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Fichtelgebirge

Terrorverdächtige wollen nur Zaubertrank brauen

Große Aufregung bei der Polizei Ende Oktober: Ein Urlauberpaar im Steinwald bestellt literweise dubiose Chemikalien, passend für den Bombenbau. Jetzt wird klar, was dahinter steckt.



Literweise dubiose Chemikalien hat ein Urlauberpaar im Steinwald bestellt und damit einen Polizeieinsatz ausgelöst.
Literweise dubiose Chemikalien hat ein Urlauberpaar im Steinwald bestellt und damit einen Polizeieinsatz ausgelöst.  

Erbendorf - Aceton und Metallpulver, dazu der markante Bart, der dem einstigen Jungunternehmer bis zur Brust reicht, bei einem Zeugen schrillen die Alarmglocken. Und er verständigt die Polizei. 30 Beamte sind am 27. Oktober im Einsatz und schauen sich an, was ein junges Paar, das sich eine Ferienwohnung in Pfaben bei Erbendorf gemietet hat, mit den vielen verschiedenen Chemikalien vor hat, die es in der Wohnung hortet.

Der Zugriff erfolgt bei einer Kontrolle der Inspektion Kemnath. Als das Paar das Haus verlässt, halten Beamte den Wagen bei Wetzldorf auf. Im Mietwagen mit italienischer Zulassung werden 20 Liter chemische Flüssigkeit sichergestellt. In der Ferienwohnung stößt die Polizei auf andere Chemikalien, Metalle und Kräuter. Außer zwei ansteckbaren Herdplatten und diversen Glasgefäßen gibt es keine weiteren Apparaturen.

Wie ernst die Polizei das Ganze nimmt, erkennt man an dem Großaufgebot, das ermittelt. Beteiligt sind Beamte der Inspektion Weiden und Kemnath, des Operativen Ergänzungsdienstes Weiden, Einsatzkräfte aus Amberg und Regensburg sowie der Polizeiinspektion Fahndung Waidhaus. Aus München kommt sogar die Technische Sondergruppe des Landeskriminalamtes.

Völlig zu Recht, wie Polizeidirektor Klaus Müller ausdrücklich betont. "Es gab ausreichend Verdachtsmomente. Es war wichtig und absolut richtig, die Polizei zu alarmieren." Denn die bestellten Zutaten würden beim Bombenbauen verwendet. Aceton kann in Drogenküchen eine Rolle spielen. Doch mit all dem haben die Verdächtigen vermutlich nichts zu tun. Nach Einschätzung der Polizei sind die beiden Hobby-Alchimisten. Ihr Ziel war, ein Elixier zu gewinnen, das die Denkleistung beschleunigt und zu ewigem Leben verhilft, erklärte die 36 Jahre alte Frau der Polizei: Einen Zaubertrank wollten die beiden brauen.

Die Stoffe sind inzwischen mehrfach überprüft worden, zuletzt vom Landratsamt Tirschenreuth und einem Experten für Gefahrgut der Weidener Kriminalpolizei. Fazit: Es handelt sich um Freimengen von frei beziehbaren, frei lagerbaren Chemikalien. Müller sagt: "Es ist nicht verboten, mit Kräutern zu experimentieren. Es ist nicht verboten, mit Metallen zu experimentieren. Es ist nicht verboten, sich aus Wissen aus dem esoterischen Bereich zu bedienen. Und alles drei zusammen auch nicht." Es bestehe keinerlei Gefahr für die öffentliche Sicherheit und Ordnung. "Wir können besten Gewissens sagen: Das ist alles legal."

Doch nicht nur Zaubertränke brauen die Akademiker, sie haben auch noch eine andere ungewöhnliche Leidenschaft, Pokerspielen. Er, 28 Jahre, Deutscher. Sie, 36, gebürtige Amerikanerin. Beide haben studiert: Wirtschaftslehre und Psychologie. Er war Stipendiat der Universität. Für die Mitbegründung eines Sozialunternehmens wurde er seit 2014 international ausgezeichnet. Er stand auf einer Forbesliste für junge Entrepreneure. Sie hat promoviert. Ihre Dissertation, erschienen 2014, beschäftigt sich mit Ethik im Spitzensport. Die 36-Jährige hat im Sportmanagement gearbeitet, war zwölf Jahre mit einem deutschen Olympiateilnehmer verheiratet.

Dann der Bruch. 2015 verließ der Schwabe das Unternehmen mit Sitz in Erlangen und ging auf Weltreise: Karibik, Südamerika, USA. Darüber berichtet der "Adventurer und Philosopher" auf allen erdenklichen Social-Media-Kanälen. Status: "Exploring the beauties and mysteries of the world." Im Juni 2017 reißt der Informationsfluss plötzlich ab. Der letzte Facebook-Eintrag stammt aus Las Vegas. Nach fünf Jahren Absenz sei er an den Poker-Spieltisch zurückkehrt: "Looking for a poker coach."

Was spült dieses Paar ausgerechnet in die Oberpfalz? Zum einen die Leidenschaft fürs Pokern. Der 28-Jährige besucht mehrfach das "King's Casino" im tschechischen Rozvadov (Roßhaupt), das mit dem "größten Pokerroom Europas" wirbt. Am 11. Oktober war er dort als Teilnehmer eines Turniers gelistet.

Zum anderen bietet die Oberpfalz abgelegene Unterkünfte. Schon vor seinem Aufenthalt in Pfaben ist das Paar in der Region einquartiert: Es bucht eine Ferienwohnung in der Nähe von Windischeschenbach. Das Mietverhältnis endet abrupt schon nach einer Woche. Auch dort bauen die beiden ihr kleines Druiden-Laboratorium auf.

Das Paar zieht weiter ins Hotel "Steinwaldhaus", das in Nebengebäuden Apartments anbietet. Auch dort bleibt das ungewöhnliche Gebaren der Gäste nicht lange verborgen. Das Hotelpersonal wundert sich über die Anlieferung von etlichen Paketen mit Chemikalien. Die Polizei stellt später unter anderem 10-Liter-Kanister mit Aceton sicher. Auf dem Balkon stehen fünf Liter Essigsäure. Es finden sich Salpetersäure, Chlorwasserstoffsäure, eine schwache Lösung Wasserstoffperoxid. Dazu Metalle wie Kupfer und Platin. Und Kräuter, beispielsweise Mistelzweige. Nach der Befragung durch die Polizei durfte das Paar ins Hotel zurückkehren. Die beiden blieben bis Donnerstag, 2. November, dann reisten sie über Nacht ab. Laut Staatsanwaltschaft ist das Paar "völlig frei" in der Wahl seines Aufenthaltsortes. "Es bleibt möglicherweise wenig Strafbares übrig", meint Leitender Oberstaatsanwalt Gerd Schäfer. Bei den Durchsuchungen fanden die Beamten allerdings auch geringe Mengen Drogen: Cannabis und ein undefinierbares Bröckchen chemischer Drogen, eventuell Amphetamine.

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Christine Ascherl
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Veröffentlicht am:
09. 11. 2017
16:39 Uhr

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Christine Ascherl

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Veröffentlicht am:
09. 11. 2017
16:39 Uhr



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