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Fichtelgebirge

Datenkraken lauern überall im Netz

Den digitalen Sammlern von Informationen kann niemand mehr entgehen, sagt IT-Experte Julian Ruckdäschel. Sein Vortrag im Bayern-Lab zeigt, wie man sich schützen kann.



Medienpädagoge Julian Ruckdäschel referierte im Wunsiedler Bayern-Lab zum Thema "Der digitale Mensch". Er warnte davor, im Internet zu viel von sich preiszugeben. Foto: Rainer Maier
Medienpädagoge Julian Ruckdäschel referierte im Wunsiedler Bayern-Lab zum Thema "Der digitale Mensch". Er warnte davor, im Internet zu viel von sich preiszugeben. Foto: Rainer Maier  

Wunsiedel - Die Kurz-Umfrage unter den Teilnehmern im voll besetzten Seminarraum des Bayern-Labs in Wunsiedel zeigt: Jeder hat in der vergangenen Woche Daten von sich preisgegeben. Zu jedem haben die internationalen Datenkraken wie Google, Facebook oder Amazon in ihrem gespeicherten digitalen Profil weitere Mosaiksteinchen hinzugefügt. Jeder ist wieder ein wenig gläserner geworden.

Passwort-Rangliste

Wenn Ihr Passwort in dieser Liste der meistgenutzten Zugangsbegriffe auftaucht, sollten Sie es schleunigst ändern. Am häufigsten als Passwort verwendet wird derzeit in Deutschland "hallo". Auf Rang zwei folgt "passwort", Platz drei belegt mit "hallo123" immerhin schon eine Kombination von Buchstaben und Zahlen. Leicht zu merken und am viertöftesten verwendet: "schalke04". Die weiteren Lieblingspasswörter: "passwort1", "qwertz" und "arschloch".


Wie viel man von sich im Internet öffentlich zugänglich macht, ist unterschiedlich. In jedem Fall ist es deutlich mehr, als die meisten glauben. IT-Lehrer Julian Ruckdäschel öffnet den Zuhörern mit Beispielen die Augen. Ein auf Instagram hochgeladenes Foto zeigt nicht nur das, was auf ihm abgebildet ist. Versteckt in den Metadaten wird auch übermittelt, wann und wo es gemacht wurde. Wer regelmäßig postet, stellt damit automatisch ein Zeit- und Bewegungsprofil von sich ins Netz. Nicht, dass Facebook nicht ohnehin zu jeder Zeit wüsste, wo sich seine Nutzer befinden, weil es die Einlog-Daten ihrer Smartphones scannt. Amazon merkt sich nicht nur, was ich bestelle, sondern auch, was ich anschaue, ohne zu ordern. "Daraus lässt sich genau errechnen, was mich interessiert", sagt Ruckdäschel. "Und exakt dafür bekomme ich dann gezielt Werbung zugeschickt."

Supermarkt- und Rabattkarten speichern nicht nur das Kaufverhalten, sie werten es auch aus. Algorithmen berechnen aufgrund bisheriger Entscheidungen die Wahrscheinlichkeit für künftige Käufe. Dabei fließt allgemeines Wissen mit ein. So hat ein Supermarkt-Computer in den USA anhand von erwiesenermaßen hormonell beeinflussten Kaufentscheidungen zutreffend berechnet, dass eine Kundin schwanger war, noch bevor diese es selbst wusste. Prompt erhielt die Frau gezielt Werbung für Baby-Artikel.

Wie Ruckdäschel weiter erläutert, bräuchte jeder Mensch 44 Gehirne, um sich all das selbst merken zu können, was irgendwo über ihn gespeichert ist. Diese "Big Data"-Pakete allerdings sind nach den Worten des Medienpädagogen noch nicht das Problem. Dazu komme es erst durch die Anwendung von "Smart Data", also der gezielten Auswertung, aufgrund derer Rückschlüsse gezogen werden.

Auf vielen Gebieten wird bereits mit Smart Data gearbeitet: Banken beurteilen die Zuverlässigkeit ihrer Kreditnehmer, Versicherer lassen sich ihr Risiko berechnen, die Marketing-Branche verfeinert ihre Methoden zur gezielten Manipulation potenzieller Kunden. Datenpakete werden gesammelt, aufbereitet, vervollständigt, getauscht und verkauft. Die dadurch entstehenden Profile werden immer exakter. Sie sind so genau, dass ihre geschickte Nutzung sogar schon Wahlen beeinflussen kann, wie die jüngste US-Präsidentschaftswahl gezeigt hat.

Die neue Technik kann Demokratien gefährden. Für Diktaturen ist sie ein gefundenes Fressen. In China nutzen die Machthaber, wie Ruckdäschel weiter erläutert, alle Möglichkeiten intensiv, um ihren digitalen Überwachungsstaat zu perfektionieren. Das Punktesystem, das Systemtreue belohnt und freidenkende Geister bestraft, ist bereits eingeführt und wertet riesige Datenmengen aus.

Der Medienpädagoge findet dazu klare Worte: "Überwachung ist Diebstahl von Freiheit" und "Ein digital manipuliertes Meinungsdiktat missbraucht den freien Willen". In einer Demokratie müsse der Staat transparent sein, während die Bürger Geheimnisse haben dürfen sollten. "Wenn der Staat Geheimnisse hat und der Bürger transparent wird, ist das ein Schritt hin zur Diktatur."

Nicht nur gegen mögliche staatliche Überwacher oder werbende Manipulierer sollte man sich Ruckdäschel zufolge schützen, sondern vor allem gegen kriminelle Hacker. "Wer sparsam Daten preisgibt, verringert die Angriffspunkte." Zentral seien stets sichere Passwörter. Facebook-Chef Mark Zuckerberg könne davon ein Lied singen: "Er hatte als Passwort ,dadada‘ für alle seine Accounts. Das wurde gehackt." Daraufhin mussten Spezialisten aus seiner Firma fieberhaft daran arbeiten, Zuckerbergs Identität im Netz zurückzuerobern. "Ich schätze, wenn Ihnen so etwas passiert, können Sie auf derartige Ressourcen nicht zurückgreifen", sagt Ruckdäschel zu seinen Zuhörern.

Ganz besonders wichtig ist ein sicheres Passwort fürs persönliche E-Mail-Konto, denn wird das gehackt, können sich Cyber-Gangster über die Funktion "Sie haben Ihr Passwort vergessen" zu jedem beliebigen Account neue Zugänge generieren und zuschicken lassen. In kürzester Zeit können sie so eine komplette Identität im Netz stehlen. "Es gibt Leute, die dafür gutes Geld zahlen." Ebenso sicher wie das Passwort sollten auch die dahinter stehenden Antworten auf Sicherheitsfragen sein. "Wer auf die Frage ,Wie heißt Ihr Haustier?‘ den richtigen Namen seines Hundes oder seiner Katze eingibt, liefert den Hackern oft schon mit seinem nächsten Facebook-Post oder Whatsapp-Foto den entscheidenden Hinweis."

Julian Ruckdäschel fasst zusammen: "Gesunder Menschenverstand schadet nicht. Skepsis ist bei verlockenden Angeboten stets angebracht. Und: Vorsicht ist die Mutter des Smartphones."

Ein Rauchmelder, der übers Internet mit der Notrufzentrale der Feuerwehr verbunden ist, sei zweifellos eine gute Idee. Nur: Wozu braucht das Gerät ein Mikrofon und warum kann es theoretisch die Gespräche im Raum an unbekannte Lauscher übertragen? Wofür muss die Taschenlampen-App am Smartphone Zugriff auf alle im Telefon gespeicherten Kontaktdaten haben und sie weitergeben können? "Während Sie im Dunkeln leuchten, werden Sie von anderen heimlich durchleuchtet", sagt der IT-Lehrer.

Es sei nicht zu leugnen, dass das Internet viele Vorteile hat. Julian Ruckdäschel rät seinen Zuhörern eindringlich, darüber aber den Blick auf Nachteile und Gefahren nicht zu verlieren.

Autor

Rainer Maier
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Veröffentlicht am:
04. 03. 2019
16:18 Uhr

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