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Es braucht mehr Kurzzeit-Pflegeplätze

Fachbesucher informieren sich auf der zweiten interkommunalen Pflegekonferenz in Hof. Die Hospitalstiftung erntet Lob für "Fix plus ". Doch oft fehlt es am Personal.



Angebote für Kurzzeitpflege sollen dazu beitragen, Angehörige zu entlasten. Oft sind aber keine Plätze frei.	Symbolfoto: Norbert Försterling/dpa
Angebote für Kurzzeitpflege sollen dazu beitragen, Angehörige zu entlasten. Oft sind aber keine Plätze frei. Symbolfoto: Norbert Försterling/dpa   » zu den Bildern

Hof - Das Thema Pflege brennt allen auf den Nägeln - in der Region umso mehr, als hier besonders viele ältere Menschen leben. Da sich das Problem noch verschärfen wird, arbeiten Stadt und Landkreis Hof gemeinsam an neuen Konzepten. "Aus der Alterspyramide ist längst eine ,Zwiebel‘ geworden", bemerkte Oberbürgermeister Dr. Harald Fichtner zu Beginn der zweiten interkommunalen Pflegekonferenz im Hofer Rathaus. Man brauche Partner, neue Wohnheime und Kurzzeitpflegeplätze. Das Thema Kurzzeitpflege stand im Mittelpunkt des Treffens. Die müsse ausgebaut werden, meint stellvertretender Landrat Hans-Peter Baumann, damit pflegende Familien entlastet werden. Stadt und Landkreis säßen in Sachen Pflege in einem Boot. Gemeinsam müsse man die Herausforderungen angehen.

Ute Hopperdietzel, zuständig für das Netzwerk Pflege in Stadt und Landkreis Hof, informierte die 50 Fachleute aus Einrichtungen und Behörden über das, was bereits erreicht worden ist. In Sachen Kurzzeitpflege fehlten gute Rahmenbedingungen, doch gebe es viele kleine Stellschrauben, an denen man drehen könne. Im Jahr 2020 werde die generalistische Pflegeausbildung eingeführt, auf die sich das Netzwerk mit einer Fragebogenaktion vorbereitet habe. Man bemühe sich um bedarfsorientierte Angebote für pflegende Angehörige. So werde es ab 2020 auch eine Internet-Pflegeplatzbörse geben, außerdem werde der Seniorenwegweiser neu aufgelegt. Geplant sei die Gründung einer Arbeitsgemeinschaft "Entlassmanagement". Um Fachkräfte zu gewinnen, sei eine Kampagne in Planung, in der Menschen aus der Pflege für ihre Arbeit werben. Die Kooperation der Gesundheitsregion plus Stadt und Landkreis Hof sowie mit der Arbeitsgemeinschaft Pflege werde ausgebaut. "Wir müssen gegenüber der Politik hartnäckig bleiben." Daher gebe es den Entwurf eines Positionspapiers zum Thema Kurzzeitpflege im Hofer Land.

Johanna Leupold vom Bayerischen Landesamt für Pflege informierte über diese 2018 in Amberg neu eingerichtete Behörde und über mögliche Förderungen von Einrichtungen zur Kurzzeitpflege.

Zwar bieten die meisten der 25 vollstationären Senioreneinrichtungen im Landkreis Kurzzeitpflege an. Voraussetzung ist allerdings, dass Plätze frei sind, was selten der Fall und vor allem nicht planbar ist. Angehörige wünschen sich aber Planungssicherheit.

Seit 1. Juni bietet als bisher einziges Seniorenhaus das der Hospitalstiftung Hof (Am Unteren Tor) drei feste Kurzzeitpflegeplätze an, die im Voraus gebucht werden können. Einrichtungsleiterin Sabine Dippold und Pflegedienstleiterin Larissa Hörner berichten nun über ihre Erfahrungen mit dem Fördermodell "Fix plus X". "An den ersten Tagen stand das Telefon kaum still", erinnert sich Pflegedienstleiterin Larissa Hörner. Die Plätze seien rasch belegt gewesen. Auch heute noch gebe es fünf bis acht Anrufe pro Tag. Das Angebot komme sehr gut an. "Trotzdem muss man sagen, dass alle Kollegen damit mehr Arbeit haben", sagt Hörner. Viele Angehörige würden sich nicht auskennen mit der Materie, es brauche viel Beratung und ständig neue Planung. Auch die Dokumentation koste Zeit. Man dürfe das Ganze nicht nur vom wirtschaftlichen Aspekt her sehen. "Wenn wir die Freude, Erleichterung und Dankbarkeit der Angehörigen erleben, sind wir stolz darauf, diesen Schritt getan zu haben." Auch für die stationären Bewohner seien die Gäste eine Abwechslung. Sabine Dippold gibt zu bedenken, dass das Seniorenhaus auch zuvor zu hundert Prozent belegt gewesen sei und schon Senioren auf die stationäre Aufnahme warten. Man habe die drei Kurzzeitpflegeplätze geschaffen, um ein Beispiel zu geben, dem hoffentlich andere Einrichtungen folgen werden. Auch wenn es Tage gebe, an denen nicht alle Kurzzeitpflegeplätze belegt sind, sei "Fix plus X" bisher kein Minusgeschäft gewesen.

In der Diskussion gibt es Respektbekundungen für dieses Engagement, allerdings auch Klagen über den Personalmangel, der solche Aktionen in den Häusern verhindere. In einigen Heimen gibt es wegen fehlenden Personals sogar einen Aufnahmestopp. Viele Ältere scheiden aus Gesundheitsgründen aus dem Beruf aus. Die Hoffnungen ruhen auf den Azubis, auf Fachkräfte aus dem Ausland oder auch darauf, dass Fachpersonal bereit ist, mehr Stunden als bisher zu arbeiten. Kräfte aus dem Ausland einzuarbeiten, brauche aber auch Zeit und Geld, geben andere zu bedenken. Und es werde künftig wohl noch schwieriger, wenn keine neuen Konzepte gefunden werden.

An der Entlohnung und Wertschätzung des Pflegeberufs reden sich einige die Köpfe heiß. Die Basis werde zu wenig gefragt, wenn es um die Bedürfnisse gehe, hieß es. Da nütze das beste Landesamt nichts. Die Bürokratie und die vielen Prüfinstanzen kosteten den Fachkräften, die in erster Linie pflegen wollen, Nervenkraft. Es gebe zu viele Stellen und zu wenig Miteinander. Der neue Pflege-Tüv bringe noch mehr Bürokratie. Am Ende seien immer die Pflegenden die Sündenböcke.

Autor

Lisbeth Kaupenjohann
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Veröffentlicht am:
07. 11. 2019
19:14 Uhr

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Autor

Lisbeth Kaupenjohann

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Veröffentlicht am:
07. 11. 2019
19:14 Uhr



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