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Erneuter Schlagabtausch zum Kaufhof

Die Beschäftigten übergeben eine Petition, die SPD wiederholt ihre Vorwürfe - OB Fichtner lässt sie auflaufen: Man spiele mit den Ängsten der Menschen.



Übergabe der Online-Petition: OB Dr. Harald Fichtner im Gespräch mit dem Hofer Kaufhof-Chef Bernd Reuter, Mitarbeitern und Petition-Initiatoren.	Foto: cp
Übergabe der Online-Petition: OB Dr. Harald Fichtner im Gespräch mit dem Hofer Kaufhof-Chef Bernd Reuter, Mitarbeitern und Petition-Initiatoren. Foto: cp  

Hof - Könnte die Stadt den Hofer Kaufhof retten? Diese Frage hat, einmal mehr, am Montagabend die Diskussion im Stadtrat bestimmt. Zusammen mit einer wiederholten Schelte von Oberbürgermeister Dr. Harald Fichtner an alle, die diese Vorstellung ernsthaft bejahen würden: "Sie veräppeln die Bevölkerung - spielen Sie nicht mit den Ängsten der Menschen", schoss er am Ende eines kurzen aber heftigen Schlagabtausches in Richtung SPD-Fraktionsvorsitzender Eva Döhla. Sie hatte zuvor dem Stadtoberhaupt zum wiederholten Male vorgeworfen, sich nicht um den Erhalt des Warenhauses in der Altstadt zu kümmern. So, wie das zuvor die Belegschaft getan hatte.

Als Fichtner den Sitzungssaal des Rathauses betreten wollte, wartete bereits eine Delegation der Kaufhof-Beschäftigten auf ihn. Einige Angestellte und die Initiatoren einer Online-Petition hatten sich im Gang positioniert. Wie berichtet, übergaben sie dort - unter den Augen der zuvor informierten Medien - besagtes Papier an Fichtner. 2754 Menschen hatten sich per Internet-Abstimmung dafür ausgesprochen, dass "die Stadt den Erhalt des Kaufhofs sichern" solle. Fichtner war sichtlich überrumpelt und reagierte entsprechend unwirsch: "Ich hatte Sie gleich nach der letzten Stadtratssitzung angerufen und Ihnen ein Gespräch angeboten - und Sie haben es in vier Wochen nicht für nötig befunden, mich zurückzurufen", warf er der Belegschaft vor. Er fragte den Hofer Geschäftsführer Bernd Reuter, wer von den 2700 Unterzeichnern wohl tatsächlich im Haus einkaufe, und wer nicht insgeheim über ausstehende Modernisierungen geklagt habe. Antworten kamen von den Beschäftigten nicht. So brachte der OB das Thema am Ende der Stadtratssitzung noch einmal im Gremium zur Sprache - wo er selbst zwei Stunden nach besagter Übergabe noch immer aufgebracht war. Das Nachbohren Eva Döhlas verstärkte das noch.

"Wir können es uns nicht leisten, zugunsten des Hotels auf den Kaufhof zu verzichten - die Stadt hat hier doch Steuerungsmöglichkeiten", warf sie Fichtner vor. Auf Nachfrage, welche das bitte seien, brachte sie erneut das Beispiel Leipzig ins Spiel: "Die CDU dort hat einen Milieuschutz für die Innenstadt beschlossen; sie setzt sich dafür ein, welche Angebote es geben darf", erläuterte Döhla. "Das sind eventuell diejenigen Politiker, die schon vor 1989 in der Verantwortung gewesen sind", konterte Fichtner: "Machen Sie sich doch nicht lächerlich!" Eine solche Politik gehe in Richtung Enteignung - und unter dieser Rechtsform möchte er nicht leben. Auch er würde gern noch im Finck oder im Peek & Cloppenburg einkaufen, auch er hätte die Petition für den Kaufhof unterzeichnet, wäre er nicht OB. Doch die Gesetze der Marktwirtschaft besagten eben leider etwas anderes.

"Wir können die Eigentümer zu nichts zwingen", betonte er. Die SPD würde gut daran tun, nicht an derartigen Luftschlössern festzuhalten. Als er sich in Rage geredet hatte, legte er nach: "Hören Sie auf mit dem Gekaschber!" Hätte man in den 1990er-Jahren derart krampfhaft an der sterbenden Textilindustrie festgehalten, man hätte den Strukturwandel seither nie so gut geschafft, wie es der Stadt nunmal gelungen sei. "Verabschieden Sie sich von Ihren Rezepten aus längst vergangenen Rechtsordnungen", forderte er die SPD auf. Beistand bekam er dafür sogar aus den Reihen der Sozialdemokraten selbst.

SPD-Rat Reinhard Meringer begann seine Rede mit der Feststellung, dass man unterscheiden müsse zwischen reiner Symbolpolitik und ernst gemeinten Ansätzen. Einen ebensolchen wolle er denn auch formulieren: "Was halten Sie davon, eine Stadtratsresolution zum Erhalt des Kaufhofs zur Deutschland-Zentrale nach Köln zu bringen?", fragte er den OB. Der antwortete bewusst pathetisch: "Verstecken wir uns nicht in der Vergangenheit, gestalten wir die Zukunft!" Die SPD könne ja den Bauantrag des Hotels ablehnen - an der Entscheidung, ob es nächstes Jahr noch einen Kaufhof in Hof gibt, werde das nichts ändern. "Damit riskieren Sie nur eine Klage des Hotel-Betreibers." Zum Schluss holte er sich das stumme Einverständnis des Rats, die Petition an den Sitz der Kaufhof-Eigentümer in Kanada zu schicken. Auf Nachfrage am Dienstag im Rathaus ist zu erfahren: Die Stadt macht sich gerade kundig, wer die Petition dort entgegennimmt.

Lesen Sie dazu unseren Kommentar: Purer Populismus

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Christoph Plass

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Veröffentlicht am:
24. 04. 2018
19:14 Uhr

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24. 04. 2018
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