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Fichtelgebirge

"Der Schaden wäre sehr groß"

Netzbetreiber Tennet verteidigt im Frankenpost -Interview den Netzausbau. Unternehmens-Sprecher Markus Lieberknecht will vor allem den Landwirten Ängste nehmen.



Netzbetreiber Tennet will die Bürger auch im Fichtelgebirge am Projekt beteiligen. Foto: David Ebener/dpa
Netzbetreiber Tennet will die Bürger auch im Fichtelgebirge am Projekt beteiligen. Foto: David Ebener/dpa   » zu den Bildern

Viele Menschen und sogar die politischen Entscheider im Landkreis Wunsiedel lehnen die HGÜ-Trasse ab. Wie wollen Sie die Menschen vom Sinn des Projektes überzeugen?

Bund und Länder haben die unbedingt nötigen Netzausbauprojekte gesetzlich festgelegt, ohne die die Energiewende nicht umgesetzt werden kann. Dazu gehört auch der Südost-Link. Er wird die Gebiete im Süden Bayerns mit Strom versorgen, die bislang vor allem auf Atomstrom angewiesen waren. Und als Netzbetreiber müssen wir umsetzen, was der Gesetzgeber beschlossen hat. Dabei ist uns wichtig, die Bürger mitzunehmen. Wir haben bisher über 90 Veranstaltungen angeboten. Bei den Gesprächen merken wir oft, dass sich die meisten über die Notwendigkeit des Netzausbaus wegen der Energiewende im Klaren sind. Dennoch möchten die wenigsten, dass die Stromleitungen an ihrer Gemeinde entlangführen.

 

Trotz des gesetzlichen Auftrags: Wie lässt sich eine Politik gegen die Überzeugung der Menschen rechtfertigen?

Selbstverständlich nehmen wir die Vorbehalte ernst. Tennet ist jedoch ein Übertragungsnetzbetreiber und kein politischer Akteur. Letztlich haben wir eine repräsentative Demokratie. Die gewählten Volksvertreter haben die Entscheidung über den Netzausbau getroffen. Die Politik hat in der Vergangenheit zudem die Interessen der Menschen einfließen lassen, indem nun zum Beispiel der Südost-Links vorrangig als Erdkabel geplant werden muss.

 

Die Landwirte befürchten, dass sie während des Baus der Trassen auf ihrer Fläche nichts anbauen können und auch danach der Boden geschädigt bleibt

Wir wollen die für den Bau des Südostlinks notwendigen Eingriffe in die Umwelt so gering wie möglich halten. Das Thema Bodenschutz steht in allen Projektphasen im Mittelpunkt: bei der Korridorplanung, beim Bau sowie bei der Rekultivierung. Die landwirtschaftliche Nutzung des Schutzstreifens ist nach dem Bau weiterhin uneingeschränkt möglich. Falls es zu Ernteausfällen kommen sollte, werden wir die Eigentümer und Bewirtschafter entschädigen. Darüber hinaus werden alle Erschwernisse wie Umwege und die Flurschäden in der Bauphase und im Anschluss daran ausgeglichen. Grundsätzlich werden alle Schäden ersetzt.

 

Wie viel Boden muss tatsächlich aufgegraben werden?

Bei einer Übertragungsleitung von zwei Gigawatt werden nach gegenwärtigem Planungsstand zwei Kabelgräben benötigt. Die Leitungen werden in 1,5 bis zwei Meter Tiefe verlegt. Die Sohlbreite der Gräben beträgt etwa einen Meter. Daraus resultiert in der Bauphase ein Arbeitsstreifen von 25 bis 40 Meter Breite und im Betrieb ein Schutzstreifen von 15 Meter Breite.

 

Das heißt, dass viel Erde ausgebuddelt werden muss. Wie will Tennet die Böden schonen?

Es gibt Bodenschutzmaßnahmen um die benötigten Flächen so weit wie technisch möglich zu reduzieren. Auch achten wir darauf, ökologische Speicher-, Filter- und Pufferfunktionen der Böden zu erhalten. Dazu gehört auch, die landwirtschaftliche Ertragsfähigkeit zu erhalten. Während der Bauarbeiten wird der Oberboden immer separat abgetragen und gelagert. Sofern sich die Unterbodenschichten unterscheiden, werden auch diese separat ausgehoben und zwischengelagert. Natürlich werden sie danach in ebensolcher Reihenfolge im Kabelgraben eingebracht. Wenn die Planungen konkret werden, lassen wir für jeden Abschnitt ein Bodenschutzkonzept erstellen. Dieses ist Teil der zur Genehmigung einzureichenden Planungsunterlagen. In Abstimmung mit dem Eigentümer oder Bewirtschafter werden die Böden mit Zwischenfrucht begrünt. Im günstigen Fall können sie sogar direkt wieder bewirtschaftet werden.

 

Viele Landwirte befürchten eine Drainagewirkung der Kabelgräben.

Wir achten schon bei der Planung und natürlich beim Bau des Kabelsystems darauf, dass unerwünschte Drainagewirkungen unterbunden werden. Diese sind in Hanglagen zu befürchten, wenn das Bettungsmaterial, das die Kabel umhüllt, gegenüber dem umgebenden Erdreich eine viel größere hydraulische Durchlässigkeit aufweisen würde. Gegenwärtig gehen wir beim Bettungsmaterial vom Einsatz weit gestufter Sande aus. Sollte in Hanglagen die Durchlässigkeit der Bettungsmaterialien größer sein als die des umgebenden Bodens, werden bei Bedarf Querriegel eingebaut, die eine Wasserführung unterbinden.

 

Gibt es eigentlich Projekte in vergleichbaren Bodenstrukturen wie im Fichtelgebirge?

Erdkabelleitungen im Mittel- und Hochspannungsbereich wurden in einer Größenordnung von rund 400.000 Kilometer Länge bisher in Deutschland verlegt - auch in Oberfranken. Hinsichtlich der Effekte auf den Boden sind sie vergleichbar mit Erdkabelleitungen im Höchstspannungsbereich. So liegt der Energieverlust der Erdkabelleitungen beider Spannungsebenen in einem Bereich von 60 bis 70 Watt pro Meter. Erdkabelleitungen höherer Spannungsebenen, wie beim Südost-Link, benötigen einen größeren Arbeitsbereich. Dieser ist mit einer maximalen Breite von 25 bis 40 Metern während der Bauphase vergleichbar mit dem Baubereich von Ferngas-Leitungen, welche bereits durch ganz Oberfranken verlegt wurden.

 

Die Bürgerinitiativen sind der Ansicht, dass die HGÜ-Leitungen der Energiewende und einer dezentralen Energieversorgung zuwiderlaufen.

Der Netzausbau und die dezentrale Energieerzeugung durch erneuerbare Energien bedingen sich doch gegenseitig. Aufgrund der stark schwankenden Einspeisung von Wind- und Solarenergie steht der produzierte Strom nicht rund um die Uhr in den Mengen zur Verfügung, wie er gebraucht wird. Die Dezentralisierung trägt außerdem dazu bei, dass Strom dort produziert wird, wo die Bedingungen günstig sind, und das ist vor allem der windreiche Norden und Nordosten und mit Blick auf Solarstrom der Süden. Windkraft- oder Biogasanlagen stehen im ländlichen Raum. Der Verbrauch findet aber in den Ballungszentren statt. Sprich, der Strom muss dorthin transportiert werden. Auch wir suchen nach Möglichkeiten, die Einspeisung flexibler zu steuern. Zu unseren Projekten gehört zum Beispiel das Blockchain-Pilotprojekt mit dem Allgäuer Unternehmen "sonnen", das uns flexible Kapazitäten aus miteinander vernetzten Heimspeichern zur Verfügung stellt. Oder unser Power-to-Gas-Pilotprojekt zur Sektorkopplung. Ein Projekt ist unsere Kooperation mit Nissan, bei der wir testen, wie E-Autos zur Netzstabilisierung beitragen können.

 

Der Landkreis Wunsiedel nimmt sich juristischen Beistand im Kampf gegen die HGÜ-Trasse. Angenommen, der Bau wird doch auf Eis gelegt: Wie hoch wäre der Schaden für Tennet?

Der Schaden für die Energiewende und die Stromverbraucher wäre groß. Der erneuerbare dezentral erzeugte Strom wird nicht nur regional verbraucht, sondern soll auch weiter entfernte Ballungs- und Industriegebiete versorgen. Das ist ja der Grundgedanke der Energiewende. Wenn aber die Infrastruktur nicht ausgebaut wird, kann der Strom nicht transportiert werden und überlastet außerdem das bestehende Netz. Das führt zu mehr netzstabilisierenden Maßnahmen und damit zu deutlich höheren Kosten für die Stromverbraucher, die diese Kosten über die Netzentgelte tragen.

Die Fragen stellte Matthias Bäumler

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Veröffentlicht am:
04. 11. 2018
16:18 Uhr

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04. 11. 2018
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