Lade Login-Box.
Topthemen: Bilder vom WochenendeStromtrasse durch die RegionBlitzerwarnerVER Selb

Fichtelgebirge

"Das war Wahnsinn"

An die Tage im Herbst 1989 erinnert sich Robert Frenzl, damals Bürgermeister in Schönwald, noch genau. Am meisten beeindruckt haben ihn die Hilfsbereitschaft der Bürgerinnen und Bürger und der enorme Ansturm der Besucher.



Trabis, so weit das Auge reicht: In der Rehauer Straße, der B 15, war damals kaum ein Durchkommen.
Trabis, so weit das Auge reicht: In der Rehauer Straße, der B 15, war damals kaum ein Durchkommen.  

Schönwald - Die Tage im Herbst 1989 wird Robert Frenzl nicht vergessen. Tausende Menschen aus der damals noch existierenden DDR kamen auch nach Schönwald, um den Westen zu besuchen, und natürlich auch, um sich das Begrüßungsgeld abzuholen. "Wir waren damals mit allen Kräften im Rathaus im Einsatz", erinnert sich der damalige Schönwalder Bürgermeister. Vom Rathaus in der Stadtmitte reichten die Schlangen der Wartenden bis in die Bahnhofstraße und bis zur Schule, erinnert er sich.

Rund 25 000 Besucher registriert die Stadt Schönwald in diesen geschichtsträchtigen Wochen im November und Dezember 1989. "Den größten Ansturm hatten wir am 16. Dezember 1989", sagt Frenzl. Allein an diesem Tag kamen 5000 Frauen und Männer in die Stadt - also mehr als Schönwald Einwohner hat. Damals lag Schnee, und das Tauwasser von den Schuhen der Besucher stand zentimeterhoch im Rathaus. "Wir mussten das mit einem Industriestaubsauger beseitigen." Das Geld haben die Rathausmitarbeiter von der Sparkasse Schönwald geholt, die genau gegenüber dem Rathaus ist.

"Für mich war das damals ein Wunder - und das ist es noch heute", sagt Frenzl, der damals seit fünf Jahren im Amt war. "Ich war ja früher beim Bundesgrenzschutz. Und auf den Streifengängen an der Grenze haben wir uns oft darüber unterhalten, was denn mal werden wird mit den beiden deutschen Staaten." An eine Wiedervereinigung habe damals niemand geglaubt: "Das war nie ein Thema."

Was Frenzl in den Tagen der Grenzöffnung am meisten beeindruckte, war die riesige Hilfsbereitschaft. Die evangelische Kirchengemeinde und die Kolpingsfamilie hatten ihre Räume an den Wochenenden geöffnet und boten Kaffee und Kuchen an. "Und die Schönwalder haben die Besucher auch ganz privat eingeladen und auf einen Kaffee mit nach Hause genommen." Und Frenzl kennt einige Familien, die heute noch Kontakt zu den Freunden von damals haben.

"So etwas wie die Wiedervereinigung hatte es noch nie gegeben und wird es wohl nicht mehr geben", sagt Frenzl. Vor allem, dass das alles ohne einen Schuss und ohne Blutvergießen abgegangen ist, hält er für einzigartig. "Umso bedauerlicher ist die Ernüchterung, die inzwischen eingetreten ist."

Autor

Andreas Godawa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
22. 11. 2019
00:00 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Bürgermeister und Oberbürgermeister DDR Evangelische Kirche Evangelische Kirchengemeinden Familien Freunde Kirchengemeinden Kolpingwerk Rathäuser Staaten Städte Wiedervereinigung
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Zusammen mit am Bau beteiligten Gästen gaben sie am gestrigen Dienstag den Startschuss für das Seniorenheim an der Egerstraße: Investor Bernd Fürbringer (Vierter von links), Bürgermeister Stefan Göcking und seine Stellvertreter Marion Stowasser-Fürbringer sowie Stefan Klaubert (Fünfter, Sechste und Siebter von links) sowie die Betreiber Dr. Heinz und Heike Eschlwöch (Erster und Zweite von rechts). Foto: Christl Schemm

31.07.2019

Alte Leute können in Arzberg bleiben

Mit dem Spatenstich beginnt an der Egerstraße der Bau des Seniorenheims für 48 Bewohner. Außerdem entsteht eine Arztpraxis. » mehr

Die Kandidaten der SPD für den Weißenstädter Stadtrat mit Holger Grießhammer, Inge Aures, Frank Dreyer und Markus Zitzmann (erste Reihe von links). Foto: Peter Pirner

07.01.2020

Dreyer und Grießhammer führen Liste an

Die Weißenstädter Sozialdemokraten nominieren 16 Kandidaten für den Stadtrat. Sie geben sich ein umfangreiches Wahlprogramm. » mehr

Die SPD Weißenstadt hält an Amtsinhaber Frank Dreyer fest (von links): Landratskandidat und Vorsitzender des SPD- Ortsvereins Weißenstadt Holger Grießhammer, stellvertretender SPD-Ortsvorsitzender Franz- aver Webhofer, Kerstin und Frank Dreyer, stellvertretender SPD-Ortsvorsitzender Günter Kaufmann und SPD-Fraktionsvorsitzender Markus Zitzmann. Foto: Uwe von Dorn

18.11.2019

Weißenstädter SPD setzt weiter auf Frank Dreyer

Die Sozialdemokraten schicken den amtierenden Bürgermeister ins Rennen um den Chefsessel im Rathaus. Auch die Kandidaten für den Stadtrat stehen fest. » mehr

Gregor Gysi (links) war der letzte SED-Vorsitzende in der DDR und ist heute einer der prominentesten Linken-Politiker. Friedrich Schorlemmer ist evangelischer Theologe, Bürgerrechtler und Ikone der Opposition in der DDR. Fotos: dpa

Aktualisiert am 19.11.2019

Antworten auf Fragen zur Einheit

Zu "30 Jahren Einigkeit und Recht und Freiheit" gibt es in Bad Alexandersbad ein Wochenend-Seminar. Hauptredner sind Gregor Gysi und Friedrich Schorlemmer. » mehr

Architekt Peter Kuchenreuther (links) übergab Bürgermeister Thomas Schwarz symbolisch eine Miniaturausfertigung des Schlusssteins, der vor dem Informationszentrum enthüllt wurde. Foto: Willi Fischer

05.05.2019

Info-Zentrum Epprechtstein erwartet seine Gäste

Bürgermeister Thomas Schwarz eröffnet die neue Attraktion für Touristen am Granitlabyrinth. Sie soll den Fremdenverkehr weiter beleben. » mehr

"Einen hauptamtlichen Bürgermeister können wir uns nicht leisten", sagen Andreas Übler, Christian Paulus und Peter Fischer (von links). Foto: G. P.

16.10.2019

Für die CSU fängt Sparen im Rathaus an

Den Christsozialen kostet ein hauptamtlicher Bürgermeister zu viel. Auch im Ehrenamt sei der Stadtobere gut bezahlt und könne sich in Vollzeit einbringen. » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Genussregion Oberfranken präsentiert sich auf Grüner Woche Berlin

Genussregion Oberfranken präsentiert sich auf Grüner Woche | 18.01.2020 Berlin
» 47 Bilder ansehen

Die große Schlager-Hitparade 2019/2020

Die große Schlager-Hitparade 2019/2020 | 17.01.2020 Hof
» 17 Bilder ansehen

Selber Wölfe - EC Peiting

Selber Wölfe - EC Peiting | 17.01.2020 Selb
» 48 Bilder ansehen

Autor

Andreas Godawa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
22. 11. 2019
00:00 Uhr



^