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Franzensbad will Weltkulturerbe werden

Der böhmische Kurort kandidiert mit den beiden benachbarten Bädern für die "Great Spas of Europe". Bürgermeister Jan Kuchar hofft auf den Zuschlag im kommenden Jahr.



Der böhmische Badeort besticht schon heute durch sein historisches Ortsbild. Fotos: Wolfgang Neidhardt
Der böhmische Badeort besticht schon heute durch sein historisches Ortsbild. Fotos: Wolfgang Neidhardt   » zu den Bildern

Franzensbad/Františkovy Lázne - Mindestens eine kleine Perle ist der Kurort schon heute. Doch die Stadt Franzensbad/Františkovy Lázne hat Großes vor: Gemeinsam mit den beiden anderen böhmischen Bädern Karlsbad/Karlovy Vary und Marienbad/Mariánské Lázne will sie Weltkulturerbe der Unesco werden. "Great spas of Europe" lautet das Prädikat. Dafür hat sich im Januar eine Gruppe von elf Badeorten in Europa beworben. Neben den drei Orten in Tschechien zählen dazu: Bad Ems, Baden-Baden und Bad Kissingen, Baden bei Wien in Österreich, Spa/Belgien, Vichy/Frankreich, Bath/Großbritannien sowie Montecatini Terme/Italien.

Zu Person, Bad und Unesco

Jan Kuchar, 45 Jahre alt, Vater zweier Kinder, ist seit 2016 Bürgermeister der Stadt Františkovy Lázne. In den beiden Jahren vor seinem Amtsantritt war er zweiter Bürgermeister. Er stammt aus dem Riesengebirge und arbeitete als Physiotherapeut und später in einer Werbeagentur. Fünf Jahre lang lebte Kuchar in Marktredwitz. Hier spielte er auch von 1997 bis 2006 im Volleyballteam der VGF Marktredwitz.

In Franzensbad einschließlich der umliegenden Orte leben heute etwa 5500 Einwohner, Tendenz leicht steigend. Auf einen Einwohner kommen im Jahresdurchschnitt gut zwei Besucher. Der Kurort bietet rund 5000 Gästebetten an.

Angelegt wurde Franzensbad im Jahre 1793 mit Förderung durch Kaiser Franz II., nach dem es auch benannt wurde.

Die Unesco mit Sitz in Paris ist eine der 17 rechtlich selbstständigen Sonderorganisationen der Vereinten Nationen. Ihr gehören 195 Mitgliedsstaaten an. Zu den Aufgabengebieten der Unesco gehören die Förderung von Erziehung, Wissenschaft und Kultur sowie Kommunikation und Information. (Quelle: Wikipedia)


Der Franzensbader Bürgermeister Jan Kuchar ist zuversichtlich, Mitte 2020 den Zuschlag zu erhalten. Zweieinhalb Jahre lang haben er und seine Mitarbeiter dafür gearbeitet. Das Ergebnis ist unter anderem ein Bewerbungsbuch, das mehrere Zentimeter dick ist. Ergänzend dazu erwartet Franzensbad im Herbst eine Delegation von Spezialisten der Unesco, die an zwei bis drei Tagen vor Ort die Eignung des Ortes überprüfen werden. "Wenn es mit der Auszeichnung klappt, rechne ich mit einer Steigerung der Besucherzahlen um 30 bis 40 Prozent", sagt das Stadtoberhaupt. Eine Prämierung durch die Weltorganisation würde die "Bonität der Stadt"stark erhöhen.

Den Werbewert will der Ort mit Hilfe zahlreicher Investoren steigern. Einige stehen laut Kuchar schon Gewehr bei Fuß. Zwei Großprojekte seien schon "im Werden": der Bau einer neuen Reha-Klinik sowie die Sanierung des Hotels Slovan. Im kommenden Jahr wolle der neue Inhaber das Hotel Esplanade ausbauen, und auch das Hotel Atlantis soll ein neues Gesicht erhalten. Das Geld komme von Investoren aus dem eigenen Land sowie aus Österreich.

Damit hebt sich Franzensbad von den anderen böhmischen Bädern ab. Dort haben Unternehmen aus Russland stark investiert. "Wir brauchen die Russen nicht", betont Kuchar. Für Karlsbad und Marienbad indes sei das Engagement des großen Nachbarn im Osten auch ein Resultat der Geschichte: "Dort war schließlich schon Zar Peter der Große zu Gast." In seine Stadt kämen, sagt Kuchar, die Besucher zur Hälfte aus dem eigenen Land und zur Hälfte aus der deutschsprachigen Nachbarschaft, "auch aus Österreich und der Schweiz".

Doch die Struktur der Touristen ändert sich. Auch nach Böhmen zieht es immer mehr Besucher aus Fernost. "Japaner und vor allem Südkoreaner sind kulturell sehr interessiert und haben genug Geld. Sie geben 200 bis 300 Euro am Tag aus, um etwas zu sehen", berichtet der Bürgermeister. Weniger die Kultur als gepflegte Hotels und das Reha-Angebot seien es, die viele Gäste aus England nach Böhmen locken. "Heute ist ihre Zahl schon doppelt so hoch wie 2016."

Jan Kuchar setzt auf traditionelle Werte: "Zu uns kommen die Leute nicht, um zu saufen wie etwa in Prag, sondern um sich zu erholen bei einer traditionellen Badekur." Diese dauere in der Regel eine Woche, und so lange halte sich der durchschnittliche Gast auch in Franzensbad auf. Der erste Kontakt sei aber nicht selten ein Tagesaufenthalt.

Um diesen zu erweitern, hat sich Franzensbad in der tschechischen Republik umgeschaut - und ein Vorbild gefunden: Krumau/Ceský Krumlov, südöstlich von Budweis. Dorthin fahren mittlerweile jährlich 70 000 Urlauber-Busse mit rund drei Millionen Touristen von Salzburg oder Prag. Künftig sollen sie von der tschechischen Hauptstadt auch nach Westen fahren. "Und unsere drei Bäder sind von Prag aus das Sehenswerteste in dieser Richtung."

Den Gästen von morgen will Franzensbad natürlich mehr bieten als heute. Der Bürgermeister nennt einige Stichworte: Straßen erneuern, ein Parkhaus sowie Radwege bauen, ein neues Infosystem schaffen, Bike-sharing anbieten.

Zwei konkrete Projekte liegen Kuchar besonders am Herzen: das Casino und das nationale Naturreservat Soos wenige Kilometer östlich der Stadt. Letzteres, ein Unikat in Europa, nennt der Bürgermeister "mein Kind". Dort entsteht derzeit im Rahmen eines Spielgelprojektes mit Fichtelberg ein neues Besucherzentrum, unter anderem mit Unterkünften für Wissenschaftler.

Das Casino ist ein Sorgenkind von Franzensbad. Dort ist derzeit nur das Restaurant im Untergeschoss des historischen Gebäudes geöffnet, "oben allerdings ist derzeit zu." Kuchar hofft, dass der Besitzer in einigen Monaten das Casino anbietet, und verweist auf drei bis vier Investoren, die am Kauf interessiert seien. "So eine Einrichtung gehört einfach zu einer Bäderstadt." Sie locke im Übrigen eine andere Schicht an als das Casino am Grenzübergang in Asch: "Dort reisen die Gäste gezielt an, bei uns gehört der Besuch zur ganz normalen Badekultur." Umso wichtiger ist es für den Bürgermeister, dass dieses Gebäude als Schaufenster der Stadt wieder voll und ganz mit Leben erfüllt wird. Zwar blicken die kritischen Prüfer von der Unesco sicher auch hinter die Fassaden. Aber am Schaufenster kommen sie in jedem Fall vorbei.

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Wolfgang Neidhardt
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Veröffentlicht am:
29. 08. 2019
16:10 Uhr

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Wolfgang Neidhardt

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Veröffentlicht am:
29. 08. 2019
16:10 Uhr



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