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Hof

Zwischen Tafel und Tablet

Am Schiller-Gymnasium in Hof können Schüler vom nächsten Schuljahr an in einer iPad-Klasse lernen. Frankenpost und Lamilux unterstützen das Projekt.



Sporadisch kommen Tablets am Schiller-Gymnasium schon länger zum Einsatz - wie hier in der Klasse 10 a. Von nächstem Schuljahr an wird es in der fünften Jahrgangsstufe eine feste Tablet-Klasse geben. Schulleiter Rainer Schmidt (links) sowie die Lehrer Bastian Schatz (Mitte) und Stefan Bäumler sind davon überzeugt, dass das den Kindern viel bringen wird. Foto: aks
Sporadisch kommen Tablets am Schiller-Gymnasium schon länger zum Einsatz - wie hier in der Klasse 10 a. Von nächstem Schuljahr an wird es in der fünften Jahrgangsstufe eine feste Tablet-Klasse geben. Schulleiter Rainer Schmidt (links) sowie die Lehrer Bastian Schatz (Mitte) und Stefan Bäumler sind davon überzeugt, dass das den Kindern viel bringen wird. Foto: aks   » zu den Bildern

Hof - Schule und Tablet - was in vielen Ländern schon zusammengehört, ist in den meisten deutschen Bundesländern, auch in Bayern, oft noch ein Gegensatz. Wenn junge Leute hier digital fit sind, dann meist trotz statt wegen der Schule. Das soll sich nun ändern: Die Schulen im Freistaat sollen digitaler werden. Auf Wunsch des Kultusministeriums erarbeiten sie bis 2019 Medienkonzepte. Einige Schulen - auch in der Region - haben das Thema bereits gut im Blick. Sie könnten Vorbild für die anderen sein. So zum Beispiel das Schiller-Gymnasium in Hof.

Fortbildungsveranstaltung für Lehrer

Den maßgeblichen Impuls für die Schaffung einer Tablet-Klasse am Schiller-Gymnasium hat Stefan Bäumler der Lehrermedientag im vergangenen Jahr in der Frankenpost gegeben. Damals war als Referent Andreas Hofmann zu Gast. Der Lehrer aus dem Landkreis Oldenburg war einer der ersten in Deutschland, der Tablet-Computer im Unterricht einsetzte. In Hof erzählte er davon und inspirierte seinen Hofer Kollegen. Auch in diesem Jahr wird es am Buß- und Bettag, 21. November, wieder einen bayernweiten Lehrermedientag geben. Die Fortbildung für Lehrer aller Schularten ist von den Behörden als Fortbildung anerkannt und vereint Vorträge, Diskussionen und den Erfahrungsaustausch zwischen Pädagogen und Medien. 16 Zeitungsverlage beteiligen sich wie im Vorjahr daran und richten parallel eine Veranstaltung aus. In Hof wird unter anderem Stefan Bäumler von den ersten Erfahrungen der Tablet-Klasse am "Schiller" berichten. Anmeldungen sind bald über den Webauftritt "Fortbildung in bayerischen Schulen" (FIBS) möglich.

Digitale Klassenzimmer in der Region

Tablet-Klassen sind noch selten in Bayern. Laut Angaben des Kultusministeriums gab es im vergangenen Schuljahr rund 230 im Freistaat, in Oberfranken gut zehn davon. Gemessen an der Gesamtzahl von Schulen, entspricht das für Bayern gerade einmal einem Wert von knapp vier Prozent. Besser bestellt ist es um Tablet-Klassensätze, die nicht Schülern einer bestimmten Klasse gehören, sondern jedem an der Schule zur Verfügung stehen. Davon gibt es in Bayern rund 620, wovon rund 70 Sätze auf Oberfranken entfallen. Auch das Schiller-Gymnasium, die Grund- und Mittelschule Oberkotzau oder die Grundschulen Naila und Bad Steben arbeiten bereits mit Tablet-Klassensätzen. An der Grundschule in Krötenbruck gibt es eine Laptop-Klasse.

Das Projekt "Coding Kids", das an derzeit an 14 Schulen im Landkreis Hof umgesetzt wird, führt Kinder in kleinen Schritten sogar an das Programmieren von Spielen heran. Das Projekt des Arbeitskreises "Schulewirtschaft Hof", dem Dr. Dorothee Strunz vorsitzt, startete 2016.

Mit der Frankenpost und der Rehauer Firma Lamilux, die vom nächsten Schuljahr an ein neuer Partner des medienpädagogischen Klasse! -Projekts der Frankenpost ist, geht das Schiller-Gymnasium neue Wege: Ab September wird es dort eine Tablet-Klasse geben.

Das Pilot-Projekt startet in der fünften Jahrgangsstufe. Neben Büchern, Heften und Arbeitsblättern werden die Kinder mit iPads arbeiten, deren Anschaffung Frankenpost und Lamilux bezuschussen. "Jeder Schüler dieser Klasse bekommt sein eigenes Tablet vom selben Modell", erklärt Schulleiter Rainer Schmidt. Die Geräte gehören den Eltern, die deshalb auch mit verantwortlich für die Nutzung sein werden - also dafür, dass ihre Kinder die Tablets zu Hause auch wirklich für die Schule verwenden und nicht dauernd darauf spielen. Weiterhin müssen die Erziehungsberechtigten darauf achten, dass ihr Kind sein iPad stets mit voll geladenem Akku in den Unterricht bringt. Das sei wichtig, erklärt Schmidt, schließlich könne es ebenso jederzeit zum Einsatz kommen wie etwa ein Buch.

Die smarten Geräte sollen die Kinder im Unterricht auf eine digitale Berufswelt vorbereiten. "Digitale Kompetenz ist - neben Lesen, Schreiben und Rechnen - die wichtigste Kulturtechnik des 21. Jahrhunderts", erklärt Dr. Dorothee Strunz, Geschäftsführerin der Firma Lamilux. Auch die Medienkompetenz der Kinder soll mit den Tablets gestärkt werden, sagt Stefan Bäumler, Mathelehrer am Schiller-Gymnasium, der die iPad-Klasse mit initiiert hat und sie auch künftig unterrichten wird. Denn in Zeiten von Fake News, Social Bots und anderen Phänomenen der digitalen Nachrichtenwelt werde ein reflektierter Umgang mit Informationen immer wichtiger. Das betont auch Birgit Döhne, Marketingchefin der Frankenpost : "Aus diesem Grund stellt unsere Zeitung jedem Schüler der neuen Tablet-Klasse zusätzlich die digitale Ausgabe der Frankenpost zur Verfügung, damit die Schüler im Unterricht mit der Zeitung arbeiten können."

Auch für den klassischen Unterricht eröffnen sich den Lehrern mit den iPads ganz neue Möglichkeiten, erklärt Stefan Bäumler. Mit Apps können die Kinder beispielsweise im Nu einen Kreis mit Tangenten zeichnen, den Verlauf eines Graphen ändern, sich in einem 3D-Video einen Vulkan von allen Seiten anschauen oder selbst kurze Erklärvideos drehen. "Nachdem der Schulstoff abgeschlossen ist, ist das eine tolle Möglichkeit, um ihn zu vertiefen", erklärt Bäumler. Denn einige Studien weisen nach, dass der Einsatz von digitalen Medien Schüler motivierter arbeiten lässt. Freilich bedeute das nicht, dass sie automatisch bessere Leistungen bringen, wobei die TU München in einer Auswertung sogar zu diesem Ergebnis kommt.

Voraussetzung dafür ist natürlich, dass die Lehrer die Geräte sinnvoll einsetzen. "Es ist nicht ausreichend, Computer und andere digitale Endgeräte in die Schulen zu stellen. Wichtig ist, den Kindern und Jugendlichen tiefergehendes IT-Know-how zu vermitteln, damit sie den richtigen Umgang mit diesen Medien lernen und die digitale Welt selbst gestalten lernen können", sagt Dorothee Strunz. Für die richtige Umsetzung haben sich Stefan Bäumler und andere Mitglieder des Schiller-Kollegiums bei Fortbildungen fit gemacht. "Die Kinder eine Mathe-Aufgabe einfach ins Tablet tippen zu lassen, damit es schöner aussieht, ist nicht Sinn der Sache, sondern mühsam und zeitaufwendig", erklärt Bäumler. Besser dagegen sei das Konzept des "Flipped Classroom". Dabei zeichnet der Lehrer den theoretischen Teil des Unterrichts per Video auf, die Schüler schauen sich den Clip zu Hause an und in der Schule wird dann nur noch geübt.

Obwohl sich mit den iPads viel Innovatives umsetzen lässt, soll das Gerät die herkömmlichen Unterrichtspraktiken nicht auf den Kopf stellen, betont Rainer Schmidt: "Die Schüler der Tablet-Klasse werden nach demselben Lehrplan wie die anderen fünften Klassen unterrichtet. Sie benutzen die gleichen Bücher und genauso Hefte. Das ist uns wichtig." Schließlich sollen die Kinder auch ihre Handschrift weiterentwickeln. Das iPad diene als zusätzliches Lern- und Lehrmittel. "Es wird nicht in jeder Stunde zwingend zum Einsatz kommen. Nur dann, wenn es wirklich einen Mehrwert bietet." Wann das der Fall ist, wollen die Lehrer dann auch dokumentieren.

Mit der iPad-Klasse will das Gymnasium die Nutzung von digitalen Geräten bei Schülern weder befeuern noch sie eindämmen. "Die Kinder wachsen eh mit diesen Geräten auf. Zum Teil aber nicht sinnvoll. Deshalb wollen wir den Umgang begleiten", erklärt Stefan Bäumler. Das soll auch in Tutorien geschehen, in denen ältere Schüler mit den Fünftklässlern über Themen wie Datensicherheit, Umgang mit Social Media oder Cybermobbing sprechen.

Bei der Umsetzung von Tablet-Klassen ist oft die Finanzierung ein Problem. Zwar hat die Staatsregierung für die digitale Bildung ein Förderprogramm aufgelegt, momentan steht den Kommunen das Geld aber noch nicht zur Verfügung, um die Schulen digital auf Vordermann zu bringen. Deshalb seien Unterstützer - wie in diesem Fall Frankenpost und Lamilux - wichtig, erklärt Rainer Schmidt. Schließlich könne man so eine Klasse nicht nur aus Kindern zusammensetzen, deren Eltern die Tablets finanzieren. "Es gibt auch Eltern, die sich das nicht leisten können. Ich möchte keinem Kind den Zugang aus finanziellen Gründen verwehren."

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Für interessierte Eltern findet am Dienstag ab 19 Uhr ein Info-Abend in der Aula des Schiller-Gymnasiums statt.

Autor
Ann-Kristin Schmittgall

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Veröffentlicht am:
19. 04. 2018
20:48 Uhr

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Ann-Kristin Schmittgall

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19. 04. 2018
20:48 Uhr



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