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Fichtelgebirge

Landkreis kann auf himmlische Hilfe bauen

Die Waldbrandgefahr ist sehr hoch. Im Ernstfall könnten die Feuerwehren auf Rettung aus der Luft zählen: Im Umkreis stehen Hubschrauber bereit.



Einen Waldbrand in Thüringen hat am Dienstag ein Polizeihubschrauber bekämpft. Foto: Bodo Schackow/dpa-Zentralbild
Einen Waldbrand in Thüringen hat am Dienstag ein Polizeihubschrauber bekämpft. Foto: Bodo Schackow/dpa-Zentralbild  

Wunsiedel - Beim Stichwort Waldbrand haben viele die infernalischen Bilder aus den USA oder Australien vor ihrem geistigen Auge. Doch auch in Deutschland kommen solche Katastrophen vor: "1975 hat es zum Beispiel in Niedersachsen stark gebrannt", erinnert sich der Wunsiedler Kreisbrandrat Wieland Schletz. Damals vernichteten die Flammen über 8000 Hektar an Wald-, Moor- und Heideland in der Lüneburger Heide und im Wendland.

Auch derzeit ist die Waldbrandgefahr extrem hoch; in Brandenburg wütete über Ostern ein Feuer, und auch in der Nachbarschaft des Fichtelgebirges brennt es: Am Dienstag hat der thüringische Saale-Orla-Kreis wegen eines wieder aufgeflammten Waldbrandes am Bleiloch-Stausee den Katastrophenfall ausgerufen. Bei Saaldorf standen rund 15 Hektar in Flammen. Auch ein Löschhubschrauber der Polizei Würzburg war in den Abendstunden über dem Brandgebiet unterwegs.

Dazu passt die Forderung des Deutschen Feuerwehrverbandes: Angesichts der andauernden Trockenheit und der hohen Waldbrandgefahr fordert dieser mehr Löschhubschrauber in der Republik. Helikopter mit Außenlastbehältern seien für die Brandbekämpfung sinnvoll, sagte Verbandspräsident Hartmut Ziebs der "Neuen Osnabrücker Zeitung". Das sei ein vielfach praktiziertes Verfahren, scheitere aber manchmal an der Zahl der verfügbaren Hubschrauber. Eine Gefahr, die Kreisbrandrat Wieland Schletz für das Fichtelgebirge nicht sieht: "Wir haben mehrere Ansprechpartner, wenn der Einsatz eines Löschhubschraubers notwendig wäre."

Als erstes würden sich die Feuerwehren im Landkreis Wunsiedel an die Landespolizei wenden. Die hat in Roth bei Nürnberg nämlich eine Hubschrauberstaffel stationiert. Auch die Bundespolizei komme bei der Bitte um fliegendes Gerät infrage, "die verfügen mit den ,Super Pumas’ über kräftigere Hubschrauber, mit denen man auch große Wassertanks transportieren kann". Im Zweifel könnten die hiesigen Helfer auch bei den US-Streitkräften im oberpfälzischen Grafenwöhr anklopfen. Deren Hubschrauber vom Typ CH-53 schafften Tanks mit bis zu 5000 Litern Volumen. "Allerdings kann ich mich nicht erinnern, dass wir im Landkreis schon jemals so ein Feuer gehabt hätten, dass ein Hubschrauber zum Einsatz kommen musste", sagt Wieland Schletz.

Aus dem Feuer von 1975 habe die Forstwirtschaft Lehren gezogen. Eine passende Mischbepflanzung im Wald sowie Wege zwischen den Arealen seien zwei der Maßnahmen, die Waldbrände wie in Kalifornien undenkbar machten. Dazu komme die Vorsorge: "Über Ostern sind Ehrenamtliche der Luftrettungsstaffel Bayern zur Beobachtung über die Wälder geflogen." Würden sie ein Feuer entdecken, könnten sie sofort die hochfränkische Leitstelle informieren, die ihrerseits die Feuerwehren in der Umgebung alarmieren würde. Die Helfer dann an die richtigen Orte zu leiten, würden die fliegenden Helfer übernehmen. "Es ist vom Boden aus oft nicht ganz einfach, im Wald eine konkrete Stelle zu finden."

Nicht ganz einfach könnte es auch werden, Löschwasser in den Forst zu bringen. Wenn kein Fluss oder Weiher in der Nähe ist, hätte die Stunde der Tanklöschfahrzeuge geschlagen. Die könnten dann im Pendelverkehr Nachschub holen. Bei solchen Unglücken verlässt sich die Feuerwehr aber auf weitere Hilfe: "Im Landkreis haben wir die Güllefässer der Bauern listenmäßig erfasst, die teils ein beachtliches Fassungsvermögen haben", erklärt Wieland Schletz. "Die Landwirte sind uns da schon eine große Unterstützung." Und auch bei den Nachbarn jenseits der Grenze könnten die Feuerwehrleute um Hilfe bitten, in Tschechien also. "Das haben wir bei Übungen schon abgeklopft", fasst Wieland Schletz zusammen. Überhaupt sei die Zusammenarbeit mit anderen Rettern erfreulich gut, zum Beispiel auch mit der Bergwacht oder dem Roten Kreuz. "Wenn wir ein gemeinsames Ziel haben, dann erledigen wir das gemeinsam."

Viel Vorbereitung für den Notfall laufe im Verborgenen ab; zumindest unterhalb der öffentlichen Wahrnehmung. Trotzdem könne man sagen, "wir sind in Deutschland für den Ernstfall ganz gut aufgestellt". Sicher sei eine bessere Ausrüstung auch der Bundeswehr mit CH-53-Hubschraubern wünschenswert. Im Landkreis Wunsiedel seien die Feuerwehrleute aber auch ohne eine solche Aufstockung gut gerüstet.

Als oberster Feuerwehrmann des Landkreises beobachtet Wieland Schletz - wie seine Mitstreiter auch - die Waldbrandgefahr genau. Für diesen Donnerstag sagt der Deutsche Wetterdienst für den Bereich zwischen Schönwald und Waldershof die Gefahrenstufe 4 von 5 möglichen voraus. "Das ist schon nicht ohne", sagt Wieland Schletz, "eigentlich ist es überall gefährlich."

Das Wetter könnte die Situation entspannen. Diesen Donnerstag scheint die Sonne fast überall, nur im Norden und im äußersten Westen der Republik sind Schauer denkbar. Am Freitag dann zieht von Westen her endlich Regen auf, der am Wochenende zumindest phasenweise bleibt. Allerdings sollen schon zu Beginn der nächsten Woche die Temperaturen wieder deutlich steigen. "Man muss sehen, wie der Regen fällt", fasst Wieland Schletz zusammen, "wichtig wäre, dass er gleichmäßig kommt, und nicht alles auf einen Schlag. Sonst haben wir gleich wieder so eine Situation wie vergangenes Jahr im Raum Arzberg." Der Kreisbrandrat erinnert damit an die Unwetter zu Pfingsten 2018, die zu Überschwemmungen und Schlammlawinen geführt hatten.

Lieb wäre Wieland Schletz der Regen schon: Immerhin werden im ganzen Landkreis am Dienstagabend die Mai- oder Hexenfeuer entzündet. Funkenflug birgt hier eine Gefahr, wenn die Umgebung zu trocken ist. Deshalb warnt der Kreisbrandrat auch davor, unangemeldet ein solches Feuer zu entfachen. Er selbst wird am Abend übrigens nicht in die Flammen schauen: "Wir stellen in Brand stattdessen schon den Maibaum auf", sagt er schmunzelnd.

 

Lesen Sie dazu auch: Für Kulmbachs Wälder gilt die zweithöchste Waldbrand-Warnstufe. Grund: Zu wenig Regen und zu warmes Wetter. Die Schauer am Wochenende bringen kaum Entspannung >>>

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Tamara Pohl
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Veröffentlicht am:
24. 04. 2019
16:40 Uhr

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24. 04. 2019
16:40 Uhr



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