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Fichtelgebirge

Fachleute geben Tipps zur Hitzewelle

Vielleicht wird schon heute der Hitzerekord aus dem Jahre 1947 gebrochen. Welche Auswirkungen derartige Temperaturen haben, verraten die Experten.



Damit sich Hunde bei extremen Temperaturen nicht überlasten, sollte ihr Bewegungsdrang etwas gedämpft werden. Genügend Wasser ist ein Muss.
Damit sich Hunde bei extremen Temperaturen nicht überlasten, sollte ihr Bewegungsdrang etwas gedämpft werden. Genügend Wasser ist ein Muss.   » zu den Bildern

Wunsiedel - Die amtliche Warnung des Deutschen Wetterdienstes vor Hitze gilt mittlerweile fast für das ganze Bundesgebiet. Gerade heute, Mittwoch, ist mit der größten Wärmebelastung zu rechnen. Die Prognosen reichen von 34 bis zu 40 Grad Celsius. Wenn der Extremfall eintrifft, wäre sogar der über 70 Jahre alte Hitzerekord von 38.2 Grad geknackt. "Schuld" wäre diesmal Hoch Ulla, das Deutschland mit reichlich warmer Luft aus Afrika versorgt. Ob bei diesen Temperaturen Urlaubs- oder Gruselstimmung aufkommt, muss jeder selbst wissen.

Damit die Extrem-Hitze nicht zum Horror wird, sollte man aber zumindest ein paar Tipps von den Profis beachten. Das Wetter hat nämlich nicht nur Einfluss auf Mensch und Tier, sondern kann auch der Technik arg zusetzen und buchstäblich brandgefährlich werden.

 

Hitze und die Auswirkungen auf den Menschen

"Schon ab 30 Grad Celsius beginnt der Körper vermehrt, die Körpertemperatur über die Haut zu regulieren", erklärt der Ärztliche Leiter des Klinikums Fichtelgebirge Philipp Koehl. "Mit zunehmender Temperatur sinkt dann die Leistungsfähigkeit, und die Menschen werden unachtsamer." Man merke schon jetzt einen Anstieg bei Patienten mit Kreislaufproblemen. "Ab 35 Grad ist die Temperaturregulierung echt harte Arbeit für den Körper", klärt Koehl auf. "Wenn dann Kopfschmerzen auftreten, ein trockener Mund oder gar Erbrechen dazu kommt, ist man auf dem besten Weg zum Hitzekollaps." Da helfe jedoch normalerweise noch Schatten, genug Trinken und das Hochlagern der Beine.

Beim eigentlichen Hitzschlag trete schon Zellversagen auf, dann werde es dramatisch. "Besonders gefährdet sind natürlich Babys, Kleinkinder, Senioren oder chronisch Kranke. Schonen sollte sich aber jeder. Man muss auch mindestens zwei, bei Belastung auch fünf Liter Flüssigkeit trinken. Die Getränke sollten weder heiß noch kalt sein", rät der Mediziner. Alkoholfreies Weißbier sei ein super isotonisches Getränk, das den Elektrolythaushalt wieder auffüllt. Alkohol dagegen mache bei diesem Wetter nur noch müder und abgeschlagener.

"Grundsätzlich sollte man, soweit möglich, die Mittagssonne meiden und unabhängig vom Hauttyp einen Sonnenschutz verwenden. Zur Mittagszeit ist nicht nur die Sonneneinstrahlung am stärksten, sondern auch meist die Ozonbelastung am höchsten." Spaziergänge oder das Gassigehen mit dem Hund solle man an den extrem heißen Tagen auf die Morgen- oder Abendstunden verschieben.

 

Selbst für Haustiere bringt das Wetter Gefahren mit sich

"Auch für die Tiere sind derartige Temperaturen keine Freude", weiß Tierarzt Werner Kießl. Im Gegensatz zu Hunden kämen Katzen in der Regel besser mit der Hitze klar. "Aber auch für die Stubentiger sind kleinere Mahlzeiten und reichlich Wasser angebracht. Beim besten Freund des Menschen sollte man aber unbedingt ein paar Besonderheiten beachten", weiß der Tierarzt. Hier sei es ähnlich wie beim Menschen. Junge Hunde könnten sich trotz hoher Temperaturen, auch wenn sie sich wohlfühlen, bei zu viel Spieltrieb beim Rennen überlasten. Alte oder kranke Tiere seien grundsätzlich stärker gefährdet. Übermäßig starkes Atmen oder Hecheln seien die ersten Anzeichen für Wärmeleiden. Kießl: "Hier empfiehlt es sich, die Beine der Tiere zu kühlen. Mineralstoff-Tabletten aus dem Supermarkt können übrigens auch bei Hunden ohne Probleme angewendet werden und bringen die Tiere schneller wieder auf die Pfoten."

Vögel in Haus und Wohnung seien meist wegen zu trockener Luft angeschlagen. Hier würde ein Besprühen mit Wasser oder das Aufhängen von feuchten Tüchern am im Schatten stehenden Käfig für Abhilfe sorgen. "Unverständlich ist für mich auch, dass jedes Jahr aufs Neue wieder Autoscheiben eingeschlagen werden müssen, um Tiere aus dem Innenraum zu retten."

 

Gefahren beim Auto

"Im Innenraum kann es richtig heiß werden", wissen Herbert Fischer und Günter Fuchs von der Verkehrswacht Fichtelgebirge. Selbst Temperaturen um die 70 Grad seien hier möglich. Heiße Ledersitze oder das Lenkrad könnten auf nackter Haut reichlich Schmerzen verursachen. "Deshalb das Auto im Schatten parken, vor der Abfahrt ordentlich durchlüften oder wenn möglich die Fahrt auf die Abendstunden verschieben", rät Ehrenvorsitzender Fuchs. "Die Klimaanlage zu kühl einstellen sei aber auch nicht die Lösung", meint Vorsitzender Fischer. "Dies kann im Ernstfall sogar zu Erkältung und Schnupfen führen."

Bei dieser Hitze sei es zusätzlich angebracht, den Luftdruck zu prüfen. Wenn sich die Luft ausdehnt und somit der Druck steigt, beeinflusst das die Fahreigenschaften negativ.

Gerade für Motorradfahrer sieht die Verkehrswacht eine mögliche Gefährdung durch Blow-Ups. Hier könnten im schlimmsten Fall gefährliche Rampen entstehen. "Auf keinen Fall sollte man randvoll tanken", raten beide Experten abschließend. Dehne sich der Kraftstoff aus und trete gar aus, werde es richtig brenzlig. Komme der Kraftstoff in Kontakt mit der heißen Brems- oder Abgasanlage, sei dies brandgefährlich.

 

Gefährliches Wetter

"Die häufigste Brandursache ist der Mensch", weiß Kreisbrandrat Wieland Schletz. "Nach der aktuellen Hitze und Trockenheit nähern wir uns ganz klar der Waldbrand Stufe 5, also der höchsten Warnstufe." Nach der Austrocknung des Waldes durch den Wind seien unachtsam weggeworfene Zigaretten, ein unvorsichtiger Umgang mit offenem Feuer, ja selbst ein heißer Auspuff schon genug, um einem riesigen Flächenbrand auszulösen.

"Wenn es dann zum Einsatz kommt, wird es auch für die Einsatzkräfte problematisch. In voller Schutzausstattung bei solch extremen Temperaturen sind die Kräfte der Männer und Frauen in kürzester Zeit aufgebraucht." Schletz hofft auf die Luftbeobachtungsflüge der Regierung und auf eine weiterhin so wachsame Bevölkerung. "Lieber rücken wir einmal umsonst aus, als einmal zu spät."

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David Trott
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Veröffentlicht am:
25. 06. 2019
17:26 Uhr

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David Trott

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Veröffentlicht am:
25. 06. 2019
17:26 Uhr



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