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Fichtelgebirge

Die Fichtelgebirgler sind gefragt

Das Landratsamt Wunsiedel und die Universität Bamberg ermitteln, wie Bürger die Region einschätzen. Ein Professor sieht Potenziale.



Thomas Edelmann und Katharina Hupfer haben eine Befragung gestartet. Sie hoffen auf einen hohen Rücklauf aus der Bevölkerung.	Foto: Katharina Melzner
Thomas Edelmann und Katharina Hupfer haben eine Befragung gestartet. Sie hoffen auf einen hohen Rücklauf aus der Bevölkerung. Foto: Katharina Melzner  

Wunsiedel - Mit 17 Fragen auf zwei Seiten will das Landratsamt Wunsiedel voraussichtlich bis Ende Januar ermitteln, wie zufrieden die Bewohner des Fichtelgebirges mit ihrer Heimat sind und wie sie die Lebensqualität in der Region beurteilen. In der Befragung, die das Landratsamt in Kooperation mit dem Institut für Geografie der Universität Bamberg durchführt, sollen nicht nur die Stärken und Schwächen des Landkreises herausgearbeitet werden. "Die Ergebnisse tragen maßgeblich dazu bei, Strategien zu entwickeln, die die Wahrnehmung unserer Region nach innen und außen verbessern", erklärt Thomas Edelmann, Chef der Entwicklungsagentur im Landratsamt in Wunsiedel.

Der Fragebogen hat seinen Ursprung in einer Imagekampagne für die Region und ist der zweite Teil einer Studie. Denn neben der Selbstwahrnehmung ermittelt das Projekt auch die Fremdwahrnehmung des Fichtelgebirges. Deshalb ist der Befragung eine Medienanalyse vorangegangen, in der Professor Dr. Marc Redepenning und drei wissenschaftliche Mitarbeiter des Lehrstuhls Geografie der Universität Bamberg die mediale Berichterstattung über die Region untersucht haben.

"Wir haben dazu über 300 Artikel herangezogen", erzählt Professor Redepenning. Das Fazit des Geografen fällt überwiegend positiv aus: "Die Analyse hat ergeben, dass die Natur im Raum Fichtelgebirge großes Potenzial hat und die kleinteilige Struktur der Gastronomie eine gute Grundlage bietet, die es weiter zu voranzutreiben gilt." Außerdem seien die Vereinsstrukturen im Fichtelgebirge extrem intakt. "Das macht die Region kulturell wertvoll", resümiert der Professor. Insgesamt beschreibt der Wissenschaftler die Qualitäten des Fichtelgebirges als "schöne, zukunftsfähige Mischung".

Kritisch ist hingegen die Demografie der Bevölkerung. "Die Politik hat das Problem des großen Landkreises als Schrumpfungslandkreis auf dem Schirm und ist bemüht, dagegen vorzugehen", sagt Professor Redepenning. Zudem werde Wunsiedel in überregionalen Medien schnell mit Rechtsextremismus in Verbindung gebracht. "Das ist eine große Herausforderung", sagt der Geograf. Doch aus der zunächst negativ erscheinenden Assoziation ergeben sich auch positive Entwicklungen: "Natürlich ist die Gedankenbrücke zwischen Wunsiedel und Rechtsextremismus eine Art Stigma. Aber dennoch kann daraus auch ein beachtliches bürgerliches Engagement abgeleitet werden, das strategisch versucht, dagegen vorzugehen", sagt Redepenning. Tendenziell berichteten überregionale Medien immer weniger über den Rechtsextremismus und dafür positiver über den gemeinsamen Kampf dagegen.

Auch zugunsten der Region fällt die Einschätzung von Thomas Edelmann aus: "Die Menschen stehen dem Fichtelgebirge zunehmend positiv gegenüber." Die Region erlebe einen wirtschaftlichen Aufschwung, um Arbeitsplätze sei es gut bestellt.

Den Landkreis für Zuzügler und insbesondere für Fachkräfte attraktiver zu gestalten, hat sich die Willkommensagentur Fichtelgebirge zur Aufgabe gemacht. Seit 1. November unterstützt die Agentur Menschen, die in der Region sesshaft werden wollen, bei der Immobiliensuche und stellt unter anderem Kontakte zu Unternehmen und Kitas her.

Ob die Bürger die Region auch so positiv wie Edelmann einschätzen, soll die Befragung zeigen. Die Ergebnisse wird Professor Marc Redepenning im Landratsamt voraussichtlich im Frühjahr präsentieren. Der Fragebogen liegt der aktuellen Ausgabe der Landkreiszeitung ... da schau her! bei. Haushalte, in denen mehrere Personen leben, müssen den Katalog nicht zwingend gemeinsam ausfüllen. "Den Fragebogen können Interessierte unter der Internetadresse www.soscisurvey.de auch bequem online ausfüllen oder über den in der Zeitung abgedruckten QR-Code aufrufen."

Die Teilnahme an der Befragung lohnt sich. "Sie gibt den Fichtelgebirglern die Möglichkeit, die Zukunft des Landkreises mitzugestalten", sagt Katharina Hupfer von der Willkommensagentur Fichtelgebirge. "Je höher der Rücklauf ist, desto aussagekräftiger sind die Ergebnisse der Befragung", ergänzt Thomas Edelmann.

Und dabei bleibt es nicht. Der Landkreis belohnt die Teilnahme an der Aktion mit zahlreichen Preisen.

Die ausgefüllten Fragebögen können im Landratsamt Wunsiedel oder in den Gemeindeverwaltungen in einem verschlossenen Umschlag mit dem Stichwort "Befragung Wunsiedel im Fichtelgebirge" abgegeben werden oder per Post an die Universität Bamberg, Institut für Geografie, Lehrstuhl Geografie I, am Kranen 12 in 96047 Bamberg, gesendet werden.

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Katharina Melzner
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Veröffentlicht am:
20. 12. 2017
18:24 Uhr

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Katharina Melzner

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Veröffentlicht am:
20. 12. 2017
18:24 Uhr



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