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Interview

Morten Harket von A-ha: "Wir Norweger sind Melancholiker"

Basierend auf dem MTV-Unplugged-Album „Summer Solstice“ führt A-ha große Hits wie „Take on me“ live auf. Wir sprachen mit Sänger Morten Harket.



A-ha
  Foto: Universal Music

Morten, wird euer Live-Programm in etwa so aussehen wie die Unplugged-Show in Giske?
Ja. Die Konzerte werden eher leise sein, wir konzentrieren uns ganz auf die Lieder. Besonders freue ich mich darauf, dass wir drei tolle junge Musiker mehr auf der Bühne haben als sonst. Sie spielen Violine, Cello und Viola.

Ist es wahr, dass ihr euer akustisches Album ursprünglich nicht in Norwegen, sondern im legendären Opernhaus von Manaus, also mitten im brasilianischen Regenwald, aufzeichnen wolltet?
Manaus war zumindest eine der Optionen, die sich am längsten hielten und die auch lange Zeit unser Favorit war. Aber logistisch wäre das ein Mordsunternehmen geworden, und so entschieden wir uns letztlich für Giske.

Giske ist eine kleine Insel bei Ålesund. Was macht den Ort so besonders?
Giske ist wirklich nur ein Inselchen, praktischerweise kann man es sogar mit dem Auto erreichen, aber die gesamte Küste in der Mitte Norwegens ist einfach atemberaubend schön und variantenreich. Die Natur gibt dort wirklich alles.

Das Album heißt „Summer Solstice“, also „Sommersonnenwende“. Ist Mittsommer eine besondere Nacht für alle Norweger?
Ja, oh ja. Der längste Tag des Jahres hat eine sehr herausgehobene Bedeutung für uns. Mittsommer ist ein großes und wichtiges Fest in ganz Skandinavien. Es wird die ganze Nacht nicht dunkel, und da Giske nördlicher liegt als meine Heimatstadt Oslo ist der Effekt dort sogar noch stärker ausgeprägt.

Was ist deine liebste Mittsommernacht aller Zeiten?
Nichts kommt heran an die Erfahrungen und Erlebnisse, die wir als Kind gemacht haben. Das ist bei mir auch so. Ich erinnere mich an magische, endlose Sonnenabende. Wenn du älter wirst, versuchst du deine Erinnerungswelt, n der sich Wirklichkeit und Phantasie mischen, an die eigenen Kinder weiterzugeben.

Stand von Anfang an fest, dass ihr das Unplugged-Konzert an Mittsommer aufzeichnen?
Nein, wir hatten es nicht von Anfang an darauf angelegt. Das ergab sich während der Vorbereitung, die sehr lang und intensiv war. Die beiden Konzertabende waren wirklich magisch, auch weil das Publikum mit einer besonders hohen Erwartungshaltung und Vorfreude gekommen ist.

Hat dich das unter Druck gesetzt?
Nein, ich bin eigentlich nie nervös auf der Bühne. Die Leute kamen teilweise von sehr weit her, denen wollten wir etwas bieten und sie auf keinen Fall hängen lassen. Ich hatte mich gerade erst von einer kleinen Infektion an den Atemwegen erholt, für mich bestand der Druck eher darin, dass ich etwas Angst um meine Stimme hatte.

Gerade deine Stimme ist bei den akustischen Versionen ja besonders wichtig, und auf „Summer Solstice“ scheint sie besonders hell. Bist Du zufrieden mit deiner Leistung?
Ich habe mir den Auftritt bislang nicht angeschaut und will das auch nicht. Mir macht es keine Freude, mir selbst bei der Arbeit zuzugucken.

Wie spontan kam die Idee eines Unplugged-Konzerts – und damit verbunden einer Unplugged-Tournee – eigentlich für euch?
Überhaupt nicht spontan. Die Anfrage von MTV lag seit vielen Jahren bei uns auf dem Tisch. Wir hatten vorher schon einige Versuche unternommen, das anzupacken, aber aus diversen Gründen klappte das nie. Dieses Mal wollten wir alle drei unbedingt, dass es passiert. Wir haben uns also echt reingehängt. Denn wir fürchteten: Wenn es wieder nichts wird, dann wird es womöglich niemals passieren.

Wollt ihr euch demnächst wieder trennen?
Nein, aber wir nehmen in unserer Bands nicht als gegeben hin. Es gibt bei a-ha keine Selbstverständlichkeiten und keine langfristigen Pläne. Wir wissen, dass wir 2018 auf Tournee sein werden, aber danach? Kann sein, dass wir die Band wieder auf Eis legen und uns um unsere zahlreichen individuellen Interessen kümmern. Kann auch sein, dass wir weitermachen wollen. Klar ist nur: Wir wollten alle drei dieses Unplugged-Projekt verwirklichen.

Es heißt, bei den Proben wärt ihr euch so nahe gewesen wie seit Ewigkeiten nicht.
Ja, das stimmt. Die Arbeit an diesem Album war für uns auch ein soziales Experiment. Während unserer gesamten Karriere als a-ha gingen alle unsere Entscheidungen immer von uns dreien aus, von Magne, Pal und mir. Wir haben immer hart und fair für unsere Positionen und Überzeugungen gerungen, jeder nicht aus Egoismus, sondern weil wir oft unterschiedliche Ansichten haben, was das Beste für die Band ist. Und jetzt hatten wir mit Lars Horntveth zum ersten Mal einen Produzenten von außerhalb mit dabei.

Und was war seine Aufgabe?
Uns zu quälen (lacht). Er hat geliefert, was wir bestellt hatten. Er konfrontierte uns mit Ideen, die Songs auf eine Weise zu zerschneiden, die uns fremd vorkam. Wir mussten uns wehren, und zusammen kamen wir auf Ideen, die unsere Musik aufregend neu machten, aber ohne dass wir das Wasserzeichen von a-ha über Bord zu werfen.

Ihr habt die Songs also sozusagen bis auf die Knochen ausgezogen.
Das haben wir. Teilweise haben wir ihnen auch noch das Fleisch von den Knochen gezogen. So kam die ursprüngliche Form wieder hervor. Wir schreiben unsere Lieder ja entweder an der Gitarre oder am Piano, dort haben wir sie wieder hingeführt. Einige Arrangements sind so stark, dass sie untrennbar mit der Identität der Songs verknüpft sind, die wollten wir dann nicht zerschneiden. Bei anderen sind wir radikaler vorgegangen.

Bei welchen Stücken besonders?
„Take On Me“ ist gewissermaßen unser Meisterstück. Wir haben den Song entkernt, das typische Keyboard-Riff entfernt und den spirituellen, reinen Aspekt dieses Liedes freigelegt. Nun ist er nicht mehr unter Schichten von Sounds begraben, sondern steht da ganz klar und pur. „Take On Me“ ist von so vielen Musikern gecovert worden, und jetzt haben wir ihn endlich selbst gecovert – und zwar radikaler als alle anderen.

Ist „Take On Me“ dein Lieblingssong von a-ha?
Nein, die sind mir alle lieb und wertvoll. Ich bin ja auch nicht das Lieblingskind meiner Eltern. Nur weil ich zum globalen Popstar wurde, heißt das nicht, dass meine Eltern mich meinen Geschwistern vorziehen würden. Wir sind alle toll (lacht).

„This Is Our Home“ ist ein neues Lied. Was bedeutet dir der Begriff „Heimat“ denn?
Magne hat den Song geschrieben, er ist seine Antwort auf das, was in der Welt passiert. Ich verstehe seinen Blickwinkel und teile ihn weitgehend.

Sind harte Zeiten gut für die Kunst?
Ja, im Grunde schon. Man ist eher geneigt, sich extremen Situationen zu stellen, die Konfrontation zu suchen. Aber vielleicht geht es gar nicht so sehr darum, Antworten zu finden, sondern die wichtigen Fragen zu stellen.

Welche sind das?
Ob wir es schaffen, nicht länger der Gegner sondern ein Teil unseres Planeten zu sein. Wir werden es als Spezies nicht mehr lange machen, wenn wir uns nicht darauf besinnen, die Natur zu achten und uns nicht länger den anderen Spezies als überlegen ansehen. Wir müssen es schaffen, so auf der Erde zu leben, dass es harmonisch ist für alle Wesen. Die Natur ist größer als wir. Die Natur wird nicht verlieren. Wenn es ihr irgendwann reicht, dann schüttelt sie einmal kurz ihr Fell, und wir fallen runter.

Warum tun wir uns so schwer?
Wir denken, dass Religion, Herkunft und Spiritualität uns trennen, dabei vereinen uns unsere Werte viel stärker als dass sie uns separieren. Zum gemeinsamen Verhängnis wird uns über kurz oder lang die Gier, denn sie ist das einzige Leitmotiv, auf das wir uns fast alle zu einigen scheinen. Wir werden in unser eigenes Schwert fallen.

Das sind düstere Ansichten.
Wir Norweger sind Melancholiker. Sehr optimistisch bin ich allerdings wirklich nicht.

Ist „Summer Solstice“ euer bislang norwegischstes Album?
Das ist wohl eher ein Schlagwort für Journalisten. Aber warum nicht? Der Ausdruck ist nicht unpassend. Andererseits sind wir zwar Norweger und in Norwegen aufgewachsen, und doch sind wir von der europäischen, der amerikanischen und der fernöstlichen Kultur beeinflusst und auf der Welt zu Hause. Daher würde ich sagen: Wir machen keine norwegische Musik. Sondern menschliche Musik.

A-ha auf Tour   

Die norwegische Popband geht auf „Electric Summer Tour“ und tritt am 22. August um 20 Uhr auf dem Schlossplatz in Coburg auf. Karten gibt es in unserem Ticketshop.

Autor

Das Gespräch führte Steffen Rüth
Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
06. 08. 2018
06:00 Uhr

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Das Gespräch führte Steffen Rüth

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06. 08. 2018
06:00 Uhr



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