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Kunst und Kultur

Für den offenen Blick: Kunstpalast präsentiert Künstler aus der DDR

30 Jahre nach dem Fall der Mauer stellt ein westdeutsches Museum Künstler aus der DDR vor. Es sind nur 13, aber es ergibt ein buntes Bild. Der Düsseldorfer Kunstpalast setzt auf ein neugieriges Publikum.



Ausstellung "Utopie und Untergang. Kunst in der DDR" Düsseldorf
03.09.2019, Nordrhein-Westfalen, Düsseldorf: Collagen der Künstlerin Cornelia Schleime sind in der Ausstellung "Utopie und Untergang. Kunst in der DDR" zu sehen. 30 Jahre nach dem Fall der Mauer widmet sich der Kunstpalast mit einer großen Ausstellung der Kunst aus der DDR, deren Schirmherr Bundespräsident Steinmeier ist. Mehr als 130 Gemälde und Arbeiten auf Papier von 13 unterschiedlichen Künstlerinnen und Künstlern werden vom 05.09.2019 bis 05.01.2020 zu sehen sein. Foto: Rolf Vennenbernd/dpa +++ dpa-Bildfunk +++ | Verwendung weltweit   Foto: Rolf Vennenbernd

Düsseldorf (dpa) – Nach fünf Ausreiseanträgen durfte Cornelia Schleime 1984 die DDR verlassen. Die Dresdner Künstlerin hatte 24 Stunden Zeit zu packen und konnte nur einen kleinen Teil ihres Werks mitnehmen. In der Düsseldorfer Ausstellung „Utopie und Untergang. Kunst in der DDR“ (5.9. bis 5.1. 2020) sind Bilder der Malerin und Filmemacherin zusammen mit denen anderer Künstler zu sehen. Die Überblicksschau des Kunstpalasts präsentiert Werke aus der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg bis kurz nach dem Mauerfall.

Um Begriffe wie „Staatskunst“ geht es dem Museum nicht, sondern ums Kennenlernen. „Wir wollen nüchtern und kritisch auf die Bilder schauen“, sagt Ausstellungsmacher Steffen Krautzig. 30 Jahre nach dem Fall der Mauer soll über die im Westen kaum bekannte Kunstszene der DDR informiert werden.

Gezeigt werden über 130 Arbeiten von 13 Künstlern aller Generationen. Darunter ist der einflussreiche, linientreue Kulturpolitiker Willi Sitte, der Abgeordneter der Volkskammer und lange Zeit Präsident der Verbandes Bildender Künstler der DDR war, und im Westen ausstellen durfte. Andere Künstler arbeiteten fast verborgen und wurden in der DDR kaum gezeigt. Museumschef Felix Krämer betont: „Es sind nicht nur politische Pamphlete, die an der Wand hängen“.

Hermann Glöckner blieb in stiller Standhaftigkeit bei seinem abstrakten Stil. Erst zu seinem 80. Geburtstag im Jahr 1969 bekam er eine Einzelausstellung im Kupferstich-Kabinett Dresden. In Düsseldorf entfaltet sich insgesamt ein buntes Panorama: Es reicht von extrem expressiven Bildern bis zu zarten Papierarbeiten. Vieles wird erläutert: Die offizielle Kunst sollte gegenständlich sein und helfen, die sozialistische Gesellschaft aufzubauen. Die einzelnen Künstler gingen damit unterschiedlich um.

Mit seinem „Der Übergang“ von 1963 schuf A.R. Penck eine Ikone des Kalten Krieges: Ein dürres Strichmännchen balanciert über einen brennenden Abgrund. Auch sein an Höhlenmalerei erinnernder Stil stand im Widerspruch zur offiziellen Lehre. Penck bekam Ausstellungsverbot und wurde 1980 ausgebürgert. Da war seine Kunst im Westen schon bekannt. Er ging ins Rheinland, wie zuvor Gerhard Richter oder Günther Uecker.

Carlfriedrich Claus etwa schuf Blätter voller rätselhafter Zeichen. Er hatte Briefpartner in Ost und West. Als der westdeutsche Sammler Willi Kemp 1965 auf der Rückfahrt von einem Treffen in Ost-Berlin am Bahnhof Friedrichstraße kontrolliert wurde, gab er die Blätter als Kinderzeichnungen aus – mit Erfolg. Lange konnte Claus, da er nicht Mitglied in einem offiziellen Verband werden durfte, weder ausstellen, noch verkaufen.

Der Maler Bernhard Heisig war in Leipzig Hochschullehrer und nahm mit anderen 1977 an der documenta in Kassel teil. Von ihm hängt in Düsseldorf das großformatige Bild „Brigadier II“, worauf ein Arbeiter mit offener Jacke zufrieden den Daumen reckt. Der frühere bundesdeutsche Kanzler Helmut Schmidt ließ sich 1986 von Heisig porträtieren – das war in Zeiten der Teilung etwas Besonderes.

Wie Heisig war Werner Tübke Professor und zeitweise Rektor der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig. Seine Bilder erweckten den Argwohn der SED-Parteileitung: Der Künstler sei ein „Opfer alter Malerei“ geworden, und außerdem verwende er zu viele christliche Symbole, heißt es im Protokoll eines Kadergesprächs der Parteileitung mit Tübke von 1967. Mit Sitte, Heisig und Wolfgang Mattheuer gehörte Tübke aber zu den am häufigsten im Westen ausgestellten Malern.

Cornelia Schleime, die 1984 die DDR mit kaum einem ihrer Bilder verließ, hat nach der Wende ihre Stasi-Akte verarbeitet. Wo auf dem Blatt steht „Die Sch. soll in ihrem Beruf ganz gut verdienen“, hat sie ein vieldeutiges Foto von sich im Bett mit Zigarette und Aschenbecher eingefügt. Eine andere Collage ist mit dem Bild einer dem Betrachter zuprostenden, werktätigen Frau mit Kopftuch garniert - vor einem Foto von Erich Honecker.

Von Ulrike Hofsähs, dpa

Veröffentlicht am:
04. 09. 2019
16:36 Uhr

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dpa

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Veröffentlicht am:
04. 09. 2019
16:36 Uhr



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