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Verkehrsverbund für alle in Sicht

Auch Stadt und Landkreis Hof erhalten Geld aus München für den Beitritt zur VGN. Die wichtigsten Fragen und Antworten auf einen Blick.



Am Nürnberger Hauptbahnhof starten stündlich Express-Züge nach Hof. Nach einem VGN-Beitritt werden Tagesausflüge zu den touristischen Zielen in Hochfranken günstiger und lukrativer. Foto: Werner Rost
Am Nürnberger Hauptbahnhof starten stündlich Express-Züge nach Hof. Nach einem VGN-Beitritt werden Tagesausflüge zu den touristischen Zielen in Hochfranken günstiger und lukrativer. Foto: Werner Rost  

Hof/Nürnberg - Mit Freude und Erleichterung haben die Oberbürgermeister und Landräte der oberfränkischen Städte und Kreise Hof, Kulmbach, Kronach, Coburg und Wunsiedel die Zusage des Freistaats für Finanzhilfen zum angestrebten Beitritt zum Verkehrsverbund Großraum Nürnberg (VGN) aufgenommen. Wie berichtet, sicherte Staatsminister Dr. Hans Reichhart in einem Gespräch mit den kommunalen Spitzenpolitikern Fördermittel zu. Die Frankenpost klärt die wichtigsten Fragen rund um das ÖPNV-Projekt.

 

?Seit wann laufen die Bemühungen der Städte und Landkreise für einen VGN-Beitritt?

Am 16. Mai 2018 verfassten die beitrittswilligen Städte und Landkreise die sogenannte Nordostoberfranken-Erklärung. In einem Schreiben an Ministerpräsident Markus Söder erinnerten die Spitzenpolitiker an dessen Regierungserklärung vom 18. April 2018, in der Söder einheitliche ÖPNV-Tarife und Strukturen in ganz Bayern versprochen hatte. Die Kommunalpolitiker wiesen auf die hohen Kosten für die Städte und Landkreise für einen VGN-Beitritt hin, der nur per Förderprogramm möglich sei.

 

?Warum entstehen für die kreisfreien Städte und Landkreise überhaupt Kosten durch einen VGN-Beitritt?

Neben den einmaligen Kosten für die Beschaffung neuer Fahrkartenautomaten entstehen bei einem VGN-Beitritt aus zwei Gründen Mindereinnahmen: Der VGN-Tarif ist für die Fahrgäste günstiger als der normale Tarif in den Zügen und Bussen. Aus der Differenz zwischen den aktuellen und künftigen Fahrpreisen ergeben sich die sogenannten Harmonisierungsverluste. Auch entstehen weitere Mindereinnahmen bei den Verkehrsbetrieben, weil man mit einem VGN-Ticket zwischen Bussen und Zügen umsteigen kann. In der Nordostoberfranken-Erklärung sind die Kosten pro Stadt und Landkreis auf ein bis zwei Millionen Euro beziffert.

 

?Warum kommt die Zusage von Staatsminister Reichhart in dieser Woche gerade im richtigen Moment vor Ablauf einer wichtigen Frist?

Der Freistaat gibt über die landeseigene Bayerische Eisenbahngesellschaft (BEG) demnächst die EU-weite Ausschreibung für den Regionalzugverkehr in Nordostbayern heraus, weil die Verkehrsverträge Ende 2023 auslaufen. Dies betrifft das Dieselnetz Oberfranken, das derzeit Agilis betreibt, und den Express-Verkehr Nordostbayern von DB Regio. Reichhart hat im Gespräch mit den Oberbürgermeistern und Landräten zugesagt, dass die BEG die Ausschreibungen so gestalten wird, dass die Bahngesellschaften einen VGN-Beitritt berücksichtigen und den VGN-Tarif gegebenenfalls akzeptieren müssen. Die BEG hat bereits 2018 die übliche Ankündigung für diese Ausschreibungen im EU-Amtsblatt veröffentlicht. Die eigentliche Ausschreibung für das Dieselnetz soll im Mai folgen.

 

?Wann genau könnten die oberfränkischen Städte und Landkreise dem VGN beitreten?

Das ist Verhandlungssache. Diese Verhandlungen zogen sich im Falle der Stadt und des Landkreises Bamberg über mehrere Jahre hin. Am wahrscheinlichsten gilt ein Beitritt zum Fahrplanwechsel im Dezember 2023, weil zu diesem Zeitpunkt die neuen Verkehrsverträge für die beiden Dieselnetze in Kraft treten werden. Auch für die derzeitigen Alex-Züge der Linie Hof-München und für die elektrischen Triebwagen des Franken-Thüringen-Expresses werden zu diesem Zeitpunkt neue Verkehrsaufträge vergeben sein.

 

?Wird es dann wirklich in ganz Oberfranken einen einheitlichen Verbundtarif geben?

Ja. Im Gegensatz zum Zeitpunkt der Nordostoberfranken-Erklärung vor zehn Monaten sind nun auch die Stadt und der Landkreis Coburg an einem VGN-Beitritt interessiert. Somit gäbe es in Oberfranken kein verbundfreies Gebiet mehr. Davon würden vor allem die Tourismusregionen Frankenwald und Fichtelgebirge profitieren. Die Erfahrung nach dem Beitritt der Stadt und des Landkreises Bayreuth zeigt, dass die Erweiterung des VGN-Gebietes zusätzliche Tagesgäste aus dem Ballungsraum Nürnberg anlockt.

 

?Kann man nach dem VGN-Beitritt auch wirklich alle öffentlichen Verkehrsmittel mit einem einzigen Ticket nutzen?

Nein. Die VGN-Tickets gelten nicht im ICE zwischen Nürnberg, Bamberg und Coburg und nicht in den IC-Zügen nach Kronach, denn das ist der eigenwirtschaftliche Fernverkehr der Deutschen Bahn. Das gleiche gilt auch, wenn eines Tages nach der Elektrifizierung zwischen Hof und Regensburg die versprochene IC-Linie von München via Hof und Dresden nach Berlin in Betrieb gehen wird. Der VGN ist ein Verbund für den öffentlichen Personennahverkehr. Dazu zählen alle Regionalzüge und Busse sowie die Straßenbahnen und U-Bahnen im Raum Nürnberg.

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Werner Rost
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Veröffentlicht am:
14. 03. 2019
20:46 Uhr

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14. 03. 2019
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