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Hof

Hofer Polizei hat oberfrankenweit größte Belastung

Zwar ist die Kriminalität in Hof heute niedriger als vor zehn Jahren, doch fühlen sich die Menschen unsicher. Mehr Streifen sind aber nicht drin, betont der Hofer Polizeichef.



89 Anrufe mit Enkeltrick, falschen Polizeibeamten oder Gewinnversprechen sind 2018 in Hof der Polizei bekannt geworden, nur einer davon war erfolgreich: Die Betrüger ergaunerten 16 000 Euro. Oberfrankenweit sieht es weit schlimmer aus: Hier haben organisierte Betrügerbanden in 54 erfolgreichen Fällen (bei 1206 bekannten Versuchen) mehr als eine Million Euro erbeutet.
89 Anrufe mit Enkeltrick, falschen Polizeibeamten oder Gewinnversprechen sind 2018 in Hof der Polizei bekannt geworden, nur einer davon war erfolgreich: Die Betrüger ergaunerten 16 000 Euro. Oberfrankenweit sieht es weit schlimmer aus: Hier haben organisierte Betrügerbanden in 54 erfolgreichen Fällen (bei 1206 bekannten Versuchen) mehr als eine Million Euro erbeutet.   » zu den Bildern

Hof - Die Hofer Polizisten haben keine Zeit zum Radeln. Das sagt Klaus Weich, Leiter der Polizeiinspektion Hof, nicht mit Blick auf den Feierabend seiner Beamten. "Wir haben ja hier in Hof an der Entwicklung von Uniformen für Fahrrad-Polizisten für ganz Bayern mitgewirkt, aber wir haben einfach keine Möglichkeit, selbst mal eine Rad-Streife an den Untreusee zu schicken", sagte er am Montagabend im Hofer Stadtrat. Dazu seien die Dienstpläne einfach zu eng gestrickt: Es sei ja kaum mal eine motorisierte Extra-Streife drin. Zur Vorstellung der Kriminalstatistik gehörte auch die Entwicklung der Einsatzzahlen der Hofer Polizei: Sie sind in den vergangenen sieben Jahren um 25 Prozent gestiegen. Damit ist die PI Hof oberfrankenweit spitze bei einer traurigen Zahl: der Einsatzbelastung pro Kopf bei den Polizeibeamten. Denn, und das liegt jener Entwicklung zugrunde: Auch die Anzahl der Straftaten in Hof steigt wieder.

Hinweise zu Mordfall

Anfang des vergangenen Jahres ist, wie berichtet, in der Alsenberger Straße eine 19-jährige Irakerin ermordet worden. "Wir haben keinen Tatverdächtigen, aber wir geben nicht auf", betonte Jürgen Schlee. Die Ermittlungen seien sehr aufwendig, man arbeite in einem nicht einfachen Umfeld. Und man sei nach wie vor für Hinweise dankbar: Telefon 09281/7040.

 

Wie kurz berichtet, haben PI-Chef Klaus Weich und Jürgen Schlee, Leiter der Hofer Kriminalpolizei, am Montag dem Hofer Stadtrat einen Überblick über die Kriminalität im vergangenen Jahr gegeben. Die Statistik ist keine Erhebung der Verurteilungen, sie zeigt nur die Tatverdächtigen, die die Polizei fasst, ungeachtet der juristisch aufgearbeiteten Schuldfrage; sie zeigt nur die bekannte Anzahl an Straftaten - wie hoch die Dunkelziffer ist, lässt sich naturgemäß nicht erfassen. Sie zeigt die Kurven-, Balken- und Torten-Diagramme der kriminalistischen Statistik, unbeeindruckt von der Tatsache, dass das subjektive Sicherheitsgefühl der Deutschen über die vergangenen Jahre stetig gesunken ist. So lieferten die beiden Referenten für jede Zahl, die sie genannt haben, eine Einordnung, für jede statistische Erfassung eine Herleitung. Und baten darum, die Hintergründe bei einer jeweiligen Interpretation zu bedenken.

 

 

Die Fallzahlen

3840 Straftaten hat es im Stadtgebiet Hof 2018 gegeben. Das ist ein Anstieg von knapp 200 - oder 5,1 Prozent - im Vergleich zum Vorjahr. Dennoch lösen jene absoluten Zahlen bei den Beamten kein großes Hadern aus: Zwischen 2009 und 2015 hatten sie in Hof immer über 4000 Straftaten zu beklagen, 2014 waren es mehr als 4600. Womit sie allerdings nicht zufrieden sind: Die Aufklärungsquote 2018 ist im Vergleich zu 2017 leicht gesunken: von 70,5 auf 69,3 Prozent. Im Vergleich der vier Mittelzentren Oberfrankens reiht sich Hof damit auf Platz zwei hinter Bamberg ein. Und auch bayernweit gehört die Stadt eher zu den Kommunen mit den höheren Fallzahlen: Die sogenannte Häufigkeitszahl - die Zahl der Straftaten umgerechnet auf die Einwohner - betrug 2018 für Hof 8335. Das ist weit über Bayreuth (6752) oder Coburg (6828). Spitzenreiter ist Schweinfurt mit knapp 10 000, sicherste Stadt ist Schwabach mit 3500.

 

Die Delikte

Fälle von Kleinkriminalität - von Beleidigungen bis Sachbeschädigungen - machen mit 26,6 Prozent das Gros der Delikte in Hof aus. Zwei (aufgeklärte) Serien mit zerstochenen Reifen und demolierten Autos haben im Bereich der Sachbeschädigung zu einem Anstieg geführt, erklärte Klaus Weich: 190 Fälle von Beschädigten Autos verzeichnete er 2018 (2017: 147), 178 Fälle von Beschädigungen oder Graffiti im öffentlichen Raum mussten seine Beamten bearbeiten (2017: 123). Hoch-Zeit war hier bekanntlich das Jahr 2014, als in jenen beiden Bereichen 669 Vorfälle zu verzeichnen waren.

Diebstähle haben im vergangenen Jahr 24,1 Prozent der Delikte ausgemacht. Eine (mittlerweile gefasste) Bande war dafür verantwortlich, dass der Fahrraddiebstahl von 79 auf 101 anstieg, auch wurden mehr Autos gestohlen: 54 statt 47 im Vorjahr. Taschendiebstahl ging leicht von 21 auf 18 zurück.

20 Prozent haben 2018 in Hof Straftaten gegen Leib und Leben ausgemacht. Die Zahl der schweren und gefährlichen Körperverletzungen in der Öffentlichkeit sank von 50 in 2017 auf 39 in 2018. Die Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung (in der Gesamtstatistik 1,6 Prozent aller Straftaten) sind um 24 gestiegen. "Das liegt aber daran, dass mit der bekannten Verschärfung des Sexualstrafrechts viele Vorfälle statistisch anders eingestuft werden als früher", erklärte Klaus Weich. Dennoch betonte er: Auch die Hofer Polizei bearbeite regelmäßig Fälle von Kinderpornografie, beispielsweise, wenn an Schulen Nacktbilder von Kindern im Klassen-Chat auftauchten. Vermögens- und Fälschungsdelikte haben stark abgenommen, sie machen nur noch 14,5 Prozent der Straftaten aus: Die Zahlen sind hier nach einem zwischenzeitlichen Anstieg wieder gefallen - 2018 wurden beispielsweise weniger Reisepässe oder Führerscheine gefälscht als im Umfeld der Flüchtlingskrise 2015.

 

Zuwanderer und Ausländer

Bayernweit ist die Zahl der Straftaten, die von Zuwanderern begangen wurde, gestiegen: von 23 271 im Jahr 2015 auf 40 109 im Jahr 2017 und auf 43 002 im vergangenen Jahr. Anders als bei den genannten Zahlen der Hofer Statistik sind hier die sogenannten ausländerrechtlichen Verstöße - meist das Fehlen eines gültigen Ausweises - nicht mitgerechnet. Bayernweit werden 36 Prozent der Straftaten nicht von einem deutschen Staatsbürger begangen, in Oberfranken sind es 26,9 Prozent. Der Anteil der Zuwanderer an den nicht-deutschen Tatverdächtigen beträgt in Bayern 30 Prozent, in Oberfranken sogar 42,3 Prozent. Auch auf Hof brach Klaus Weich die Zahlen herunter: Die Stadt hat einen Ausländeranteil von 18 Prozent. Von den 1943 Tatverdächtigen, die die Polizei im vergangenen Jahr fasste, waren jedoch 36 Prozent nicht-deutscher Herkunft (18 Prozent Zuwanderer, 18 Prozent andere Ausländer). Für jene vergleichsweise hohe Quote nannte Weich hauptsächlich zwei Gründe: zum einen die Tatsache, dass weltweit die meisten Straftaten von jungen Männern begangen werden - und sich unter den Zuwanderern eben besonders viele junge Männer befänden. Zum anderen lebten lange nicht alle der Tatverdächtigen in Hof: eine Vielzahl der Fälle beruhe auf Kontrollen der Fernbusse am Hauptbahnhof oder auf den Autobahnen, wo oft Banden geschnappt werden. Eine Sache hat sich in den vergangenen Jahren nicht verändert, betonte Weich: "Die Opfer von Delikten unter Zuwanderern sind in aller Regel andere Zuwanderer." Aber nicht nur.

 

Mehr Rauschgift

Große Sorge bereiten den Beamten der Kripo die Rauschgiftdelikte: Sie sind von 2017 von 229 auf 414 Fälle in 2018 gestiegen. Kleines Trostpflaster: Das Gros machen nicht der Verkauf, sondern der Konsum aus (318 Fälle). Am schnellsten auf dem Vormarsch seien Cannabisprodukte (275 Straftaten), betonte Jürgen Schlee. Crystal sei auf dem Rückzug, auch Heroin oder Kokain spiele quasi nur eine Rolle, da es bei Kontrollen auf der Autobahn regelmäßig gefunden wird.

Dennoch: 2018 gab es in Hof drei Drogentote, darunter ein 15-Jähriger. Und: Der Anteil der nicht-deutschen Tatverdächtigen steigt, er beträgt mittlerweile 32,8 Prozent. Erst jüngst seien in einem großen Verfahren 16 Haftbefehle gegen Zuwanderer ausgestellt worden, die neun Kilogramm Marihuana ins Land geschmuggelt hatten.

Autor
Christoph Plass

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Veröffentlicht am:
26. 03. 2019
19:00 Uhr

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Autor
Christoph Plass

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Veröffentlicht am:
26. 03. 2019
19:00 Uhr



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