

Tatsächlich bittet das Brautpaar anstelle von Geschenken um Spenden für insgesamt sieben wohltätige Organisationen, von einem kleinen Verein, der sich um HIV-infizierte Kinder in Bristol kümmert, bis zu der großen indischen Myna Mahila Foundation, die Frauen in den Slums von Mumbai unterstützt. Der ehemalige Partyprinz ist sich der Verantwortung, die mit seinem privilegierten Leben einhergeht, inzwischen bewusst. Unter den auf das Schlossgelände geladenen Gästen befinden sich beispielsweise auch Kriegsversehrte.

Wie verläuft nun der große Tag für das junge Paar? Von der Kapelle aus werden die Gäste sich in die St. George’s Hall begeben, wo der eigentliche Empfang – die Wedding Reception, wie Hochzeitsfeiern in Großbritannien genannt werden – stattfindet. Dort wird ein erlesenes Mittagessen serviert. Gastgeberin in Windsor ist Queen Elizabeth.

Am Abend findet noch eine kleinere, eher private Feier des Brautpaars mit rund 200 Freunden und Angehörigen in Frogmore House südlich von Windsor statt. Hier, wo Harry und Meghan auch ihre Verlobung bekannt gaben, fungiert Harrys Vater Prinz Charles als Gastgeber. Danach, so darf man vermuten, wird all die Aufregung um das royale Ereignis des Jahres wieder ein wenig abebben und das junge Paar sein eigenes, reales Leben aufnehmen.

Sie werden vorerst weiter im Nottingham Cottage leben, was natürlich relativ ist bei einem Paar, das in der Welt zu Hause ist. Es ist anzunehmen, dass Meghan als moderne Frau ihre Kontakte nach Toronto, wo sie zuletzt lebte, weiter pflegen wird. Und ihr Gemahl dürfte in Zukunft beruflich viel unterwegs sein: Prinz Henry Charles Albert David ist, so die aktuelle Meldung aus dem Königshaus, frisch ernannter "Jugend-Botschafter des Commonwealth". Da in Zukunft der Handel mit der EU für das Vereinigte Königreich schwierig wird, setzen Regierung und Krone nun auf die alten Netzwerke. Mit dem ehemaligen Partyprinzen als Prince Charming.

 

 

Thüringen, Franken und die Windsors
Das kleine Königshaus Sachsen-Coburg und Gotha hatte im 19. Jahrhundert enormen Einfluss in Europa. Der Höhepunkt war 1840 erreicht mit der Hochzeit der in England bis heute verehrten Königin Victoria, die 1837 den Thron bestieg, mit ihrem Cousin Albert. Der war der jüngere Sohn des Herzogs Ernst I. von Sachsen-Coburg und Gotha – und somit wurde genau das der Name der neuen in Großbritannien regierenden Dynastie. Erst im Ersten Weltkrieg änderte König Georg V. den allzu deutsch klingenden Namen nach der Residenz Windsor Castle in Windsor. Eigentlich würde also auch die amtierende Königin Elizabeth II. den Titel von Sachsen-Coburg und Gotha tragen. Ebenso natürlich ihr Enkel Harry, nach seinem Vater Charles und seinem Bruder William sowie dessen Kindern Sechster in der Thronfolge.

 

 

Keine Obdachlosen
Die Obdachlosen Windsors sollte es deutlich härter treffen als die Fans des Königshauses: Bereits vor Monaten war von der Stadtverwaltung die Order ergangen, sie bis zum großen Ereignis am 19. Mai um 12 Uhr mittags aus der Stadt zu entfernen. Nach einem Proteststurm wurde der Plan, bis zu 1000 Pfund Strafgeld für das Übernachten auf der Straße zu kassieren, jedoch wieder aufgegeben. Es seien genug Unterkünfte für alle Obdachlosen der Stadt vorhanden und man wolle die Menschen dazu bringen, diese zu nutzen, so der konservative Abgeordnete Jesse Grey.

 

 

Die Gästeliste
Die Namen der gut 600 Gäste, die eine Einladung für die Zeremonie in der St. George’s Chapel erhalten haben, werden nicht öffentlich bekannt gegeben. Es gilt jedoch als sicher, dass der enge Vertraute von Harrys Mutter Diana, Sir Elton John, das Promi-Paar David und Victoria Beckham sowie natürlich Angehörige der anderen europäischen Königshäuser eine der in Handarbeit gedruckten Karten erhalten haben. Weder Donald Trump noch Großbritanniens Premierministerin Theresa May sollen auf der Liste stehen. Auch nicht Barack Obama. Wie es die Tradition erfordert, ist es Harrys Vater, der die Gäste um ihr Kommen ersucht: "Seine Hoheit, der Prinz von Wales, bittet um das Vergnügen der Gesellschaft von ..." lautet die Inschrift in geschwungenen Lettern unter Charles’ Wappen, das aus drei Straußenfedern in einer Krone besteht und das deutsche Motto "Ich diene" trägt.

 

 

Der Titel für das Paar
Noch ist die Frage offen, welche Titel Harrys Großmutter, Königin Elizabeth, dem jungen Paar als Teil ihres Hochzeitsgeschenks verleiht. Als Prinz William Catherine Middleton heiratete, wurde das Paar Duke und Duchess von Cambridge. Für den jüngeren Bruder und seine Frau stehen bei den englischen Buchmachern Duke und Duchess von Sussex am höchsten im Kurs. Aus dem durchaus praktischen Grund, dass zur Zeit niemand diesen Titel inne hat. Auch die Grafschaft Connaught wird hoch gehandelt, allerdings handelt es sich hier um eine Region in der Republik Irland, was nicht unbedingt von allen Iren positiv aufgenommen werden dürfte.

 

 

Der Hochzeitskuchen
Was es bei der Wedding Reception zu speisen und zu trinken gibt, ist noch nicht offiziell bekannt. Der Kuchen, so viel steht fest, wird eine Zitronen-Holunder-Kreation sein, laut einem Tweet aus dem Buckingham Palast überzogen mit Buttercreme und dekoriert mit frischen Blumen.

 

 

 

Autor

Beate Baum
Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
11. 05. 2018
12:00 Uhr

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Beate Baum

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11. 05. 2018
12:00 Uhr



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