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Hof

Deckel auf den Honigtopf

Die Iranerin Zohreh Amini findet, der Staat tue zu viel für Flüchtlinge. Und das Kindergeld lande oft in falschen Händen.



Hof - Zohreh Amini kommt beim Reden ins Stocken. Sie selbst flüchtete aus dem Iran und wurde vom Staat nach langem Gezerre anerkannt. Eine schwierige Position, wenn man gegen die Flüchtlingspolitik und gar noch gegen andere Flüchtlinge keilen will. Differenzieren tut not, wenn andere ganz schnell vom Glashaus reden. Aber sie findet wieder zur Sprache: "Weil viele Flüchtlinge glauben, dass Deutschland ein Hotel ist, mögen uns die Leute nicht."

Die 50-Jährige fühlt sich in Hof manchmal an ihre Heimat erinnert. Dort wurden Frauen unterdrückt, gegen das Patriarchentum war nicht anzukommen. Amini kämpfte für Frauenrechte. Und nun sieht sie bei einigen Flüchtlingsfamilien altbekannte Strukturen wieder. "Frauen wird hier Gewalt angetan. Sie müssen zu Hause bleiben, können und dürfen sich nicht integrieren. Alles was sie sollen, ist Kinder gebären", klagt Zohreh Amini. Und je mehr Kinder, desto besser. Denn: "Dann kassieren die Männer das Kindergeld." Sie will einen Mann kennen, der mit vier Frauen 20 Kinder hat und beim Kindergeld die Hand weit aufhält. In den sieben Jahren in Deutschland habe sie diese Entwicklungen häufig beobachtet.

Amini weiß, dass derlei Kritik ein übles Klischee erfüllt. Aber sie ist sich sicher, dass dieses Klischee von wenigen Flüchtlingen gefüttert wurde, und unter dem viele litten, die sich anders, nämlich richtig verhalten. Was sie fordert, klingt radikal: "Flüchtlinge müssen schnell Deutsch lernen und sich um eine Arbeit kümmern - sonst gibt es keine Unterstützung mehr." Auch geschäftsmäßiges Kinderkriegen dürfe sich nicht mehr lohnen: "Nach zwei Kindern muss Schluss sein mit dem Kindergeld." Und wer diese Unterstützung bekommt, sollte sie nur für das Kind verwenden dürfen. Amini denkt an Sport, Mal- oder Schwimmkurse, Dinge, die einem Kind in der Entwicklung helfen.

Schwierig, das weiß sie, wird es bei der Umsetzung. Verhungern könne man keinen lassen, aber von Abschiebung hält sie auch nichts. Eine Lösung wisse sie nicht, gibt sie zu. Fakt ist für sie aber, dass Merkels Politik Fakten geschaffen hat, mit denen man jetzt zurechtkommen muss - irgendwie. Alle ins Land zu lassen, sei, sagt Zohreh Amini bestimmt, falsch gewesen. Und noch immer sieht sie Deutschland vor einem Problem. Das Land mache sich zu attraktiv. "Man muss einen Deckel auf den Honigtopf setzen", sagt die Iranerin. Noch immer könne sich jeder darauf verlassen, bestens versorgt zu werden, ohne dass man allzu viel dafür tun muss. "Das Sozialhilfesystem muss geändert werden", sagt sie. Wenn Menschen mit Arbeit weniger haben, als die, die im sozialen Netz gelandet sind, könne nichts Gutes entstehen. Amini: "Die Motivation, arbeiten zu gehen ist dann weg." Das gelte für jeden Deutschen und vor allem für jeden Flüchtling.

Sie selbst mache derzeit eine schwierige Phase durch. Sie ist nach den Strapazen mit ihrer Verhaftung und der Abschiebehaft gebeutelt und ist noch nicht wieder in der Arbeitswelt gelandet. "Ich fühle mich jetzt auch schlecht, weil ich arbeiten will. Stattdessen zahlt jetzt das Volk für mich", sagte sie. Gleichwohl findet sie, dass sich jeder Flüchtling schlecht fühlen sollte, wenn er sich nicht um einen Job kümmert und keine Steuern zahlt. Ändere der Staat aber das System, gewönne er mehr: "Wenn Deutschland härtere Regeln für Flüchtlinge setzt, dann hätte die AfD auch keine Chance mehr."

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Harald Werder

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Veröffentlicht am:
19. 06. 2019
18:08 Uhr

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19. 06. 2019
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