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Altersarmut trifft immer mehr Rentner

Innerhalb von zehn Jahren ist im Landkreis Hof die Zahl der Senioren unter den Beziehern von Grundsicherung um 89 Prozent gestiegen. Gewerkschafter fordern die Grundrente.



Hof/Landkreis - Wenn die Rente so klein ist, dass das Geld zum Leben nicht reicht, hilft der Staat mit "Alters-Hartz-IV", wie die Grundsicherung im Alter auch heißt. Die Zahl der Menschen, die diese Hilfe beantragt haben, ist laut der Gewerkschaft NGG (Nahrung-Genuss-Gaststätten) in den vergangenen zehn Jahren in Hof um 39 Prozent gestiegen, im Landkreis sogar um 86 Prozent. Die NGG beruft sich auf Zahlen des Statistischen Landesamtes.

Landkreis Hof: Im Jahr 2008 gab es 426 Bezieher von Grundsicherung im Alter oder bei Erwerbsminderung, im Jahr 2018 waren es 794 - das sind 86 Prozent mehr.

Stadt Hof: In der Stadt Hof haben im Jahr 2008 597 Personen Grundsicherung im Alter oder bei Erwerbsminderung bezogen und im Jahr 2018 831 Personen - 39 Prozent mehr.

Bayern: In ganz Bayern erhielten zuletzt rund 125 000 Rentner Grundsicherung - 43 Prozent mehr als zehn Jahre zuvor.

Michael Grundl, Geschäftsführer der NGG-Region Oberfranken, fordert, die von der Bundesregierung angekündigte Grundrente müsse rasch angepackt werden, um ein Ausufern der Altersarmut zu verhindern. "Die amtlichen Zahlen zeigen nur die Spitze des Eisbergs", erklärt Grundl. Viele Menschen, die wegen Mini-Renten einen Anspruch auf die Grundsicherung haben, schreckten aus Scham vor einem Antrag zurück. Die Ursache für dürftige Renten sieht er in niedrigen Einkommen: "Wer Jahrzehnte in einer Bäckerei oder einem Restaurant gearbeitet hat, landet im Alter oft unter der Armutsschwelle. Das liegt auch an der Praxis vieler Unternehmen, aus Tarifverträgen auszusteigen und so die Löhne zu drücken. Hinzu kommt der Trend zu Teilzeit und Minijobs."

Hier setze die von Bundesarbeitsminister Hubertus Heil geplante Grundrente an: Demnach sollen die Bezüge von Menschen, die mindestens 35 Jahre lang gearbeitet haben und bei der gesetzlichen Rente trotzdem unter 896 Euro kommen, um bis zu mehrere Hundert Euro im Monat aufgebessert werden. Das Modell würdige die Leistung derjenigen, die ein Leben lang in die Rentenkasse eingezahlt haben. Es dürfe aber keine Bedürftigkeitsprüfung geben - diese stehe dem Rentenprinzip entgegen, nach dem Beitragszahler einen individuellen Leistungsanspruch erwerben.

Die NGG fordert die Große Koalition auf, jetzt die nötigen Mittel aufzubringen, um die Altersarmut zu stoppen. Das Bundesarbeitsministerium gehe bei der Grundrente von jährlichen Kosten von etwa fünf Milliarden Euro aus. Michael Grundl: "Allein die Bankenrettung 2008 hat den Steuerzahler rund 60 Milliarden Euro gekostet."

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Veröffentlicht am:
20. 10. 2019
18:22 Uhr

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20. 10. 2019
18:22 Uhr



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