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Fichtelgebirge

Kulturpreis geht an Siegfried Schelter

Beim Wandertreffen auf dem Kornberg ehrt der FGV den Thiersheimer Heimatforscher. Der ist verantwortlich für die "Steinerne Chronik".



Siegfried Schelter ist der Träger des FGV-Kulturpreises 2019. Die Laudatio hielt Adrian Roßner, Referent für Heimat- und Brauchtumspflege im Fichtelgebirgsverein. Die Plakette überreichte die Hauptvorsitzende des FGV, Monika Saalfrank. Fotos: Gerd Pöhlmann
Siegfried Schelter ist der Träger des FGV-Kulturpreises 2019. Die Laudatio hielt Adrian Roßner, Referent für Heimat- und Brauchtumspflege im Fichtelgebirgsverein. Die Plakette überreichte die Hauptvorsitzende des FGV, Monika Saalfrank. Fotos: Gerd Pöhlmann  

Schönwald - Der Fichtelgebirgsverein (FGV) hat Siegfried Schelter aus Thiersheim am Sonntag beim Wandertreffen auf dem Kornberg mit dem Kulturpreis ausgezeichnet. Der Kulturwart des Ortsvereins Thiersheim reiht sich damit ein in eine Riege illustrer Heimatforscher und Kulturschaffender. "Von dieser Ehrung habe ich nie geträumt", sagte dann auch Siegfried Schelter. "Ich dachte, sie sei nur Leuten wie dem Forscher Friedrich Singer oder dem Maler Karl Bedal vorbehalten."

Seit 1982 verleiht der FGV den Kulturpreis für hervorragende Leistungen auf kulturellem Gebiet. Warum in diesem Jahr Siegfried Schelter in den Kreis der Geehrten aufgenommen wurde, verriet Adrian Roßner, Referent für Heimat- und Brauchtumspflege, im Schatten der frisch sanierten Schönburgwarte. Er würdigte Schelter als einen Heimatforscher, der die Region mit Blick auf ihre vielfältigen Aspekte erforsche und die Erkenntnisse auf ansprechende Weise der Allgemeinheit zugänglich mache.

Adrian Roßner zitierte den irischen Schriftsteller George Moore, der sinngemäß sagte, dass der Mensch auf der Suche nach dem, was ihm fehlt, zwar die Welt bereise, aber in der Heimat fündig werde. "Heimat ist der sichere Hafen, der einem immer offensteht, wenn die Wellen des Alltags allzu hoch schlagen", erklärte Roßner. Heimat sei ein Kraftspeicher, ein Ort der Geborgenheit, eine einmalige Kultur, die einem, sofern man sich damit beschäftige, Türen in eine spannende Vergangenheit öffnen könne. Allerdings machten allgemeine historische Betrachtungen in der Schule derlei Bemühungen schon früh zunichte. "Statt der bodenständigen Kultur der ,kleinen Leute‘ nachzuspüren, stellt man Ägypten, Griechenland und Rom in den Fokus", monierte der FGV-Referent. "Wo es doch darum gehen sollte, den Kindern ihre ganz eigenen Wurzeln zu erklären." Stattdessen scheine die Geschichte der Region zur Randnotiz zu verkommen und die heimatliche Kultur zu verfallen. Alte Industrieanlagen würden von der Natur überwuchert, historische Gebäude von Wetter und Zeit zerfressen. Somit sei die Frage nach dem, was die Region überhaupt ausmache, nicht mehr zu beantworten. Der FGV dagegen pflege seit langer Zeit Traditionen und versuche sie für nachfolgende Generationen begreifbar zu machen. "Einer, der sich seit 64 Jahren dieser Aufgabe annimmt, ist Siegfried Schelter", lobte Adrian Roßner.

1955 dem Fichtelgebirgsverein beigetreten, kümmerte sich Schelter schon bald als Kulturwart in Thiersheim um die Bewahrung alter Traditionen und die Weitergabe spannender Fakten aus der Vergangenheit. 1991 gründete er den Arbeitskreis Thiersheimer Heimatgeschichte. Seit 2003 hat Siegfried Schelter sechs Ausgaben der Schriftenreihe "Kugelschaber" herausgebracht - die Bände befassen sich mit verschiedenen Aspekten der regionalen Kultur, Historie, Handwerk und Sprache. "Doch die Großprojekte schuf Siegfried Schelter nicht aus Papier, sondern aus Stein", sagte Roßner. So erzählt eine "Steinerne Chronik" die Geschichte des Thiersheimer Landes und auf Flurnamensteinen hielt Schelter ein fast vergessenes Kapitel der Regionalgeschichte fest. Flurnamen, so Adrian Roßner, gehörten zu den ältesten Zeugnissen, die über längst Vergangenes zu informieren imstande seien. "So gelingt es, der Geschichte eine Stimme zu verleihen und den Menschen, die hier leben, aufzuzeigen, welche spannenden Geheimnisse die Landschaft für sie bereithält", beendete Adrian Roßner seine Laudatio auf Siegfried Schelter.

Schelter selbst nahm den Gedanken seines Vorredners mit einem römischen Sprichwort auf: "Es ist eine Schande, in der Heimat zu leben und sie nicht zu kennen." Sich mit der Heimat zu befassen, sei keine Arbeit für ihn, versicherte Kulturpreisträger Siegfried Schelter. "Es ist pure Freude."

Zuvor hatte Monika Saalfrank, die Hauptvorsitzende des FGV, knapp 280 Wanderer auf dem Kornberg begrüßt. 28 von 53 FGV-Ortsvereinen hatten sich am Treffen des Wandergebiets 1 beteiligt. Sie alle kamen auf verschiedenen Wegen auf den 827 Meter hohen Großen Kornberg marschiert oder ließen sich, falls sie nicht mehr so gut zu Fuß unterwegs waren, mit dem Shuttle-Bus aus Martinlamitz nach oben bringen.

Monika Saalfrank ließ kurz die Geschichte der Schönburgwarte Revue passieren. Zwei hölzerne und einen steinernen Vorgängerturm habe es auf dem Kornberg gegeben, ehe der FGV 1953 begonnen hatte, den bis heute bestehenden Turm zu errichten. Nach mehr als 60 Jahren sei es an der Zeit gewesen, den Bau zu sanieren. An den Kosten dafür - mehr als 100 000 Euro - hatten sich unter anderem das bayerische Umweltministerium, die Oberfrankenstiftung, der Naturpark Fichtelgebirge, der Landkreis Hof und viele Spender beteiligt. Ihnen dankte die Hauptvorsitzende ebenso wie den Turmbetreuern und den FGV-Ortsvereinen, die für die Verpflegung der Wanderer sorgten.

Eine Lanze für eine nachhaltige Lebensweise brach Juliane Wirth, die Sprecherin des Wandergebiets 1. "Hier auf dem Kornberg können wir uns bewusst werden, was wir am Fichtelgebirge haben", sagte sie.

Mit dem Fichtelgebirgslied beendeten die Wanderer den offiziellen Teil des Wandertreffens.

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Gerd Pöhlmann

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Veröffentlicht am:
02. 09. 2019
16:18 Uhr

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Gerd Pöhlmann

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02. 09. 2019
16:18 Uhr



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