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Kunst und Kultur

"Ich bleibe der Junge aus den Fichtelhills"

Der Waldershofer Frank Pirner bringt Heimatgefühl und Hip-Hop zusammen. Das darf sich dann auch mal derb anhören.



Frank Pirner rappt unter dem Künstlernamen "DER400" in seinem neuen Song "Ich komm heim" über seine Heimat, das Fichtelgebirge. Foto: Marcel Gollin
Frank Pirner rappt unter dem Künstlernamen "DER400" in seinem neuen Song "Ich komm heim" über seine Heimat, das Fichtelgebirge. Foto: Marcel Gollin  

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Hip-Hop aus dem Fichtelgebirge

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Waldershof - Heimat und Hip-Hop - geht das zusammen? Vor allem, wenn die Heimat nicht Berlin, sondern Fichtelgebirge heißt? Mit seinem neuen Song "Ich komm heim" zeigt Frank Pirner alias "DER400", dass das prima funktioniert. Im Interview erklärt Pirner, wie er als Gymnasiallehrer arbeiten und dennoch rohe Kunst produzieren kann.

Musik zum Streamen

Frank Pirner (32) ist in Rodenzenreuth bei Waldershof aufgewachsen. Studiert hat er in Würzburg und ist derzeit Gymnasiallehrer für Englisch, Geschichte und Sozialkunde an einer Schule in der Oberpfalz. Das Musikprojekt "DER400" betreibt er seit 2014. Damit ist er auf Facebook, Youtube und Instagram vertreten. Seine Musik steht auf den Streamingportalen iTunes, Amazon, Google Play und Spotify zur Verfügung.

 

 

 

"DER400" - wofür steht der Name?

Das fragt am Anfang jeder. Da gibt es keine Auflösung - zumindest noch nicht. Manchmal lasse ich mir aber zum Spaß wilde Geschichten einfallen.

 

Es ist also wie anfangs bei Sido: Wer verbirgt sich hinter der Maske?

Könnte sein. Es könnte aber auch sein, dass nichts dahintersteckt. Man munkelt, und viele fragen nach. Aber ich finde es eigentlich ganz schön, dass man mich nicht sofort einordnen kann, sondern dass der Name der Kunst ein wenig Freiraum lässt. Den Freiraum nehme ich mir.

 

In Ihrem neuen Song "Ich komm heim" geht es ums Fichtelgebirge. Hip-Hop und Heimat - passt das?

Das geht super zusammen. Die Heimat beeinflusst jeden Menschen. Es war klar, dass ich mich mit dem Thema auseinandersetzen möchte. Der Song ist nicht gestern entstanden, sondern eigentlich in meinen Mittzwanzigern während des Studiums. Ich war nicht oft in der Heimat damals und habe meine Sehnsucht textlich verpackt, mal wieder heimzukommen. Ich will auch die Hassliebe darstellen, denn in dem Song wird nicht alles rosarot gezeichnet, was bei uns zu Hause los ist.

 

Definitiv nicht. Im Song klingen auch schwierige Themen wie Trostlosigkeit und Drogenprobleme an. Was ist für Sie das Fichtelgebirge?

Auf jeden Fall nicht schwarz und nicht weiß. Ich wollte das Fichtelgebirge realitätsnah darstellen. Die Kernaussagen des Songs sind immer in den Versen der erste und der letzte Satz. Am Anfang sage ich: "Mir egal, mit welchen Vögeln jetzt du F..... chillst." Der ist natürlich etwas härter und explizit. Aber im Prinzip geht es nur darum: Egal, wie du dich verändert hast und was du denkst, wer du jetzt bist, ich bleibe der Junge aus den Fichtelhills von damals. Klar bin ich älter geworden und habe mich weiterentwickelt, aber ich bin mir und meinen Wurzeln treu geblieben. Auch der letzte Satz ist immer wichtig: "Mama, ich komm heim." Mamas sind für viele Menschen die wichtigste Bezugspersonen im Leben. Und wenn ich über Heimat spreche, dann hat das ganz viel zu tun mit Familie. Und bei mir persönlich eben auch mit meiner Mutter, da wir absolut Seelenverwandte sind. Es ist einfach meine Heimat, die ich im Song zeichne, und die ist wunderschön, aber eben auch hässlich. Wer sich damit identifizieren kann - super. Aber es ist eine subjektive Darstellung des Fichtelgebirges.

 

Sprachlich geht's im Text an manchen Stellen derb zu. Sie sind Lehrer. Sprechen Sie Ihre Schüler oder Kollegen darauf an?

An meiner Schule bin ich noch ziemlich frisch. Manche Schüler haben es erst vor Kurzem rausgefunden. Und dann kommt man auf Umwegen auf die Musik zu sprechen. Dafür stehe ich gerade. Wenn ich merke, dass Schüler in sozialen Medien meiner Musikseite folgen, dann thematisiere ich das. Dann gibt es vielleicht ein, zwei Lacher, aber ich schäme mich schließlich nicht für meine Musik. Während des Unterrichts gehe ich damit professionell um. Im Privatleben bin ich Musiker. In der Schule bin ich Lehrer. Mit der derben Sprache versuche ich mich teilweise zu zügeln. Aber würde ich ernsthaft darüber nachdenken, meine Kunst wegen meines Berufs zu reglementieren, dann dürfte ich es eigentlich schon nicht mehr machen. Jede Kunstform muss so roh und unzensiert sein dürfen, wie man sie als Künstler fühlt.

 

In Ihren Videos sind viele Musiker zu sehen. Wer sind die Leute?

Wenn jemand fragt: Wer ist "DER400"? Dann sage ich ungern, dass bin nur ich als Person. Ich sehe mich auch nicht als Solokünstler. Natürlich verkörpere ich das und bin der Dreh- und Angelpunkt des Projektes. Wir produzieren und veröffentlichen das alles selbst. So hat sich über Jahre ein Team mit echten Freundschaften entwickelt. Zwei Namen sind bei "Ich komm heim" besonders wichtig. Amaine Johnson hat das Lied mit mir zusammen produziert. Das Video hat Marcel Gollin gemacht. Dann gibt es meine Band.

 

Die Musik und das Video sind aus Konsumentensicht professionell produziert. Ist die Musik für Sie ein Hobby oder soll irgendwann der Durchbruch kommen?

Ich mache das, seit ich 14 Jahre alt bin. Und jetzt bin ich 32. Ich könnte mir mein Leben nicht mehr ohne die Musik vorstellen. Ich mache es zu einem Zweck. Und zwar schreibe ich mir damit Sachen von der Seele. Aber natürlich wünsche ich mir eine möglichst große Hörerschaft. Und wenn die Frage aufkäme, das Ganze professioneller zu machen - natürlich würde ich das machen. Das ist meine Leidenschaft. Aber im Moment ist es ein zeitaufwendiges und arbeitsintensives Hobby. Das Gespräch führte

Moritz Kircher

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Veröffentlicht am:
26. 06. 2018
20:28 Uhr

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