Topthemen: Zentralkauf weicht Hof-GalerieKaufhof-UmbauHofer Filmtage 2017Gerch

Hof

Nazi-Gegner zeigt rechten Liedermacher an

Jörg Ogrowsky geht nun seinerseits gegen Frank Rennicke juristisch in die Offensive: Er wirft ihm Verleumdung vor.



Hof - Die juristische Auseinandersetzung zwischen dem Hofer Neonazi-Gegner Jörg Ogrowsky und dem rechtsextremen Liedermacher Frank Rennicke aus Feilitzsch geht in eine weitere Runde. Wie berichtet, hat das Hofer Amtsgericht Ogrowsky am 28. September zu einer Geldstrafe verurteilt - nach einer Anzeige Rennickes wegen Beleidigung. Jörg Ogrowsky, aktives Mitglied des Hofer Bündnisses für Toleranz, hat nun seinerseits Frank Rennicke angezeigt, wegen Verleumdung und "Verbreitung unwahrer, ehrenrühriger Behauptungen". Die Anzeige ist bei der Staatsanwaltschaft Hof eingegangen, wie Leitender Oberstaatsanwalt Reiner Laib auf Anfrage bestätigt hat. Die Ermittlungen laufen.

Berufung

Wie berichtet, hat das Amtsgericht Hof Jörg Ogrowsky am 28. September verurteilt, weil dieser Frank Rennicke bei einer Veranstaltung im Hofer Museum Bayerisches Vogtland als "Nazischwein" und "Ratte" bezeichnet habe. Ogrowsky bestritt dies vehement. Zwei Zeugen bestätigten Rennickes Darstellungen. Ogrowsky konnte die Beschuldigungen nicht widerlegen, da keiner seiner Zeugen den Streit komplett mit angehört hatte. Er hat gegen das Urteil Berufung eingelegt.

 

Der Hintergrund der neuen juristischen Runde: Liedermacher Rennicke hatte nach seiner Strafanzeige vom 12. April 2017, mit der er den Prozess vor dem Amtsgericht auslöste, in einem weiteren Schreiben an die Staatsanwaltschaft Hof am 9. Juli seine Beleidigungs-Vorwürfe gegen Ogrowsky erweitert. Diesmal ging es um einen angeblichen Vorfall nach einem öffentlichen Vortrag am 26. Juni in der Konventstube des Hofer Spitals. Jörg Ogrowsky, so die Darstellung Rennickes, habe damals auf dem Weg zum Ausgang zu ihm gesagt: "Nazischweine" wie Rennicke sollten sich "verpissen" und gehörten sich verbrannt.

Außerdem schilderte der in rechtsextremen Kreisen populäre Liedermacher in seiner ergänzenden Strafanzeige ausführlich angebliche Vorkommnisse vor seinem Anwesen in Feilitzsch, die sich im Juli zugetragen hätten: Er berichtete von Unbekannten, die jenseits des Zauns darüber beraten hätten, wie sich auf dem Grundstück Feuer legen lasse, nicht ahnend, dass Rennicke zuhörte. Mehrmals hätten die Unbekannten in den belauschten Gesprächen den Namen "Jörg" erwähnt. Und jedes Mal hätten sie das Weite gesucht, nachdem sich Frank Rennicke bemerkbar gemacht hätte.

Das Amtsgericht hat diese neuen Vorwürfe Rennickes gegen Jörg Ogrowsky in den Prozess und in das Urteil vom 28. September nicht einfließen lassen. Ogrowsky will die Beschuldigungen dennoch nicht auf sich sitzen lassen, deshalb hat er seinerseits die besagte Anzeige erstattet.

Im Gespräch mit der Frankenpost wirft Jörg Ogrowsky Frank Rennicke "ungeheuerliche Behauptungen" vor. Nichts an den Vorwürfen sei wahr, sie seien frei erfunden, auch das angebliche Aufeinandertreffen in der Konventstube des Hofer Hospital. In seiner Strafanzeige erklärt Ogrowsky: Zwar habe er an der besagten Veranstaltung teilgenommen - das Thema war Vogelkunde -, und er habe bei dieser Gelegenheit eine von ihm organisierte Fahrrad-Exkursion vorgestellt; Frank Rennicke sei ebenfalls anwesend gewesen. Doch es habe an diesem Abend kein persönliches Aufeinandertreffen, kein Gespräch zwischen den beiden gegeben.

Zu den von Rennicke geschilderten angeblichen Vorkommnissen mit Unbekannten vor dem Grundstück in Feilitzsch erklärt Ogrowsky in seiner Anzeige: "Die detaillierten Darstellungen sowie die Behauptungen, ich oder mir bekannte Auto- beziehungsweise Fahrradfahrer hätten geplant oder seien von mir aufgefordert worden, Brandsätze oder Ähnliches auf sein Grundstück zu schleudern, sind völlig aus der Luft gegriffen. Sie stellen eine infame Verleumdung meiner Person dar, die jeglicher Grundlage entbehrt."

Ogrowsky ergänzt im Gespräch mit der Frankenpost, der rechtsextreme Liedermacher verfolge offenbar eine Strategie: Er wolle die Mittel des Rechtsstaats ausnutzen, um sich selbst als Opfer darzustellen. "Dabei geht er sehr detaillistisch vor und erscheint dadurch sehr überzeugend", sagt Ogrowsky. Ihn persönlich wolle Rennicke offenbar einschüchtern und zermürben.

Frank Rennicke teilte auf Frankenpost-Anfrage mit, ihm sei von einer Anzeige Ogrowskys nichts bekannt. "Ich sehe dieser aber sehr gelassen entgegen." Ihm sei klar, schreibt Rennicke in einer Stellungnahme, "dass der Herr natürlich seine Unschuld beteuert, so wie er vor Gericht behauptete, mich nicht beleidigt zu haben. In seinem Hass ist er leider realitätsfern und vermutlich blind und taub." Und weiter: "Meine Frau, meine Kinder und ich möchten hier im westlichen Vogtland gerne ohne linksfaschistische Beleidigungen, Bedrohungen und Unsinnigkeiten verdrehter Alt-68er-Narren leben."

Autor
Hannes Keltsch

Hannes Keltsch

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
26. 10. 2017
20:03 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen
Amtsgerichte Frank Rennicke Grundstücke Museum Bayerisches Vogtland Ornithologie Rechtsradikalismus Staatsanwaltschaft Hof (Saale) Strafanzeigen
Hof
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Das Hofer Rathaus soll einen Anbau bekommen: Nach langem Ringen hat man sich zu einer Sechs-Millionen-Euro-Investition entschlossen. Mit dem genehmigten Haushalt spricht alles dafür, dass die Planung dieses Jahr beginnt.

17.08.2017

Rathaus-Mitarbeiter rufen Polizei zu Hilfe

Ein Vorfall in Ausländer- und Sozialamt beschäftigt die Ermittler. Kommt es zu einem Strafverfahren? » mehr

Hier soll es passiert sein: Das Schullandheim in Weißenstadt war das Ziel des Ausflugs der Christian-Wolfrum-Schule. In der Nacht zum Freitag soll eine Lehrerin zu fragwürdigen Strafen gegriffen haben. Foto: Florian Miedl

04.08.2017

Verfahren gegen Hofer Lehrerin eingestellt: Familie legt Beschwerde ein

Die Familie des Mädchens, das im Schullandheim in Weißenstadt auf dem Boden schlafen musste, hat bei der Staatsanwaltschaft Hof Beschwerde gegen die Einstellung des Verfahrens eingelegt. » mehr

Ein Minister und drei Hofer (von links): Justizminister Dr. Winfried Bausback mit dem ehemaligen Leitenden Oberstaatsanwalt Gerhard Schmitt, seinem Nachfolger Reiner Laib und dem Bamberger Generalstaatsanwalt Thomas Janovsky, der lange in Hof wirkte. Foto: Joachim Dankbar

10.07.2017

Reiner Laib ist neuer Leiter der Staatsanwaltschaft

Der neue Chef kennt sich in Hof bestens aus. Hier hat seine Laufbahn bekommen. Vorgänger Gerhard Schmitt geht in den Ruhestand. » mehr

Justizia

31.05.2017

Fälschung mit zweiter Fahrerkarte

Ein Berufskraftfahrer hat die Unterlagen über seine Fahrzeiten gefälscht. Dafür erhält er eine Geldstrafe. Sein Chef war daran nicht beteiligt. » mehr

Die "Väter" des neuen Sagenbuchs bei der Buchvorstellung im Hofer Museum (von links): Illustrator Hartmuth E. Raabe sowie die Erzähler Adrian Roßner, Klaus Hoechstetter und Dr. Reinhardt Schmalz. Foto: kst

19.11.2017

Vom kopflosen Reiter und drei Schweinchen

Drei Autoren stellen unbekannte Sagen aus dem Fichtelgebirge vor. Die gibt es jetzt als Buch - und bis Januar illustriert in einer Ausstellung. » mehr

Generalstaatsanwalt Thomas Janovsky (rechts) überreichte Reiner Laib in Bamberg die Ernennungsurkunde.

07.02.2017

Eine Rückkehr nach Hof

Reiner Laib übernimmt die Leitung der Staats- anwaltschaft in Hof. Hier war er bis Ende 2015 bereits stellvertretender Behördenleiter. » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Prunksitzung der Faschingsgilde Marktredwitz

Prunksitzung der Faschingsgilde Marktredwitz | 20.11.2017 Marktredwitz
» 38 Bilder ansehen

Blinde Date im Alten Bahnhof.JPG Hof

Blind Date im Alten Bahnhof | 18.11.2017 Hof
» 73 Bilder ansehen

Selber Wölfe - Eisbären Regensburg 5:1 Selb

Selber Wölfe - Eisbären Regensburg 5:1 | 18.11.2017 Selb
» 24 Bilder ansehen

Autor
Hannes Keltsch

Hannes Keltsch

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
26. 10. 2017
20:03 Uhr



^