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Arzberg

Zehn Jahre für die Menschenwürde

Die Arzberger AWO-Tafel begeht ihr Jubiläum mit einem Tag der offenen Tür und einem interkulturellen Fest. Vorsitzender Wagner dankt den treuen Helferinnen und Helfern.



Dafür, dass sie in den vergangenen zehn Jahren bei der Tafel kräftig zugepackt haben, dankte AWO-Vorsitzender Alexander Wagner (links) einer ganzen Reihe von Helferinnen und Helfern. Unser Bild zeigt sie mit den Ehrengästen (weiter von links): Stefanie Wagner, Almut Merkl, Bezirksrat Holger Grießhammer, Pfarrer Carsten Friedel, Waldtraud Friedel, Bürgermeister Stefan Göcking, Karin Kretzer, Ulrike Bauer, Sponsor Roland Werner, stellvertretende Landrätin Johanne Arzberger, Ben Wagner, Birgitta Graf, Günter Prechtl, Dietmar Bauer, Luca Wagner, Simone Göcking und Annelore Drobig. Foto: Stefan Klaubert
Dafür, dass sie in den vergangenen zehn Jahren bei der Tafel kräftig zugepackt haben, dankte AWO-Vorsitzender Alexander Wagner (links) einer ganzen Reihe von Helferinnen und Helfern. Unser Bild zeigt sie mit den Ehrengästen (weiter von links): Stefanie Wagner, Almut Merkl, Bezirksrat Holger Grießhammer, Pfarrer Carsten Friedel, Waldtraud Friedel, Bürgermeister Stefan Göcking, Karin Kretzer, Ulrike Bauer, Sponsor Roland Werner, stellvertretende Landrätin Johanne Arzberger, Ben Wagner, Birgitta Graf, Günter Prechtl, Dietmar Bauer, Luca Wagner, Simone Göcking und Annelore Drobig. Foto: Stefan Klaubert  

Arzberg - Lange Zeit hat Ben geglaubt, er sei in der Tafel geboren worden. So abwegig ist der Gedanke gar nicht. Denn schließlich fällt sein Geburtsjahr mit dem der karitativen AWO-Einrichtung in Arzberg zusammen. Ben lag tatsächlich als kleines Baby immer samstags in einer roten Transportbox, während seine Eltern Alexander und Stefanie Wagner gespendete Lebensmittel in die Regale einräumten. Inzwischen ist nicht nur Ben zehn Jahre alt, sondern auch die Arzberger Tafel. Am Samstag berichtete AWO-Vorsitzender Alexander Wagner bei der Jubiläumsfeier von Bens Geburtsgedanken als kleine Anekdote - und natürlich weit ausführlicher über die Geschichte der Tafel in Arzberg und die aktuelle Situation.

Für 55 000 Menschen

In den zehn Jahren seit der Tafel-Gründung hätten rund 80 Ehrenamtliche, auch solche mit Migrationshintergrund, bei der Einrichtung mitgearbeitet. Rund 55 000 Menschen und rund 31 000 Familien seien versorgt worden.

Geehrt wurden beim Tafel-Jubiläum Birgitta Graf und Simone Göcking, die schon bei der Gründung vor zehn Jahren dabei waren. Urkunden und einen Warenkorb bekamen für zehnjährige Mitarbeit: Karin Kretzer, Dietmar Bauer, Annelore Drobig, Ulrike Bauer, Almut Merkl, Waldtraud Friedel, Günter Prechtl sowie die beiden jüngsten Helfer Ben und Luca Wagner. Doris Meier, die ebenfalls seit zehn Jahren dabei ist, und die Mitgründerin Christine Bauer konnten an der Jubiläumsfeier nicht teilnehmen. Simone Göcking dankte Alexander und Stefanie Wagner für deren großes Engagement


Mit einem Tag der offenen Tür und einem interkulturellen Fest im und um das AWO-Haus beging das Tafel-Team am 13. Deutschen Tafeltag das Jubiläum. Viele Ehrengäste waren gekommen, darunter Bürgermeister Stefan Göcking, stellvertretende Landrätin Johanne Arzberger, Pfarrer Carsten Friedel, Stadträte von SPD und UPW und auch Sponsoren. Leider sei es in Deutschland nötig, Tafeln zu betreiben, sagte Alexander Wagner. Wegen Armut oder geringen Einkommens bedürften viele Menschen dieser Hilfe. "Tafel heißt aber auch, Lebensmittel der Überflussgesellschaft im Kreislauf zu lassen", sagte der Vorsitzende. Damit würden auch die Wegwerfmentalität und der Konsum in der Gesellschaft thematisiert. Seit 100 Jahren kämpft die Arbeiterwohlfahrt laut Wagner für Solidarität und Gleichberechtigung. "Wir wollen als AWO und auch als Tafel versuchen, den Menschen ein menschenwürdiges Leben zu ermöglichen", sagte er.

Im Jahr 2009 hätten drei Frauen die Idee gehabt, in Arzberg eine Tafel zu gründen: Regina Hacker, die leider inzwischen verstorben ist, Simone Göcking und Birgitta Graf. Auf der Suche nach einem Träger seien sie bei der AWO und der damaligen Vorsitzenden Christine Bauer fündig geworden. Im Oktober 2009 sei dann der Tafel-Laden eröffnet worden - damals noch in der ehemaligen Metzgerei Welzel in der Sandauer Straße. 2010 habe der Verein das erste Kühlfahrzeug kaufen können, das 2016 mithilfe von Spenden und Sponsorengeldern durch ein neues Auto ersetzt worden sei. Im Juli 2016 sei die Tafel in den eigenen Laden im AWO-Haus umgezogen. Eigentlich bräuchte die Arzberger Tafel mehr Ware, betonte der Vorsitzende. Zehn Jahre lang habe die AWO darum gekämpft, Ware aus dem Zentrallager der Edeka in Marktredwitz zu bekommen. Jetzt sei dies möglich.

Von Beginn an sei die Tafel zu 100 Prozent ehrenamtlich geführt worden, betonte Alexander Wagner. Das Projekt sei interkulturell und integriere auch Geflüchtete - sowohl als Helfer als auch als Kunden. "Wir wenden uns ganz klar gegen Rassismus in der Gesellschaft", unterstrich der Vorsitzende. "Den können wir in der Gesellschaft nicht brauchen." Brauchen könne die Tafel hingegen immer neue Helferinnen und Helfer. Wer mitmachen möchte, könne sich an den Samstagen zwischen 8 und 17 Uhr melden. "Bevor in den sozialen Medien geschimpft wird über die Tafel: Lieber mal reingehen und sehen, wie die Arbeit bei uns ist", forderte Wagner potenzielle neue Ehrenamtliche auf.

"An den Tafeln scheiden sich die Geister. Es ist schade, dass es sie braucht, aber ein Segen, dass es sie gibt", sagte stellvertretende Landrätin Johanne Arzberger. Und es sei ein Hohn, dass Tafeln nötig seien, andererseits zum Beispiel Studentinnen, die sich Lebensmittel aus Müllcontainern genommen hätten, bestraft würden. Ein ermutigendes Zeichen sei hingegen, wie bei der Tafel mitmenschliches Verhalten gezeigt werde. "Es ist schön, dass es euch gibt, aber besser wäre es, wenn es euch nicht bräuchte", meinte auch Bürgermeister Stefan Göcking. Die Helferinnen und Helfer der Tafel lebten klassische Menschenliebe vor. "Ich bin stolz darauf, dass es in Arzberg Menschen wie euch gibt." Durch die Tafel würden andere Menschen dafür sensibilisiert, dass es nicht jedem gut gehe in der Stadt. Bezirksrat und SPD-Landratskandidat Holger Grießhammer, der auch die Grüße der AWO-Bezirksvorsitzenden Inge Aures überbrachte, sagte. "Ohne das Ehrenamt wäre unser Land viel ärmer."

Es gebe vieles, was Kirche und Tafel verbinde, sagte Pfarrer Carsten Friedel. Zum Beispiel, sich für Benachteiligte einzusetzen. "Ihr seid ein Segen für unserer Stadt", sagte er an die Helferinnen und Helfer gewandt. In der Tafel herrsche eine Atmosphäre, in der sich die Menschen wertgeschätzt fühlten, meinte der Geistliche und zitierte aus dem Matthäus-Evangelium: "Ich sage euch: Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan."

Autor

Christl Schemm
Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
29. 09. 2019
17:24 Uhr

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Autor

Christl Schemm

Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
29. 09. 2019
17:24 Uhr



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