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Fichtelgebirge

Frisch gebackene Steinmetze sagen Adieu

31 Absolventen des Steinzentrums Wunsiedel meistern die Ausbildung mit Erfolg. Dreimal gibt es die Bestnote.



Die Absolventen wurden am Freitagabend in der Steinmetzwerkstatt verabschiedet. Sie kommen aus ganz Franken, der Oberpfalz und aus Thüringen. Die Leiterin des Fortbildungszentrums, Carolin Pfeuffer (ganz rechts), war sichtlich stolz. Foto: mm
Die Absolventen wurden am Freitagabend in der Steinmetzwerkstatt verabschiedet. Sie kommen aus ganz Franken, der Oberpfalz und aus Thüringen. Die Leiterin des Fortbildungszentrums, Carolin Pfeuffer (ganz rechts), war sichtlich stolz. Foto: mm  

Wunsiedel - Die früheren Riten der Steinmetze waren alles andere als zimperlich: Da wurde nicht selten geprügelt und geohrfeigt, manchmal wurden die Gesellen mit einer Ladung Bier überschüttet. Im Jahr 2019 sind diese Gepflogenheiten schon seit Längerem auf den Haufen der Geschichte geworfen. Gut für die Absolventen des Steinzentrums, denn so blieb ihnen am Freitag doch so manche Pein erspart.

Jedoch kamen sie im Rahmen der Freisprechungsfeier im Europäischen Fortbildungszentrum für das Steinmetz- und Bildhauerhandwerk nicht um einen wohlgemeinten Hieb auf den Rücken herum. Dieser Schlag mit dem Richtscheit kam von Hermann Rudolph, Landesinnungsmeister und stellvertretendem Bundesinnungsmeister, sowie von Norbert Schlick, Obermeister der Nord-Oberfränkischen Bildhauer- und Steinmetz-Innung Kulmbach. Dieses alte Ritual stellt symbolisch die letzte Züchtigung des Meisters vor der Freilassung und damit dem Abschied der Lehrzeit dar.

An einem Steinblock mussten die frisch gebackenen Gesellen vor den Lehrmeistern Uwe Müller und Klaus Heinl ihre ersten Schläge mit Hammer und Meißel vorführen, zwei leichte schnelle und einen kräftigen Schlag. Die schnellen Schläge stehen für den Eifer bei der Arbeit, der kräftige Hieb für die Bedächtigkeit. Alles ging gut aus, jeder der 31 Absolventen bewies dabei sein Können. Eine tragende Rolle spielte auch wieder die historische Zunfttruhe, in der alle Utensilien zur Freisprechung aufbewahrt sind. Die Gesellen der Dombauhütte Regensburg hatten die historische Fahne der Steinmetz-Innung Regensburg im Gepäck und führten den Zug in die Werkstatt an.

Für Carolin Pfeuffer, die Leiterin des Fortbildungszentrums, war es die erste Verabschiedungsfeier ihrer Amtszeit, sie trat die Nachfolge des langjährigen Chefs Erwin Hornauer an. Ihr Teil des Rituals war die Frage an den Lehrmeister Jürgen Richter, stellvertretend für alle Meister, ob die Lehrlinge zur Zufriedenheit ausgebildet worden sind. Sie wünschte den frisch gebackenen Gesellen für die Zukunft alles Gute und verabschiedete sie mit den Worten: "Zieht hinaus in die Welt und bewährt Euch als Gesellen im Steinmetz- und Steinbildhauerhandwerk. Gerne sehen wir Euch in Wunsiedel wieder." Ihr Dank ging auch an die Ausbildungsbetriebe der jeweiligen Absolventen, die aus allen Teilen Bayerns, Sachsens und Thüringens stammen.

Roland Schöffel, stellvertretender Landrat, lobte die Leistungen der Junggesellen, er hielt sein Grußwort wegen der tropischen Temperaturen kurz. "Wir als Landkreis Wunsiedel sind verantwortlich für viele Schularten und achten darauf, dass alle Standorte auf dem neuesten Stand sind. Deshalb haben wir hier auch das Kompetenzzentrum Stein ins Leben gerufen".

Landesinnungsmeister Hermann Rudolf war aus dem Allgäu ins Fichtelgebirge gereist und sparte ebenso nicht mit lobenden Worten. "Es geht um sehr viel, wenn man sich drei Jahre auf den Weg zum Steinmetz macht. Bildung und Weiterbildung sind in diesem Beruf sehr wichtig, ohne sie geht hier gar nichts", mahnte der Innungsmeister. Er betonte, dass gerade in der heutigen Zeit das nachhaltige Material Stein immer wichtiger wird. "Wir können auch mit dem Pfund des Erhaltes der Baudenkmäler immer mehr wuchern. Wunsiedel ist sehr gut aufgestellt, Qualitäten ergänzen einander."

Jürgen Wunderlich, Studiendirektor der Berufsschule Selb, ließ die Ausbildungszeit der Steinmetze humorvoll Revue passieren und kommentierte lobend die Abschlussnoten sowie den Status jedes einzelnen Absolventen. Er betonte, dass manche Gesellen mit der bestandenen Prüfung die Mittlere Reife oder einen Staatspreis erhalten. Und das waren an diesem Abend einige an der Zahl, gleich dreimal wurde ein Notendurchschnitt von 1,0 erreicht: Melanie Herzog-Gebsattel (Nürnberg), Marlene Besold (Bamberg) sowie Florian Purschke (Bamberg) durften sich daher Jahrgangsbeste nennen.

"Wo kommen Kirchen her und Schlösser noch viel mehr? Feste Brücken über den Flüssen, die wir erbauen müssen, zu Wasser und zu Land, hoch leb‘ der Steinmetzstand", lautete eine der Strophen des Steinmetzlieds, das am Ende der Feier gemeinsam gesungen wurde. Die Jagdhornbläser Weiden-Neustadt mit Leiter Wolfgang Hohlmeier untermalten die Feier musikalisch. Mit einem Abendessen klang die Feier schließlich in den Abendstunden aus

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Michael Meier

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Veröffentlicht am:
28. 07. 2019
16:08 Uhr

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Michael Meier

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Veröffentlicht am:
28. 07. 2019
16:08 Uhr



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