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Hof

Großschloppen erinnert ans Erdäpflgroom

Das Dorf erweckt am Sonntag die historische Tradition der Kartoffellese wieder. Die Besucher erwarten auch kulinarische Köstlichkeiten zum Kaffee.



Wie in der guten alten Zeit: "Erdäpflgroom" in Großschloppen in historischer Kleidung. Foto: Willi Fischer
Wie in der guten alten Zeit: "Erdäpflgroom" in Großschloppen in historischer Kleidung. Foto: Willi Fischer  

Großschloppen - Am Sonntag, 8. September, beginnt um 13 Uhr in Großschloppen ein Event mit regionaler Bedeutung: das "Historische Erdäpflgroom". Es ist ein Brauchtumsfest mit Kultcharakter, das sich zu einer festen Größe und lieb gewordenen Tradition entwickelt hat. Das beweist Jahr für Jahr der große Besucheransturm, der einer "Völkerwanderung" gleichkommt.

Großschloppen, das bereits als "Golddorf" bayernweit Berühmtheit erlangt hat, tritt dabei ganz groß in Erscheinung. Die Devise lautet: "Ran an die Kartoffel", denn die Feldfrucht ist nicht nur ein gesundes Nahrungsmittel, sondern auch sehr belebend, wie die Attraktion für die gesamte Region deutlich zum Ausdruck bringt. Ort des historischen Ereignisses ist ein Feld an der Kreisstraße WUN 1 zwischen Kirchenlamitz und Weißenstadt, gleich nach der Abzweigung Großschloppen unterhalb des Sechsämter-Radweges. Für ausreichende Parkmöglichkeiten ist gesorgt.

Das Highlight des Kartoffelfestes ist zugleich lebendiger Anschauungsunterricht für den direkt an Großschloppen vorbeiführenden Kartoffel-Erlebnispfad. Hier wird die Kartoffel als ein wahres "Geschenk der Natur" bezeichnet. Hieß es doch nicht umsonst einst bei Hungersnöten: "Wir haben den Segen des Himmels zu Haus", womit die tolle Knolle Kartoffel gemeint war.

Herkunftsgebiet der Kartoffel sind die Hochlagen der Anden. Im 16. Jahrhundert wurden die Kartoffeln von Seefahrern nach Europa gebracht. Anfangs war die Kartoffel etwas Exotisches, und man begegnete ihr mit viel Skepsis. Als sie vor mehr als 400 Jahren nach Europa kam, wurde sie zuerst von Fürsten, Ärzten und Botanikern als fremdländische Rarität in botanischen Gärten angebaut. Erst die Hungersnöte im 18. Jahrhundert verhalfen ihr zum Durchbruch.

Am 24. März 1756 erließ der Preußenkönig Friedrich der Große den berühmten "Kartoffelbefehl", die "Circular Ordre", der die Bauern zum Anbau von Kartoffeln zwang. Überliefert ist der Originalwortlaut des königlichen Befehls: "Als habt ihr denen Herrschaften und Unterthanen den Nutzen von Anpflanzung dieses Erd-Gewächses begreiflich zu machen und denselben anzurathen, dass sie noch dieses Frühjahr die Pflanzung der Kartoffeln als eine sehr nahrhafte Speise unternehmen."

Der feldmäßige Anbau von Kartoffeln wurde von Landwirten rund um Kirchenlamitz schon frühzeitig praktiziert. Zur schnellen Verbreitung der Feldfrucht trug auch die Tatsache bei, dass die Bauern darauf beharrten, ihren Anbau "zehntfrei", also ohne Abgaben vorzunehmen. Denn wie die schlauen Bauern damals schon wussten, waren Kartoffeln nicht als abgabepflichtige Anbaufrucht in den noch aus dem Mittelalter stammenden Listen erwähnt.

Heute ist die Kartoffel aus dem Speiseplan nicht mehr wegzudenken. Doch wo kommt die Bezeichnung "Kartoffel" her? - Sie stammt von "tartufolo", dem italienischen Wort für Trüffel, das auf das lateinische "terrae tuber" (Erdknolle) zurückgeht.

Das Stecken der Saatkartoffeln erfolgt von April bis Mai, die Ernte von August bis Oktober. Geerntet wird in der Regel das Zehnfache der Aussaatmenge. Früher war die Kartoffelernte, das "Erdäpflgroom", wie sie mundartlich bezeichnet wird, reine, mühselige und personalintensive Handarbeit. Das dazu meistgebrauchte Arbeitsgerät war eine zweizinkige Hacke, mundartlich "Krail" genannt. In Großschloppen kommt sie wieder zum Einsatz.

Die historischen Gerätschaften, mit denen die Kartoffeln geerntet wurden, werden dabei in historischer Tracht vorgeführt, ebenso wie die per Hand mit "Krail" oder mit einer von einem Oldtimer-Traktor gezogene Sternschleuder. Ein echtes Erlebnis für die Kinder ist das Kartoffelfeuer, das in früheren Zeiten auf den Feldern gebrannt hat und in dem Kartoffeln gebraten werden. Beim "Erdäpflgroom" gibt es schmackhafte Kartoffelsorten in bunter Vielfalt mit wohlklingendem Namen und gutem Geschmack wie Bamberger Hörnchen, Laura (rot), Lilly, Annabell, Prinzess, Quarta und Krone.

Geplant ist auch ein Kaffeetrinken auf dem Feld, wie es früher üblich war. Die Frauen des Dorfes haben dazu leckere Spezialitäten zubereitet wie Bauernküchle, Kartoffel-Lebkuchen, Hefekleß, Benkstiezl, Pflaumenkuchen, Apfelkuchen, Holunderkuchen, Kartoffelkäse, Griebenfett und Kräuterquark. Der Gaumenschmaus wird vor Ort auf dem eingetischten Kartoffelacker genossen.

Das Kartoffeldorf Großschloppen macht mit der Veranstaltung dem vorbeiführenden Kartoffel-Erlebnispfad alle Ehre. An acht Stationen wird dort Wissenswertes und Informatives mit illustrierten Schautafeln über eines der ältesten Kartoffel-Anbaugebiete Oberfrankens vermittelt. Außerdem kann man in Großschloppen sogar ein kleines Kartoffelmuseum am Dorfteich besichtigen.

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Willi Fischer

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Veröffentlicht am:
13. 08. 2019
17:04 Uhr

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13. 08. 2019
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