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Hof

Tierschützer erheben schwere Vorwürfe

Die Grenzpolizei rettet 66 Vögel aus einem illegalen Tiertransport. Seitdem sind die Tiere in Nürnberg untergebracht. Für die Freilassung ist es schon zu spät.



30 Bienenfresser waren an Bord des Tiertransports. Foto: Polizei
30 Bienenfresser waren an Bord des Tiertransports. Foto: Polizei  

Landkreis - Die Grenzpolizei Selb stoppt am 25. September einen Kleintransporter. Das Fahrzeug mit niederländischem Kennzeichen ist auf der A 93 unterwegs, befindet sich auf Höhe der Stadt Rehau. Bei der Kontrolle trauen die Beamten ihren Augen nicht. An Bord: 66 streng geschützte Vögel im Wert von rund 150 000 Euro. Die beiden Fahrzeuginsassen haben keine Papiere für die Tiere. Der illegale Tiertransport endet an dieser Stelle. Die Vögel werden von einem Experten aus dem Landratsamt Hof begutachtet und schließlich in eine Außenstelle des Tierparks Nürnberg gebracht. Bis heute sind die Tiere dort.

"Normalerweise hätte die zuständige Behörde im Landkreis Hof viel schneller reagieren müssen", sagt Rosemarie Noeske vom Vogelschutz-Komitee Nordrhein-Westfalen. Die Tierschützer erheben schwere Vorwürfe gegen die Naturschutzbehörde des Landkreises. Bei den Tieren handele es sich um 30 Bienenfresser, zwei Kormorane und 34 Limikolen. Letztere Vogelart wurde noch nie in Gefangenschaft gezüchtet. "Gerade diese Art wird eine Überwinterung im Käfig nicht überleben", da ist Noeske sicher. Das habe ihr auch der bekannte Vogelexperte Peter Barthel bestätigt. "Hält man Limikonen während der Zugzeit in Käfigen, ist die Verletzungsgefahr sehr hoch, da sie ihrem starken Zugtrieb folgen und gegen die Gitter fliegen", erklärt Noeske. "Einige Vögel werden die Überwinterung im Käfig sicher nicht überleben." Das Zugziel der Vögel sei genetisch fixiert. "Sie müssen also nicht geführt werden, sondern finden ihr Ziel auch, wenn die anderen Vögel schon längst in den Süden gezogen sind", betont Noeske.

Dass die Tiere bis jetzt noch nicht freigelassen wurden, hält die Vogelschützerin für einen Skandal. "Selbst wenn der ein oder andere Vogel die Freilassung nicht überlebt hätte - das wäre eben die Natur", sagt Noeske. Nach der Registrierung für die Staatsanwaltschaft hätten die Tiere freigelassen werden müssen. "Man hat das Gefühl, die Verantwortlichen wollen nicht wirklich." Das Traurigste an der Sache sei, dass es für die Freilassung jetzt tatsächlich zu spät ist. "Vergangene Woche wäre die letzte Gelegenheit gewesen. Mittlerweile ist es zu kalt", erklärt Noeske. Jetzt könne man die Tiere höchstens nach Italien bringen und dort freilassen. "Aber selbst das wäre jetzt ein Risiko."

Die Naturschutzbehörde des Landkreises weist die Vorwürfe der Vogelschützer entschieden von sich. "Grundsätzlich ist uns als Naturschutzbehörde natürlich immer daran gelegen, dass wilde Tiere schnellstmöglich wieder in die Natur entlassen werden", betont Julian Karger vom Fachbereich Naturschutz. "In diesem Fall musste von diesem Vorgehen jedoch leider Abstand genommen werden." Mehrere Punkte hätten gegen eine sofortige Freilassung der Tiere gesprochen. "Zum einen musste die Beweisaufnahme für ein anschließendes Strafverfahren vollständig abgeschlossen werden", erklärt Karger.

Ein weiterer wichtiger Punkt sei der Gesundheitszustand der Vögel gewesen. "Der stellte sich als sehr schlecht dar", sagt Karger. Das sei mittlerweile auch durch Untersuchungen eindeutig belegt. Dass die Vögel so gut an das Füttern durch den Menschen gewöhnt sind, lasse zudem vermuten, dass es sich um keine Wildtiere handelt. In Freiheit könnten sich die Vögel also schwer selbst versorgen. "Zudem hätten wir für das Freilassen der Tiere die Genehmigung der höheren Naturschutzbehörde gebraucht", erklärt Karger weiter. Die blieb bis jetzt aus.

Die Tiere befinden sich derzeit noch immer in der Obhut des Nürnberger Tiergartens. Der Tatsache, dass es für die Freilassung mittlerweile zu spät ist, stimmt Karger zu. "Der Zug der Vögel ist schon zu weit fortgeschritten, und der gesundheitliche Zustand der Tiere lässt es nicht zu." Auch habe ein Veterinär von der Freilassung zum jetzigen Zeitpunkt abgeraten. Julian Karger versichert: "In Verbindung mit dem schlechten Gesundheitszustand der Tiere würde die Freilassung jetzt den sicheren Tod der meisten Vögel bedeuten." Rosemarie Noeske stimmt zu. "Jetzt ist es in jedem Fall zu spät, die Tiere in die Freiheit zu entlassen." Vor einigen Wochen wäre das möglich gewesen. Die Vogelschützerin fragt sich: "Wer hat das Geschehen abgebremst?"

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Nadine Schobert
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Veröffentlicht am:
28. 10. 2018
20:06 Uhr

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Nadine Schobert

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28. 10. 2018
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