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Kunst und Kultur

"Wir haben früher noch mit dem eigenen Kopf agiert"

Mit 75 schreiben manche ihre Memoiren. Großmeister Vlastimil Hort fasst sein Leben für und mit Schach in 64 Anekdoten zusammen. "Meine Schachgeschichten" stellt er nun, am 13. Dezember, in Hof vor. Im Interview spricht er darüber, wie sich der Denksport verändert hat - und was er von der "Spielervereinbarung" des Deutschen Schachbunds hält.



Interview: mit Schach-Großmeister Vlastimil Hort Foto: Dagobert Kohlmeier
Interview: mit Schach-Großmeister Vlastimil Hort Foto: Dagobert Kohlmeier  

Herr Hort, warum haben Sie kein klassisches Schachbuch geschrieben?

Das kann ja jeder - mithilfe des Computers. Aber so viele Erlebnisse aus über 60 Jahren Schach hat kaum jemand. In "Meine Schachgeschichten" präsentiere ich mein Lebenswerk. Ich sehe mich inzwischen vor allem als Schach-Entertainer.

Ihr Lebenswerk - das sind mehrere Meisterschaften und Turniersiege. Welches war die intensivste Zeit?

Das waren die Siebzigerjahre. Da war ich auf den Plätzen vier bis sechs der Weltrangliste, da habe ich am Kandidatenturnier teilgenommen.

Damals spielte der Computer noch keine große Rolle. Trauern Sie diesen Zeiten nach?

Ja, sicher. Wir haben noch mit dem eigenen Kopf agiert, haben uns mit Partien aus dem "Schach-Informant" vorbereitet.

Wie hat sich das Schachspiel verändert?

Die Betonung liegt heute sehr stark auf der Eröffnung. Mir lag es hingegen immer, die Partien im Mittelspiel zu entscheiden. Ich bin ein Fuchs, aber es gibt viele Hunde, die mich verfolgen. Doch denen kann ich auch Fallen stellen und sie so ein bisschen ablenken.

Und wie haben sich die Schachspieler verändert?

Ich glaube, die Spieler von heute werden früher ausgelaugt sein. Ihr Gedächtnis ist viel mehr gefordert. Deshalb können sie nicht so lange auf hohem Niveau spielen.

Zusammen mit Claus Spahn und Dr. Helmut Pfleger waren Sie eine Ikone des Fernsehschachs. Durch Ihre Kommentare in den Sendungen wurden Sie zur Kultfigur. Wie sehr wünschen Sie sich diese goldene TV-Ära zurück?

Meines Erachtens gehört Schach auf jeden Fall ins Fernsehen. Die Intendanten müssten dazu eine andere Einstellung entwickeln. Schließlich wurden unsere Sendungen damals in ganz Zentraleuropa gezeigt - und waren erfolgreich. Noch heute werde ich darauf angesprochen.

Ist das Schach heute vielleicht gar nicht mehr so unterhaltsam?

Man darf sich nur die Freude am Schach nicht verderben lassen. Auch nicht von manchen machtsüchtigen Funktionären.

Was meinen Sie konkret?

Großmeister Robert Hübner hat sich geweigert, eine "Spielervereinbarung" des Deutschen Schachbundes zu unterzeichnen. Ich würde das auch nicht tun. Darin stimmt man unter anderem zu, dass man vom Schiedsrichter gefilzt werden kann. Das widerspricht der Würde des Menschen. Ich bin gegen Machtausübung - allein schon wegen meiner eigenen Lebensgeschichte.

Wie würden Sie dann gegen Betrüger vorgehen, die während der Partie heimlich Handy oder Tablet nutzen?

Hier plädiere ich für harte Strafen.

Würden Sie Schach jungen Leuten guten Gewissens als Hobby empfehlen?

Schach ist eine wunderbare Sache für Kinder und Jugendliche. Schach funktioniert ohne Gewalt; man lernt, Respekt vor seinem Gegner zu haben. In einigen Ländern ist es Pflichtfach in der Schule - gut so.

Das Gespräch führte Jan Fischer

—————

Die Schach-Legende Vlastimil Hort kommt nach Hof, ins Postsportheim an der Ossecker Straße: Am Freitag, 13. Dezember, gibt er zunächst um 15 Uhr eine Simultanvorstellung gegen bis zu 25 Amateure. Dafür sind noch einige Plätze frei; Anmeldungen an presse@schachbezirk-oberfranken.de. Um 19 Uhr präsentiert er dann sein neues Buch "Meine Schachgeschichten"; er wird daraus zwei von 64 Anekdoten lesen. Anschließend signiert er sein Werk.

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Veröffentlicht am:
11. 12. 2019
08:16 Uhr

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11. 12. 2019
08:16 Uhr



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