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Kunst und Kultur

Schriller "Thriller" zwischen den Felsen

Rund 1700 Menschen wollen auf der Luisenburg dem "King of Pop" huldigen. Doch die Michael-Jackon-Tribute-Show ist enttäuschend schlecht.



Gescheitert beim Versuch, einen Mega-Star nachzumachen: Sascha Pazdera als Michael Jackson. Foto: Andrea Herdegen
Gescheitert beim Versuch, einen Mega-Star nachzumachen: Sascha Pazdera als Michael Jackson. Foto: Andrea Herdegen  

Wunsiedel - Das Positive vorneweg: Michael Jackson war ein genialer Entertainer, ein Gesamtkunstwerk, das mit jeder Faser seines Körpers die Musik lebte. Er hat unvergessliche Songs geschrieben, er hat getanzt wie kein Zweiter, er wurde schon zu Lebzeiten gekrönt zum "King of Pop". Deshalb ist er es - allen unschönen Schlagzeilen aus seinem privaten Leben zum Trotz - wert, dass man ihm Tribut zollt, dass man ihm einen wunderschönen Sommerabend in Deutschlands schönstem Naturtheater widmet, dass man sich zurückversetzt in die große Zeit dieses epochalen Künstlers, dass man seine fantastischen Songs noch einmal genießt.

Vor zehn Jahren ist Jackson gestorben. Er hat eine Lücke hinterlassen, die niemand im Stande ist zu füllen. Auch Sascha Pazdera nicht. "Ich bin nicht Michael Jackson", sagt er ziemlich zu Beginn der Show. Das ist natürlich als kleiner Scherz gemeint. Aber im Laufe der nächsten gut zwei Stunden wird das Publikum die bittere Erkenntnis gewinnen, dass er dem großen Vorbild nicht einmal nahekommt. Pazdera müht sich, wie Jackson zu singen, zu tanzen, zu sein.

Irgendwann entscheiden sich die meisten Zuschauer, ihre eigenen Erinnerungen gnädig über die Performance auf der Felsenbühne zu legen. Sie stehen auf, sie klatschen und tanzen mit, sie feiern die Musik ihres Idols ausgelassen und voller Freude. Sie tun das nicht wegen Sascha Pazdera, sondern trotz ihm. Den stilprägenden Griff in den Schritt hat der Imitator zwar drauf, den zugehörigen Kieckser auch. Aber reicht das für eine abendfüllende Hommage?

Stimmlich kann Pazdera Jackson nicht annähernd das Wasser reichen. Mit den Höhen ist er heillos überfordert. Die Dance-Moves wirken eingerostet und unmotiviert. Wo man beim echten Jackson das Gefühl hatte, er schwebe über die Bühne, da tappst der Nachahmer nur schwerfällig herum. Die Ausstrahlung fehlt. Der berühmte "Moonwalk" gelingt ihm nur ansatzweise. Das Publikum, das sich an dieser Stelle im echten Michael-Jackson-Konzert die Seele aus dem Leib gekreischt hätte, reagiert verhalten. Die ersten sind da bereits enttäuscht nach Hause gegangen.

Die fünfköpfige Band ackert solide im Hintergrund, bringt die Songs mit dem gebührenden Schwung rüber. Aber als Gittarist Matthäus (Nachnamen werden weder im Konzert noch auf der Homepage verraten) zum Solo bei "Dirty Diana" an die Bühnenfront tritt, bringt er nur ein lauwarmes, lahmes Saiten-Genudel hervor. Kein Vergleich zu Jacksons Original-Gitarristin Jennifer Batten, die diesen Part mit mitreißender, animalischer Aggressivität hinlegte.

Bei den Tänzerinnen und Background-Sängerinnen ist die Spanne weit - von sehens- und hörenswert gut bis "Wie kann man die denn auf die Bühne lassen?" Exemplarisch die Sängerin Eveline: Sie hat zwar lange schlanke Beine, die sie in einem glitzernden Minikleid zeigt, aber keine Kraft in den Stimmbändern.

Die Choreografien wirken improvisiert und unexakt, aber wenigstens lenken sie ein bisschen davon ab, wie Sascha Pazdera leidet beim Versuch, einen Mega-Star nachzumachen. Die Kostüme orientieren sich an Jacksons "Bad"-Ära, aber es gibt auch den weißen Anzug zu "Smooth Criminal" und das rote Lederjäckchen bei "Thriller".

Die "Michael Jackson Tribute Live Experience" auf der Wunsiedler Luisenburg-Bühne war eine ambivalente Erfahrung. Eines zumindest hat sich am Mittwochabend deutlich gezeigt: Michael Jackson war einzigartig.

Und: Er ist unnachahmlich.

Autor

Andrea Herdegen
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Veröffentlicht am:
25. 07. 2019
17:54 Uhr

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Autor

Andrea Herdegen

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Veröffentlicht am:
25. 07. 2019
17:54 Uhr



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