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Arzberg

Stadtrat Arzberg lehnt Solar-Projekt ab

Mit zwölf gegen sechs Stimmen verwirft das Gremium das Vorhaben. Die Südwerk GmbH wollte bei Seußen eine große Photovoltaik-Anlage bauen.



Eine Freiland-Photovoltaik-Anlage wie diese bei Stammbach hätte auf einer rund 13 Hektar großen Fläche bei Seußen entstehen sollen. Doch der Arzberger Stadtrat hat das Projekt der Südwerk GmbH in seiner Sitzung am Donnerstag abgelehnt. Fotos: Rainer Maier
Eine Freiland-Photovoltaik-Anlage wie diese bei Stammbach hätte auf einer rund 13 Hektar großen Fläche bei Seußen entstehen sollen. Doch der Arzberger Stadtrat hat das Projekt der Südwerk GmbH in seiner Sitzung am Donnerstag abgelehnt. Fotos: Rainer Maier  

Arzberg - "Ich bin überrascht, wie die Diskussion heute Abend gelaufen ist", sagte Bürgermeister Stefan Göcking nach der fast eineinhalbstündigen Präsentation und Aussprache über das Solar-Projekt der Südwerk GmbH aus Burgkunstadt. Die Firma wollte eine 13 Hektar große Freiland-Photovoltaik-Anlage bei Seußen bauen und damit umweltfreundlich Strom aus Sonnenlicht erzeugen, der den Bedarf von 3284 Haushalten hätte decken können. Doch im Arzberger Stadtrat sprachen sich am Donnerstagabend zwölf Räte gegen den Plan aus. Sechs waren dafür.

Südwerk-Inhaber und -Geschäftsführer Manuel Bosse hatte sein Konzept erläutert und dabei die Vorzüge der Sonnenenergie ausführlich dargestellt. Er betonte, der Photovoltaik-Markt belebe sich wieder, weltweit würden derzeit viele Solaranlagen installiert. Allein im vergangenen Jahr seien fast 100 Gigawatt an Nennleistung hinzugekommen. In Bayern sei Südwerk das führende Unternehmen. 80 Megawatt habe man 2018 umgesetzt, weitere 180 Megawatt seien in Planung.

Zehn Megawatt werde die Anlage erzeugen, die westlich von Seußen zwischen der B 303 und Korbersdorf entstehen soll. Südwerk wolle dafür rund 6,5 Millionen Euro investieren. Die etwa 13 Hektar große Fläche würde dabei zu sechzig Prozent von Solarplatten bedeckt, allerdings nur zu einem Prozent versiegelt. Denn unter den Modulen bleibe es grün. "Hier könnten Blühwiesen entstehen", sagte Bosse. "Das wäre ein großer Beitrag zum Insektenschutz." Durch die Solarstrom-Produktion von 10,5 Millionen Kilowattstunden im Jahr würde der Ausstoß von 6305 Tonnen Kohlendioxid vermieden. Die Planung sei so gelegt, dass die Anlage außerhalb des Korridors einer möglichen HGÜ-Trasse entstehe. Die Netzanbindung könnte am nahen Umspannwerk Wölsau erfolgen.

"Wir haben diesen Standort ausgesucht, weil er am weitesten vom Schuss ist", sagte Bosse. Bei der Projekt-Verwirklichung werde sich Südwerk eng mit den Anwohnern abstimmen und möglichst viele Menschen einbinden. Zudem suche man bei der gesetzlich vorgeschriebenen Begrünung der Flächen die Zusammenarbeit mit Behörden und Landwirten. "Das Projekt bedeutet auch eine Umwidmung von intensiv landwirtschaftlich genutzten Flächen auf extensive Verwendung", sagte Bosse. "Das reduziert die Nitratwerte und verbessert den Grundwasserschutz." Bürgschaften würden garantieren, dass die Anlage nach Nutzungsende wieder "zur grünen Wiese" zurückgebaut wird.

Das Unternehmen, das bereits große Anlagen bei Selb, Hof, Döhlau und Köditz sowie in der Oberpfalz bei Mitterteich und Wiesau betreibt, habe Arzberg als möglichen Standort gewählt, weil die Stadt Tradition in der Energieerzeugung habe und durch das Smart-Grid-Solar-Projekt Energiewenden-Vorreiter sei. Auch was ein Kohleausstieg bedeutet, wisse man in Arzberg als ehemalige Kraftwerksstadt aus erster Hand.

Der Strom aus der Sonne sei inzwischen die billigste Erzeugungsform für elektrische Energie, berichtete Bosse. Bei Kilowattstunden-Gestehungskosten von 4,2 bis 4,5 Cent liege man deutlich unter den Preisen der Leipziger Energiebörse. Günstige Preise könne man als dezentraler Versorger auch an örtliche Verbraucher weitergeben, billiger Strom könnte neue Betriebe nach Arzberg locken.

Durch eine Gesetzesänderung werde auch die Stadt Arzberg von dem Projekt profitieren, denn seit 2013 sei vorgeschrieben, dass die Gewinne nicht mehr nur am Sitz der Betreibergesellschaft versteuert werden, sondern zu mindestens siebzig Prozent bei der Gewerbesteuer der Kommune zu Buche schlagen, in der die Photovoltaikanlage steht.

Bürgermeister Stefan Göcking (SPD) sagte, Strom aus der Sonne tue den Menschen und der Natur gut und trage zur Wertschöpfung in der Gemeinde bei. Arzberg könne damit seine Energie-Autarkie weiter stärken und einen Beitrag zum Klimaschutz leisten. Dritter Bürgermeister Stefan Klaubert (SPD) betonte, bereits 2009 habe der Stadtrat einen Grundsatzbeschluss gefasst, um bei der Energiewende eigene Akzente zu setzen. Er bat seine Ratskollegen, diesen "Arzberger Weg" weiterzugehen und die dezentrale Energieversorgung weiter auszubauen. Nur damit ließen sich die großen Stromtrassen quer durch die Republik vermeiden.

CSU-Rat Günther Marth kritisierte, er habe erst durch die Sitzungsvorlage erfahren, auf welchen Flächen Südwerk die Anlage bauen wolle. Es seien auch Grundstücke dabei, die ihm gehören. Er sei aber von der Firma nie kontaktiert worden. "Ihre Vorgehensweise ist sehr fraglich", sagte er zu Manuel Bosse. Der erwiderte, die Skizze habe wohl "redaktionelle Fehler", Marth-Flächen würden nicht verwendet. "Wir wissen ja, dass Sie grundsätzlich dagegen sind, landwirtschaftlich nutzbare Flächen für die Energie-Erzeugung zu verwenden. Deswegen haben wir Sie gar nicht angesprochen."

Roland Kastner (CSU) sagte, er fühle sich "verarscht und für blöd verkauft": "Für eine Firma, die in der Grundlagenplanung solche Fehler macht, kann ich nicht die Hand heben." Südwerk-Geschäftsführer Bosse bat die Räte, nicht kleinlich zu sein. Man könne die nötige Fläche auch realisieren, ohne Grundstücke von Günther Marth zu verwenden. "Wir sehen uns nicht als Gegner der Landwirtschaft", sagte er. "Wir machen den Bauern ein Angebot zur alternativen Nutzung." Eine Photovoltaik-Anlage tue mehr für den Naturschutz als ein bewirtschafteter Acker.

Zweite Bürgermeisterin Marion Stowasser-Fürbringer (UPW) sagte, es sei für sie schwierig, sich an dieser Stelle einen Solarpark vorzustellen. "In dieses Gebiet passt das nicht", sagte sie. "Außerdem schließt sich direkt ein Naturschutzgebiet an."

Auch Stefan Brodmerkel von der CSU sagte, er lehne es ebenfalls aus prinzipiellen Gründen ab, landwirtschaftliche Flächen für Photovoltaik herzunehmen. Und er gab zu bedenken, dass der Solarpark "so groß wie das ganze Dorf Seußen" werden solle.

Dr. Heinz Eschlwöch (UPW) bezweifelte, dass die Stadt Arzberg tatsächlich aus der Wertschöpfung der Anlage profitieren werde. Roland Werner (UPW) sagte, Arzberg habe schon viel für erneuerbare Energien getan: "Jetzt ist‘s gut, jetzt sind mal andere dran."

Peter Gräf von der SPD meinte, die Anlage sei ja nur von der B 303 aus zu sehen, von Seußen oder Korbersdorf aus jedoch nicht. Stefan Klaubert fügte hinzu, eine Mais-Monokultur sei für die Natur "tausendfach verheerender als eine Photovoltaik-Anlage". Und Bürgermeister Göcking verdeutlichte, dass es hier nicht um eine Diskussion über landschaftliche Schönheit gehe, sondern um eine Debatte über Klimaschutz und Energie-Erzeugung.

Dennoch: Zwölf Räte votierten gegen das Vorhaben der Südwerk GmbH. Das 6,5-Millionen-Euro-Projekt ist damit gescheitert.

Autor

Rainer Maier
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Veröffentlicht am:
01. 02. 2019
17:38 Uhr

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Rainer Maier

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Veröffentlicht am:
01. 02. 2019
17:38 Uhr



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