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Kulmbach

920 Menschen im Landkreis bekommen mehr Geld

Eine regionale Analyse ergibt, dass viele Menschen in der Region Kulmbach von der Erhöhung des Mindestlohns profitieren. Damit steigt auch die Kaufkraft im Landkreis.



Keiner darf weniger als 9,19 Euro pro Stunde verdienen. Das ist jetzt der gesetzliche Mindestlohn. Beschäftigte haben damit mehr Geld in der Tasche und können sich mehr leisten.Trotzdem ist noch Luft nach oben, meint die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG). Foto: NGG
Keiner darf weniger als 9,19 Euro pro Stunde verdienen. Das ist jetzt der gesetzliche Mindestlohn. Beschäftigte haben damit mehr Geld in der Tasche und können sich mehr leisten.Trotzdem ist noch Luft nach oben, meint die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG). Foto: NGG  

Kulmbach - Der Mindestlohn steigt ab Januar um 35 Cent auf 9,19 Euro pro Stunde und mit ihm der Verdienst von 920 Menschen im Landkreis Kulmbach - so viele Beschäftigte arbeiten hier derzeit zum gesetzlichen Lohn-Minimum. Auch die Wirtschaft im Kreis profitiert: Die Kaufkraft wächst durch das Mindestlohn-Plus in diesem Jahr um rund 228 000 Euro. Das teilt die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) in einer Pressemeldung mit.

Höhere Kaufkraft

Nach Berechnungen des Pestel-Instituts hätte ein höherer Mindestlohn starke Auswirkungen auf die regionale Wirtschaft: Würde der gesetzliche Mindestlohn um einen weiteren Euro steigen, wäre im Landkreis Kulmbach ein Anstieg der Kaufkraft um 1,9 Millionen Euro im Jahr verbunden.


Die NGG beruft sich dabei auf eine aktuelle Analyse des Pestel-Instituts aus Hannover, das die Auswirkungen der Mindestlohn-Entwicklung regional untersucht hat. "Mal ins Kino oder Essen gehen. Und auch mal etwas Neues für den Haushalt anschaffen - fast jeder Euro, den Mindestlohn-Beschäftigte am Monatsende extra haben, fließt in den Konsum. Und einen Großteil davon geben sie vor Ort aus", sagt Michael Grundl von der NGG-Region Oberfranken. Denn wer zum niedrigsten Lohn arbeite, könne nichts auf die hohe Kante legen.

Für den Gewerkschafter ist der gesetzliche Mindestlohn aber auch nach der aktuellen Erhöhung zu niedrig: "Selbst für eine Vollzeitkraft ist es extrem schwer, mit dem Mindestlohn klarzukommen. Gerade dann, wenn auch noch Kinder im Haushalt leben. Und bei steigenden Mieten sowieso", sagt Grundl.

Die NGG fordert deshalb ein deutlich stärkeres Mindestlohn-Plus. Erst in einer Größenordnung von mehr als zwölf Euro pro Stunde werde die Lohnuntergrenze "langsam armutsfest". NGG-Geschäftsführer Grundl sieht die Arbeitgeber in der Pflicht: "In Branchen wie dem Gastgewerbe und dem Bäckerhandwerk gehen trotz guter Wirtschaftslage selbst Fachkräfte oft nur mit dem gesetzlichen Minimum nach Hause." Messlatte sei aber nicht der Mindestlohn, sondern der Tariflohn. Grundl prangert die zunehmende Tarifflucht als Hauptgrund dafür an, "dass seit Jahren viel zu viele Menschen im Niedriglohnsektor gefangen sind" und fordert die Unternehmen auf, sich zu Tarifverträgen zu bekennen: "In den Tarifverträgen sind meist deutlich höhere Löhne, auch in den unteren Lohngruppen, vereinbart. Und wer nach Tarif zahlt, der hat auch zufriedenere Mitarbeiter, die sich im Job engagieren." Grundl betont, dass von der Einführung des gesetzlichen Mindestlohns seit 2015 rund vier Millionen Menschen profitiert haben. Allerdings werde dieser gesetzliche Anspruch viel zu wenig kontrolliert, weil die Finanzkontrolle Schwarzarbeit nach wie vor nicht ausreichend personell ausgestattet sei. "Es gibt viel zu viele Schlupflöcher: Arbeitszeiten werden nicht korrekt erfasst oder Überstunden nicht bezahlt, um den Mindestlohn massenhaft zu umgehen. Das ist ein Skandal", kritisiert der Gewerkschafter und fordert die Beschäftigten auf, ihre Januar-Lohnabrechnung genau zu kontrollieren.

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Veröffentlicht am:
09. 01. 2019
18:12 Uhr

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