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Hof

Experten-Rat kann bares Geld sparen

Die Verbraucherzentrale zieht Bilanz. Und sie stellt an die künftige bayerische Regierung Forderungen, die den Verbrauchern das Leben erleichtern sollen.



Auch bei Internetabzocke beraten die Verbraucherexperten der Verbraucherzentrale.	Foto:contrastwerkstatt/Adobe Photo
Auch bei Internetabzocke beraten die Verbraucherexperten der Verbraucherzentrale. Foto:contrastwerkstatt/Adobe Photo   Foto: Thomas Neumann » zu den Bildern

Hof - Telefonieren und surfen - das gehört für die meisten inzwischen einfach dazu. Und so ist es nicht verwunderlich, dass die Tücken der Telekommunikation die Verbraucherzentrale in Hof im vergangenen Jahr gut beschäftigt haben. Die Zentrale hat nun Bilanz 2017 gezogen.

Tipps für Verbraucher

Meinhard Krems von der Beratungsstelle in Hof rät, nicht voreilig zu handeln und sich Rat einzuholen.

Bausparverträge: Häufig kündigen die Banken gut verzinste, ältere Bausparverträge. Meinhard Krems rät: "Wenn man eine Kündigung erhält, sollte man mit den Unterlagen zur örtlichen Beratungsstelle gehen und nicht einfach den Scheck annehmen. Sonst hat man womöglich seine Chance verspielt, die Kündigung anzufechten."

Schlüsseldienst: Kurz nicht aufgepasst, schon hat man sich ausgesperrt. Damit das nicht zu teuer wird, hat die Verbraucherzentrale für jedes Bundesland die Durchschnittspreise für eine Türöffnung tagsüber berechnet. An den Werten können sich Verbraucher orientieren - in Bayern liegt er bei 71 Euro.

Unberechtigte Inkasso-Forderungen: Wer eine Forderung eines Inkassobüros bekommt, die er für unrechtmäßig hält, kann diese beim digitalen Inkasso-Check der Verbraucherzentrale überprüfen. Laut Krems sind 50 bis 60 Prozent der Forderungen unseriös und nicht rechtens.


Insgesamt 262 Mal kamen Ratsuchende zum Thema Mobilfunk zu Verbraucherexperte Meinhard Krems. "Mein persönlicher Eindruck ist, dass alle Anbieter unter großem Druck stehen und man für sein Recht kämpfen muss", sagt er. So habe beispielsweise ein älteres Paar unbemerkt zum Telefonvertrag ein Zusatzpaket zur Telefonie in Portugal abgeschlossen. "In solchen Fällen empfehle ich, zur Beratung zu kommen. Wenn man sich selbst ohne Unterstützung durch eine Beratungsstelle wehrt, wird man oft abgewimmelt."

Auch Altersvorsorge spielt eine große Rolle, mit 439 Beratungen sogar die größte. Und dafür holt sich Meinhard Krems alle sechs Wochen Verstärkung von einem Finanzexperten aus Nürnberg. Für diese Termine müssen sich Interessenten im Voraus online anmelden. Die Möglichkeit, Termine für eine Beratung vorher online fest zu buchen, werde gut angenommen, berichtet Krems.

Während die Beratungszahlen zum Thema Energie und Umwelt 2017 bayernweit gut waren, ist der oberfränkische Raum eine Ausnahme. Dabei sollten gerade Häuslebauer und Bauherren, die alte Immobilien sanieren wollen, den Gang zur Verbraucherzentrale nicht scheuen, erklärt Annerose Schönherr, Energieexpertin der Hofer Beratungsstelle. "Da gibt es schöne Fördergelder", sagt sie. Häuslebauer würden einmal rund ums Haus beraten, vom Thema Dämmung bis hin zur Heizung - bevorzugt, bevor der Architekt schon an der Arbeit ist. Und sie empfiehlt die Beratung vor allem für Leute mit kleinerem Budget: "Man kann bares Geld sparen, und die, die nicht so gut betucht sind, zahlen auch nichts für die Beratung." Und der Vorteil: Die Verbraucherzentrale sei unabhängig, anders als Unternehmen. Ein großer Erfolg für die Verbraucherzentrale Bayern ist die Musterfeststellungsklage, die bis zum 1. November 2018 eingeführt werden soll. Damit können beispielsweise im Dieselskandal Verbraucher vor Ablauf der Verjährungsfrist noch rechtliche Schritte einleiten. Ein solches Instrument hatte die Verbraucherzentrale schon lange gefordert.

Gespannt blicken die Verbraucherberater auf die anstehenden Landtagswahlen im Herbst. Forderungen an die künftige Regierung haben sie schon aufgesetzt: Diese soll die Energiewende voranbringen und die Kosten gerecht verteilen. Zudem fordert die Zentrale klare Kriterien, was unter sozial und ökologisch verantwortungsvoller Produktion zu verstehen ist, eine klare Regionalkennzeichnung von Lebensmitteln, mehr Pflegepersonal unter besseren Arbeitsbedingungen, Offenlegung der Algorithmen beim Online-Shopping sowie faire und transparente Preise bei Schlüsseldiensten. "Schon öfter kamen Leute in die Beratungsstelle, die für zwei Minuten Türöffnen teilweise über 1000 Euro gezahlt haben", berichtet Meinhard Krems.

Zu einem Thema beraten die Hofer allerdings nicht: Ernährung und Lebensmittel. "Das wäre eigentlich das wichtigste für die Gesellschaft, aber für so etwas ist kein Geld da", kritisiert Meinhard Krems.

1109 ausführliche Beratungen gab es 2017 in Hof, das sind 150 weniger als noch im Vorjahr. Doch das sehe nur oberflächlich nach viel aus, erklärt Krems. Nicht nur, dass er die Stelle allein besetzt und im vergangenen Jahr anderthalb Monate im Außendienst war. "Beratungen werden immer komplexer und damit auch langatmiger. Konnte man früher eine Beratung zur Internetabzocke in fünf Minuten schaffen, braucht man dafür in der Regel heute mindestens eine halbe Stunde." Zudem nehme die Zahl der telefonischen und der Online-Beratung zu.

Autor

Laura Schmidt
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Veröffentlicht am:
17. 07. 2018
19:24 Uhr

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Laura Schmidt

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Veröffentlicht am:
17. 07. 2018
19:24 Uhr



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