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Hof

Gericht korrigiert Urteil im Jäger-Prozess

Die Berufungskammer des Landgerichtes Hof hat am Montagmittag im Jäger-Prozess ein Urteil gesprochen.



Urteil der Berufungskammer im Jäger-Prozess   Foto: Sören Göpel

Hof – Mit einem milderen Urteil ist am Montagnachmittag der sogenannte Jäger-Prozess zu Ende gegangen. Die Berufungskammer des Hofer Landgerichtes verurteilte den 57-Jährigen zu einer Freiheitstrafe von einem Jahr, die zur Bewährung ausgesetzt wird. Das Gericht korrigierte damit das Urteil des Amtsgerichtes Wunsiedel aus dem Jahr 2015. Das verurteilte den Jäger zu zwei Jahren auf Bewährung. Anschließend legten Verteidigung, Nebenklage und Staatsanwaltschaft Berufung ein.

Bis heute konnte nicht geklärt werden, wie es zu dem Schuss kam, der den 26-Jährigen steil von oben herab in die Brust traf. Deswegen stützt das Gericht die Version des Jägers, der sich den Schuss bis heute nicht erklären könne. Er habe damals Wildschweine im Mais vermutet, diese auch durch das Zielfernrohr verfolgen wollen, dann aber von einem Schuss abgesehen. „Ich dachte noch: Das ist aber eine komische Sau“, sagte der Mann über den „grauen Schatten“ bei einer Rekonstruktion am Tatort. Das Wild sei nicht genau zu identifizieren gewesen, deswegen habe er seine gespannte Waffe entspannen wollen. Dabei habe sich der Schuss gelöst. Das sogenannte Handspannersystem funktioniert nur mit viel Druck, ähnlich wie ein Kugelschreiber. 

Das Gericht vertraut vor allem auf das Gutachten des Waffenexperten Dieter Stiefel. Der hatte vor Wochen erklärt, dass eine ungewollte Schussabgabe keine Seltenheit sei. Vor allem erfahrene Jäger würden sich deswegen nach einem Unglück immer wieder fragen, wie es dazu kommen konnte, weil sie selbst erschrocken seien. Stiefel erklärte, der Abzug der Waffe sei sensibel eingestellt gewesen, wie immer, wenn Jäger auf Wildschweine schießen wollen. Diese wechseln zwischen Wald und 
Flur sehr schnell. Die Waidmänner haben nur einen Bruchteil einer Sekunde Zeit, das Tier zu bewerten, 
anzusprechen und zu zielen. Muttertiere dürfen nicht geschossen werden.

Nach Meinung des Gerichtes hat der Schreiner und Büchsenmacher beim Entsichern der Waffe in den gespannten Feinabzug gegriffen, der einen Auslöseweg von nur einem halben Millimeter hatte. Davon muss das Gericht ausgehen, denn die Aussage des Jägers kurz nach der Tat gegenüber Polizisten („Ich habe geschossen, ich dachte, es ist ein Wildschwein.“) lasse nicht auf eine bewusste Tat schließen. Eine Extremsituation, in der Worte nicht normal bewertet werden könnten, meinte Richterin Anke Schattner, die mehr als ein Dutzend Beamte zu diesem Prozess geladen hatte, der von ihr akribisch bearbeitet wurde. Die Polizisten schilderten die Aussagen des Jägers teilweise komplett gegensätzlich. Die Kammer musste deshalb von einem Versehen ausgehen. „Das Gericht ist nicht zuständig, Beweise zu sammeln“, sagte Schattner in ihrem 45-minütigen Vortrag.


Für den Verurteilten spräche, dass er Reue zeige, nie in Erscheinung getreten sei und über die Schuld hinaus wirtschaftlich wie sozial erheblichen Schaden erlitten habe. Zudem sei die Tat fünfeinhalb Jahre her. Das Gericht stellte eine rechtsstaatswidrige Verzögerung des Verfahrens fest. Deswegen gelten zwei Monate der Strafe bereits als vollstreckt. Der Jäger hätte dennoch mit Menschen im Wald rechnen müssen. 
 Er nahm das Urteil an. Die Staatsanwaltschaft hatte bereits am vorletzten Tag ihre Berufung zurückgezogen. Die Nebenklage kann nun Revision einlegen.

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Sören Göpel

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Veröffentlicht am:
16. 04. 2018
13:10 Uhr

Aktualisiert am:
16. 04. 2018
21:14 Uhr

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16. 04. 2018
13:10 Uhr

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16. 04. 2018
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