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Interview

Leslie Clio hat Soul im Blut. Die Hamburgerin überrascht mit einem Timbre, das an Sangesikonen wie Marvin Gaye erinnert. Im Herbst kommt sie nach Nürnberg.



Mit ihrem Debütalbum "Gladys" landete die 30-Jährige 2013 einen Riesenerfolg. Auf ihrem inzwischen dritten Longplayer "Purple" erklingt ihr Soul-Pop eine Spur düsterer.
Mit ihrem Debütalbum "Gladys" landete die 30-Jährige 2013 einen Riesenerfolg. Auf ihrem inzwischen dritten Longplayer "Purple" erklingt ihr Soul-Pop eine Spur düsterer.  

Ende 2015 fühlten Sie sich ausgebrannt und nahmen sich eine Auszeit vom Musikgeschäft. Wieso gingen Sie ausgerechnet nach Hawaii?

Leslie Clio auf Tour

Die deutsche Soul- und Popsängerin tritt am 17. Oktober um 19.45 Uhr im Club Stereo in Nürnberg auf. Karten dafür gibt es im Ticketshop unserer Zeitung.


Ich saß in Milwaukee und wollte eigentlich den Bus runter nach Nashville nehmen, aber dann wurde mir klar: Wenn ich jetzt nach Nashville gehe, werde ich endgültig die Musik hassen. Deswegen habe ich erst mal Urlaub in Hawaii gemacht. Am Ende wurde es eine Auszeit von vier Monaten.

Und danach war alles wieder gut?

Die Kreativität kam sofort zurück. Die dritte Platte habe ich schneller hingekriegt und mit viel weniger Nerv als die zweite. Früher habe ich vieles überstürzt gemacht. Auf Hawaii habe ich gelernt, mir das zu verzeihen. Das hat aber lange gedauert, weil ich so ambitioniert war. Mit der zweiten Platte wollte ich an mein erfolgreiches Debüt anknüpfen. Man bekommt dann viel gesagt und hört auf alles. Das verunsichert einen. Aber ich bin darüber weg, jetzt habe ich eine neue Platte gemacht.

Die neuen Songs sind etwas düsterer als die alten. Musste man sich ernsthaft Sorgen um Sie machen?

Mein Gott, das ist halt der Fluch des Künstlerberufs. Man fühlt viel. Eigentlich möchte man ein leichtes Leben leben und trotzdem kommen immer wieder diese Schlaglöcher. In dem Moment bemerkt man, das Universum benutzt einen. Okay, mir ging es schlecht, aber wenn das das Ergebnis davon ist, dann sage ich: danke!

Sie waren lange Zeit ein Workaholic. Haben Sie dadurch Ihre Grenzen kennengelernt?

Ja, voll. Als ich 30 wurde, habe ich ganz klar gefühlt, dass ich gerade den ersten Akt meines Lebens verlasse. Ich weiß heute, der zweite Akt wird total lange gehen und es spielt keine Rolle mehr, ob ich etwas morgen, nächste Woche oder nächstes Jahr mache. Genau das habe ich dringend gebraucht, und deswegen bin ich froh.

Haben Sie Eigenschaften, die Sie selbst nur schwer akzeptieren können?

Das Leben ist zu kurz, um einen Krieg mit sich selbst zu führen. Ich bin sehr streng mit mir, alles muss sich wie harte Arbeit anfühlen. Aber ich habe gute Freunde, die mir sagen, wann es genug ist.

Wen haben Sie in Ihrer Lebenskrise um Rat gefragt?

Natürlich meine sechs, sieben treuen Freunde. Sie sind mir wirklich wichtig. Aber am Ende stirbt man alleine. Ich hätte mich auch bei einer Freundin einnisten können, aber ich habe mich entschieden, nach Hawaii zu gehen. Da war ich natürlich umso mehr allein und isoliert. Aber vielleicht musste das ja so sein.

Zurück in Deutschland waren Sie mit dem Erfolgsproduzenten Olaf Opal im Studio. Was wollten Sie von ihm?

Olaf wurde mir von meinem Soundmann empfohlen. Beim zweiten Album habe ich mir den falschen Produzenten ausgesucht, weil ich so einen Druck hatte. Das sollte mir nicht noch einmal passieren. Olaf hat sofort dafür gebrannt, mit mir zu arbeiten. Ich habe nicht einen einzigen Tag an ihm gezweifelt.

Hat der Job des Musikproduzenten auch einen psychologischen Aspekt?

Ja. Olaf Opal und ich haben uns sofort verstanden. Nicht jeder Produzent sieht und versteht dich, so wie du wirklich bist. Das ist im Künstlerischen das Wichtigste. In ihm habe ich etwas gefunden, was mich nicht mehr verlässt. Mit dieser dritten Platte ist etwas ganz Neues entstanden, an das ich gar nicht mehr geglaubt habe. Olaf hat meine Demos noch einmal auf eine andere Ebene gepackt, ohne sie zu verfremden.

Lässt sich eine Karriere im Musikgeschäft noch planen?

Man kann Dinge nicht planen. Wenn du einen Song raushaust, weißt du nie, welche Sender ihn spielen oder welche Journalisten darüber schreiben werden. Das alles kann ich nicht lenken. Warum sollte ich mir darüber Gedanken machen? Mein Anspruch ist, für den Rest meines Lebens gute Musik zu machen. Mich weiterzuentwickeln und ein toller Live-Act zu sein, von dem man sagt: Diese Sängerin hat mich zum Weinen gebracht.

Warum haben Sie sich schon so früh vom Elternhaus abgenabelt?

Ich war bei meiner Mutter alleine. Sie war viel unterwegs. Aber ich brauchte für mich selber Struktur, dadurch bin ich sehr aufgeblüht. Ich bin viel spießiger als meine Mutter. Mit 17 hatte ich meine eigene Wohnung, die ich selber finanziert habe. Ich war studentische Aushilfe bei einer Schiffsinvestitionsfirma in Hamburg und habe am Wochenende gekellnert. Nebenbei habe ich Abi gemacht. Mit dem ersparten Geld bin ich zwei Jahre lang herumgereist.

Wer hat Ihnen dabei geholfen, Songschreiberin zu werden?

Es war lernen durch Handeln. Eigentlich konnte ich es sofort. Nach dem Erfolg meines ersten Albums hatte ich den Anspruch, eine richtig gute Songschreiberin zu werden. Ich bin bei einem Verlag, der mich weltweit vernetzen kann. Er kann mir in jeder Stadt, in die ich gehe, ein Studio und Songwriter empfehlen. Das habe ich krass betrieben, deswegen ist meine zweite Platte auch so bunt geworden. Nashville hat sehr zu mir gesprochen, deshalb wollte ich da eigentlich mal hinziehen. Ich habe mich auch schon verheiratet auf einer Ranch leben sehen. Das hat aber nicht geklappt, weshalb ich zurückgekommen bin. Mittlerweile habe ich eine tolle Wohnung in Berlin am Wasser gefunden. Ich bin heute nicht mehr so rastlos. Ich weiß, dass ich nichts verpasse, wenn ich hier bleibe.

Im Herbst gehen Sie auf Tour. Welchen Anspruch haben Sie an Ihre Konzerte?

Ich habe in den letzten Monaten extrem viel geprobt. Ich merke, wie ich gerade meine Form annehme. Das empfinde ich als Segen. Ich will gar keine Beyoncé sein. Wir sind nur noch zu dritt auf der Bühne, das ist ein Gewinn.

Was fühlten Sie, als Sie zum ersten Mal feststellen, dass Sie richtige Fans haben?

Das war im ersten Moment sehr merkwürdig. Aber meine Fans haben mir wirklich geholfen, als ich auf Hawaii im Leerlauf war. Das war super. Ich checke jetzt jeden Morgen und Abend die Sozialen Medien.

Wie nahe lassen Sie Ihre Fans an sich heran? Gibt es männliche Groupies?

Tatsächlich hatte ich das auch mal. Aber es kommt nicht so häufig vor. Die Sängerin der Cardigans sagte einmal, dass schon so viele junge Männer in sie verknallt gewesen seien. Aber im Tourbus fühle sie sich wie der einsamste Mensch auf der Welt, während ihre Musiker dauernd Frauen abschleppten. Als Frau neigt man in diesem Geschäft eher zur Einsamkeit, als dass man sich an irgendwelche Fans verschwendet.

Das Gespräch führte Olaf Neumann.

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Olaf Neumann
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Veröffentlicht am:
14. 08. 2017
00:00 Uhr

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Olaf Neumann

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14. 08. 2017
00:00 Uhr



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