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Kunst und Kultur

Alles nur geträumt, Käthchen?

Am 15. Februar feiert "Käthchen von Heilbronn" am Theater Hof Premiere. Regisseur Reinhardt Friese erzählt ein Märchen, das recht widerspenstig ist.



Noch ist alles Käthchen-Probe (von links): Oliver Hildebrandt, Ralf Hocke, Aline Adam, Susanna Mucha, die mit der Titelrolle Abschied vom Hofer Emsemble nimmt, und Volker Ringe. Foto: Theater Hof
Noch ist alles Käthchen-Probe (von links): Oliver Hildebrandt, Ralf Hocke, Aline Adam, Susanna Mucha, die mit der Titelrolle Abschied vom Hofer Emsemble nimmt, und Volker Ringe. Foto: Theater Hof  

Hof - Psst, Käthchen träumt! Und der Herr Graf mit dem schönen Namen Friedrich Wetter Graf vom Strahl, der auch. Die eine von ihrem Zukünftigen, der andere von einer Kaisertochter - und am Ende ... genau. Es ist eben ein Märchen, das "Käthchen von Heilbronn". Und ein Drama allemal. Am 15. Februar geht es das erste Mal am Hofer Theater über die Bühne. Regisseur Reinhardt Friese, Intendant des Hauses, hat sich das eigenwillige Stück von Heinrich von Kleist vorgenommen. "Ein Stück voller Archetypen", sagt er dazu. Surreales stecke darin, es erzähle von "Einsamen in der Welt". Es ist kein schönes Seufzermärchen, abgedreht ist es, sagen viele - durchaus wohlmeinend.

Termine

Die Matinee, in der man einiges zum "Käthchen von Heilbronn" erfährt, findet am Sonntag um 11 Uhr in der Kulturkantine des Theaters Hof statt. Premiere feiert das Schauspiel am Freitag, 15. Februar, um 19.30 Uhr im großen Haus. Weitere Aufführungen gehen am Mittwoch, 20., und Samstag, 23. Februar, jeweils um 19.30 Uhr über die Bühnen. Weitere Infos finden sich im Netz unter

—————

www.theater-hof.de


Susanna Mucha in der Titelrolle wird viel investieren müssen, um das schwankende Mädchen, das dem Ritter hinterherrennt, so zu spielen, wie es die Inszenierung will. "Käthchens Kopf ist ein großer Fantasieraum", sagt Reinhardt Friese. Sie steckt voller Emotion. "Gefühle darf man auf der Bühne nicht behaupten, man muss sie darstellen", sagt er auch. Wer Susanna Mucha übrigens so erleben will, darf nicht warten, die Schauspielerin verlässt das Haus nach dieser Spielzeit.

Überhaupt spricht der Regisseur viel von Gefühlen, vom Ungreifbaren und von beklemmender Verzerrung. So sehr Friese auch an der Behauptung, Träume könnten wahr werden, festhält, dramaturgisch ist er herausgefordert. Zu seiner Lösung tragen Kilian Görl und Kristoffer Keudel bei. Das Duo hat er für die Videografie eingespannt, die die Inszenierung prägen wird. Acht Clips drehen sie, eine halbe Stunde werden ihre Bilder mitgestalten. Dabei verzichtet das Team auf Konkretes. "Wir zeigen keine Landschaften. Was wir liefern, ist ein emotionaler Kommentar, der sich assoziativ erschließt", erklärt Keudel. Was sie zeigen, muss also etwas auslösen, ohne es zu erklären. Beispiel: In "Käthchen" wird eine Burg brennen. Görl und Keudel könnten - billig, aber klar - Flammen auf die Leinwand werfen, tun sie aber nicht. Mit der Lösung eines feuer- oder blutroten Rorschach-Symbols darf der Zuschauer frei assoziieren - und den Videografen eine Freude bereiten, wenn er etwas Bedrohliches wahrnimmt. Das muss gelingen: Ein Gefühl auszulösen, ohne mit dem nächstliegenden Fingerzeig zu kommen. So zu arbeiten, soll helfen, dem Träumerischen des Stückes eine eigene Identität zu verschaffen.

Kniff Nummer zwei ist mechanisch. Friese kennt einen Spieluhrenbauer und die Wirkung dieses Instruments. Der helle Klang hat eine irritierende Komponente, aber auch etwas Vertrautes. Im Hofer "Käthchen" wird Susanna Mucha die Spieluhr bedienen und Tonmeister und Schauspieler herausfordern, weil die 16 Darsteller auf der Bühne dreistimmig dazu singen werden, ohne dass das feine Instrument untergehen darf.

Schönen Stoff liefert dieser Chor, etwa "Dream a little Dream" oder "When I fall in Love". Bewusst populäre Stücke zum Zurücklehnen sind das. Oder wie Regisseur Reinhardt Friese dazu sagt: "Eine Auszeit für den Verstand."

Autor

Harald Werder

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Veröffentlicht am:
07. 02. 2019
19:12 Uhr

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07. 02. 2019
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