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Hof

Ein Leben für den Bierkrug

Der Hofer Jürgen Schörner ist leidenschaftlicher Sammler von Reservistenkrügen. Und er jagt einer Rarität hinterher.



Der Reservistenkrug seines Großvaters war der erste in der Sammlung von Jürgen Schörner.	Foto: Dirk John
Der Reservistenkrug seines Großvaters war der erste in der Sammlung von Jürgen Schörner. Foto: Dirk John  

Hof - Man kann sie wohl als seine Schatzkammer bezeichnen - die Sammlung der Reservistenkrüge von Jürgen Schörner. Nicht nur, weil sich durchaus auch wertvolle unter den 150 Exemplaren befinden, die der 53-Jährige in seinem Haus in Hof zusammengetragen hat. Sondern vor allem deshalb, weil sie sein ganzer Stolz und seine Leidenschaft sind.

Das sagt er so nicht, es ist aber zu spüren bei all den Details, die er über jeden Krug erzählen kann. 2001 war das Jahr, in dem "seine Sammlung geboren wurde", wie er sagt. Grundstock waren die Reservistenkrüge seines Großvaters und des Urgroßvaters seiner Lebenspartnerin. Vor allem in den letzten acht oder neun Jahren ist sein Bestand stetig gewachsen. Wie jeder Neuling hat auch er Lehrgeld bezahlt. "Am Anfang habe ich mir einige Nullpfeifen eingehandelt", wie Jürgen Schörner Totalfälschungen bezeichnet. Und er erklärt, was ein "gebastelter Krug" ist: einer, bei dem Corpus und Deckel nicht zusammenpassen. Hinzu kommt das Wissen über die deutsche Militärgeschichte, die Struktur des Militärwesens bis zum Ende des deutschen Kaiserreiches und die Tradition der Reservistenkrüge, die sich vom Ende des deutsch-französischen Krieg 1871 bis zum Ende des Ersten Weltkrieges hielt.

Jürgen Schörner greift hier und da in die wohlgeordneten Regale, um diese Geschichte anhand seiner Sammlung anschaulich zu machen. Man kann sich durchaus vorstellen, dass er mit seinem Wissen ein geschätztes Mitglied des Krugsammlerclubs "Alte Germanen" ist, dem er seit sechs Jahren angehört und für den er sich seit vier oder fünf Jahren intensiver engagiert. Der Name hat nichts, so erklärt er, mit Nationalismus zu tun, sondern fußt darauf, dass schon die alten Germanen Biertrinker waren und sich der Verein mit dem Sammeln von Bierkrügen aller Art befasst - aber strikt nur mit Exemplaren bis 1914.

"Wenn jemand mit Krügen aus der Nazizeit zu uns stoßen oder sie bewertet haben will, weisen wir ihn kategorisch ab." Das ist ehernes Gesetz des rund 250 Mitglieder umfassenden Vereins. Auch die Zahl der Sammler im Umfeld von Hof ist sehr übersichtlich. "Bei uns im Verein ist einer aus Helmbrechts und einer aus Münchberg", zählt Schörner auf.

Zweimal im Jahr treffen sich die Vereinsmitglieder und zeigen Teile ihrer Sammlung, tauschen oder kaufen oder verkaufen. Das Frühjahrstreffen 2019 fand Anfang Mai in Kulmbach statt. Federführend organisiert wird es traditionell von Mitgliedern, die ihren Wohnort nahe am Veranstaltungsort haben. Damit war klar, dass es Jürgen Schörner sein würde. Innerhalb von vier Monaten fuhr er zehn oder 15 Mal nach Kulmbach, um Hotels zu reservieren oder passende Veranstaltungsräume zu buchen, die Detailorganisation abzustimmen und den Kontakt zur Presse zu suchen und zu begleiten.

Seine Aktivitäten führten dazu, dass rund 300 Gäste nach Kulmbach kamen. "Unsere Treffen sind für alle Interessierten offen, seien sie nun Sammler oder nicht. Man kann uns auch Krüge aus dem Familienbesitz bringen. Wir erklären gerne dessen Geschichte und geben auf Wunsch eine Werteinschätzung ab." Niemand müsse Angst haben, dass ihm sein Familienerbstück abgeschwatzt wird, um in die Sammlung eines Vereinsmitglieds zu wechseln. "Das findet bei uns definitiv nicht statt."

Auch nach Hof will er ein Treffen holen. Vielleicht bekommt er dann einen Hofer Reservistenkrug zu Gesicht. "Es gibt tatsächlich einen", sagt der Sammler. Vor dem Ersten Weltkrieg war eine 20-köpfige Kompanie in Hof ansässig, die dem 7. Infanterie-Regiment in Bayreuth unterstellt war. Sie hatte ihr Domizil in der heutigen Sedanstraße 17 und war damit beauftragt, am Bahnhof militärische Versorgungszüge Richtung Bayreuth abzufertigen. Gesehen hat er einen solchen Krug bislang nur auf einem Foto.

Sein Sammelschwerpunkt sind Infanteriekrüge nicht, auch wenn er solche besitzt. Er hat sich auf Reservistenkrüge von Pionieren spezialisiert. Das kommt nicht von ungefähr: 15 Jahre war er einer. Zur Bundeswehr kam der gebürtige Hofer 1986 nach der Schule und einer Tischlerlehre in Konradsreuth. Dienst tat er als Pionier und Unteroffizier in Weiden, als Feldwebel in Amberg und schließlich als Oberfeldwebel in Gera. Auch in Somalia und Bosnien war er im Einsatz.

Nach der Dienstzeit ereilten ihn zwei Schlaganfälle, deren Folgen ihm lange den beruflichen Neuanfang verwehrten, obwohl Schörner nicht nur Tischler, sondern nach "laufbahnbedingten Lehrgängen" während seiner Bundeswehrzeit auch Holzbildhauer, Stahlbetonbauer und Straßenbauer ist und zudem die Straßenbaumeisterschule absolviert hat. Seit 2009 ist er bei der Integra Hof im Möbelbereich beschäftigt und dort sehr zufrieden. Seinem Hobby nachgehen will er, "bis ich nicht mehr kann". Einen verantwortlichen Posten im Verein "Alte Germanen" kann er sich vorstellen, "vor dem Rentenalter spielt sich da aber nichts ab." Bei der Organisation des diesjährigen Herbsttreffens im thüringischen Mühlhausen ist er aber wieder mit von der Partie, diesmal als Unterstützer des Hauptorganisators. Bis Hof als Veranstaltungsort zum Tragen kommt, wird es seiner Einschätzung nach noch dauern.

Autor

Sabine Schaller-John
Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
23. 06. 2019
19:00 Uhr

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Sabine Schaller-John

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Veröffentlicht am:
23. 06. 2019
19:00 Uhr



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