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"Weiche Drogen gibt es nicht"

Die Frage, ob Cannabis legalisiert werden soll, spaltet die Gesellschaft. Die Präventionsbeamtin der Kriminalpolizei Hof spricht sich für null Toleranz aus.



Interview: mit Stefanie Vollert, Drogenpräventionsbeamtin der Kriminalpolizei Hof
Interview: mit Stefanie Vollert, Drogenpräventionsbeamtin der Kriminalpolizei Hof   » zu den Bildern

Hof - Der Chef des Bundes Deutscher Kriminalbeamter (BDK), André Schulz, hat sich für eine Legalisierung von Cannabis ausgesprochen und damit eine heiße Diskussion entfacht. Er argumentiert, dass das Verbot historisch willkürlich erfolgt sei und durch eine Legalisierung Konsumenten entkriminalisiert würden. Stefanie Vollert, Drogenpräventionsbeamtin der Kriminalpolizei Hof, sieht das anders.

Frau Vollert, wie bewerten Sie den Auftritt von Herrn Schulz?

Was ihn zu diesem Schritt bewogen hat, weiß ich natürlich nicht. Aber im Endeffekt fällt es unter die freie Meinungsäußerung. Ich sehe das Thema eher so, wie es in Bayern gehandhabt wird: nämlich absolut keine Toleranz. Wir bringen jeglichen Besitz jeder Kleinstmenge zur Anzeige und geben ihn an die Staatsanwaltschaft weiter. Wie das Gericht dann weiter entscheidet, liegt nicht bei uns.

Was ist Ihre Prognose: Wird Cannabis bald legalisiert oder nicht?

Das kann man schwer sagen. Diese Diskussion gibt es ja schon seit Jahren. Ob und wann es zumindest eine Lockerung des Verbotes gibt, steht in den Sternen. Momentan verbietet das Betäubungsmittelgesetz ja alles, vom Kauf bis hin zum Besitz. Freimengen gibt es nicht.

Aber der Konsum ist rein theoretisch nicht verboten?

Ja, das stimmt. Aber das hat der Gesetzgeber extra so ausgelegt. Denn der Konsum von Cannabis schließt den Besitz genau genommen mit ein.

André Schulz argumentiert ja damit, dass das Verbot "historisch willkürlich erfolgt" sei. Warum ist Cannabis verboten?

Ich kann mir das nur so erklären: Cannabis ist deswegen verboten, weil es sehr starke Gesundheitsschäden hervorrufen kann. Außerdem gilt es als Einstiegsdroge, die sehr schnell wirkt und abhängig macht. Was auch noch ganz wichtig ist: Der THC-Wert, also der Wirkstoffgehalt, hat sich enorm verändert. Das heutige Cannabis kann man mit dem von früher kaum noch vergleichen. Hatte eine Pflanze früher, ich meine damit vor allem die 60er und 70er, einen Wirkstoffgehalt von einem bis fünf Prozent, liegt er inzwischen deutlich höher, nämlich bei zum Teil 20 Prozent. Das liegt zum einen daran, dass die Pflanzen besser gehegt und gepflegt werden. Wenn ich weiß, welchen Sauerstoffgehalt meine Pflanze benötigt und in welchen Mengen ich sie gießen muss, fühlt sie sich wohler und ihr THC-Gehalt steigt. Aber das passiert natürlich auch durch Züchtungen. Durch gezielte Kreuzungen bestimmter Sorten ist auch ein erhöhter THC-Gehalt möglich.

Nikotin und Alkohol gelten als legale Drogen. Sind sie durch ihre gesellschaftliche Anerkennung nicht viel gefährlicher?

Alkohol und Nikotin sind schwierige Themen. Sie sind legal, aber kann deswegen jeder mit ihnen verantwortungsbewusst umgehen? Eher nicht. Und das ist auch eine Frage, die wir uns stellen müssen, wenn wir Cannabis legalisieren: Können die Menschen damit umgehen, nur weil es legal ist? Der Cannabiskonsum würde deutlich steigen. Das bedeutet mehr abhängige Menschen und damit auch höhere Krankheitskosten. Wenn Cannabis legalisiert werden würde, würde das suggerieren, dass es harmlos ist. Und das ist es definitiv nicht. "Weiche" Drogen gibt es nämlich nicht.

Ein weiteres Argument, das Herr Schulz anbringt, ist die Entkriminalisierung. Können Sie das so unterschreiben?

Cannabis ist ein Problem, aber nicht das Hauptproblem. Es ist zunächst eine Einstiegsdroge. Und dann stellt sich noch die Frage, ob es irgendwann komplett freigegeben werden würde. Und wenn es dann legal wäre: In welcher Form? Und vor allem: Woher kommt es? Für legale Zigaretten gab es auch lange einen Schwarzmarkt. Deswegen muss man sich die Frage stellen, ob Cannabiskonsumenten so wirklich entkriminalisiert werden würden.

Welches Image hat Ihrer Erfahrung nach Cannabis in der Gesellschaft?

Weil die Diskussion immer häufiger stattfindet, ist es natürlich ein prominentes Thema. Wenn ich in Schulen Vorträge halte, sind auch meistens zwei bis drei Jugendliche dabei, die für eine Legalisierung argumentieren. Aber ich sehe nach wie vor, dass der Großteil der Klasse dagegen ist und auf die Gefahren hinweist. Aber die Schüler kommen dann meistens selbst miteinander ins Gespräch. Bei Erwachsenen ist die Frage nach der Legalisierung so gut wie kein Thema.

Die Fragen stellte Laura Schmidt

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Veröffentlicht am:
09. 02. 2018
17:54 Uhr

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09. 02. 2018
17:54 Uhr



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