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Ein Jahr in einem völlig fremden Land

Aaron Jayaraj aus Malaysia ist der neue Jahrespraktikant im Altenheim der Diakonie. Er sieht sich von Gott begleitet. Doch das Heimweh bleibt nicht aus.



Ein Jahr in einem völlig fremden Land
Ein Jahr in einem völlig fremden Land  

Hof/Rehau - Es gibt ein neues Gesicht im Haus am Klosterhof in Hof - Aaron Jayaraj ist der neue Jahrespraktikant im Altenheim der Diakonie. Doch wie kommt man von Malaysia nach Hochfranken? "Seit 2014 besteht eine Partnerschaft zwischen dem Dekanat Hof und dem Norddistrikt der evangelisch-lutherischen Kirche in Malaysia", erklärt Dekan Günter Saalfrank. 2017 besuchte eine Delegation des Dekanats die Glaubensgeschwister in Fernost, besichtigte dabei auch Altenheime. "Die evangelische Kirche betrieb damals bereits eines, ein weiteres war im Aufbau", berichtet der Dekan. "Wir wollten unsere Partner natürlich an unseren Erfahrungen teilhaben lassen." Und da Wissenstransfer am besten auf praktischem Weg geschieht, kam 2018 mit Joyce die erste Jahrespraktikantin ins Haus am Klosterhof. Mit Aaron Jayaraj wird die Partnerschaft nun weiter vertieft - und davon profitieren alle.

"Die Praktikanten sind eine Bereicherung für uns", sagt Einrichtungsleiterin Yvonna Meseck. "Der kulturelle Austausch ist sehr interessant, und auch die Bewohner haben die Gäste aus Fernost schnell aufgenommen." Dafür, dass die Sprachbarriere nicht allzu groß ist, sorgt ein vierwöchiger Intensivsprachkurs in Neuendettelsau vor Beginn des Einsatzes. "Trotzdem war es natürlich am Anfang schwierig, sich mit den Bewohnern zu verständigen", erzählt Aaron Jayaraj. In solchen Fällen halfen die Mitarbeiter aus. "Mittlerweile kenne ich aber schon viele deutsche Wörter und lerne immer mehr dazu."

Im Haus am Klosterhof assistiert er dem Pflegepersonal und geht den Bewohnern zur Hand. "Ich wecke die Senioren, helfe ihnen beim Waschen und Ankleiden und bringe sie zum Frühstück", zählt er seine morgendlichen Pflichten auf. "Wenn jemand allein nicht essen kann, helfe ich ihm dabei." Leicht war es allerdings nicht, sich an diese Arbeit zu gewöhnen. "Ich habe noch nie in der Pflege gearbeitet", sagt Aaron. "Anfangs war die Arbeit ungewohnt und auch ein wenig unangenehm."

Geholfen habe es ihm, sich in die Lage der Bewohner zu versetzen. "Sie sind auf das Pflegepersonal angewiesen, weil sie sich selbst nicht versorgen können", sagt er nachdenklich. "Die Arbeit in der Pflege ist ein Akt der Liebe."

Liebe, die Liebe Gottes, die Liebe zu Gott - ein wichtiges Thema für den gläubigen Christen. "Der Glaube an Gott ist alles für mich", sagt Aaron Jayaraj. "Ohne Gott und sein Gebot, unseren Nächsten zu lieben, wäre ich nicht hier." Es mache Angst, räumt er ein, das Gewohnte hinter sich zu lassen und für ein ganzes Jahr in ein völlig fremdes Land zu gehen, sich völlig neuen Aufgaben zu stellen. "Aber Gott begleitet uns überall hin, also müssen wir uns nicht fürchten." Das tägliche Gebet helfe ihm, seine Beziehung zu Gott zu pflegen und gebe ihm Kraft für seine Aufgaben. "Es ist oft anstrengend und fordernd, aber ich weiß, dass Gott bei mir ist."

So wohl er sich in Hof auch fühlt, manchmal packt Aaron doch das Heimweh: "Dann spreche ich mit meinen Eltern und Freunden daheim, das hilft sehr." Und er kocht Gerichte aus seiner Heimat. "Das deutsche Essen schmeckt mir, ich mag sogar Sauerkraut", sagt Aaron lachend. "Aber das Essen in Malaysia ist schärfer, wir würzen stärker." Womit er sich gar nicht anfreunden kann, ist das deutsche Wetter: Aber: "Wenn ich mich über das Wetter in Hof beklage, dann sagen die Leute immer: ‚Warte nur auf den Winter‘", erzählt er lachend.

Aaron Jayaraj freut sich auf das vor ihm liegende Jahr und die Erfahrungen, die er machen wird. "Wenn Gott dich ruft, in ein anderes Land zu gehen, dann tu es", rät er. "Du wirst mit Sprachbarrieren zu kämpfen haben, du wirst auf die Hilfe anderer angewiesen sein, aber solange das, was du tust, gut ist und du damit Gottes Liebe verbreitest, mach weiter." Ein Jahr, sagt er, sei im Grunde keine lange Zeit. "Aber trotzdem kann ein Jahr ein ganzes Leben verändern."

Autor

Carmen Brendel
Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
18. 07. 2019
00:00 Uhr

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Carmen Brendel

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Veröffentlicht am:
18. 07. 2019
00:00 Uhr



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