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Kulmbach

AWO startet Petition für mehr Sicherheit im Alter

Immer mehr Senioren brauchen Sozialhilfe, um einen Platz in einem Pflegeheim bezahlen zu können. Das ist unwürdig, sagt die AWO und ergreift jetzt die Initiative.



Kulmbach - "Absichern, nicht verunsichern!" steht als Überschrift über einer bundesweiten Petition, die die Arbeiterwohlfahrt heute startet. "Steigende Kosten in der Pflege führen zu einem kaum selbst zu finanzierenden Anstieg des Eigenanteils der Versicherten im Pflegeheim. Das ist nicht hinnehmbar", finden die Macher des Wohlfahrtsverbandes. Margit Vogel, die Hauptgeschäftsführerin des AWO-Kreisverbandes Kulmbach steht voll und ganz hinter dieser Forderung: "Wir stellen fest, dass der Eigenanteil für die Bewohner in unseren Heimen immer höher und höher wird. Letztendlich muss man sich inzwischen fragen, ob eine Rente jemals ausreichen kann, um sich einen Heimplatz finanzieren zu können."

So kann man mitmachen

Die Petition, die Arbeiterwohlfahrt jetzt startet, kann man auf unterschiedliche Weise unterzeichnen:

Ab sofort liegen Unterschriftslisten in allen Einrichtungen des AWO-Kreisverbandes im gesamten Landkreis aus.

Wer selbst Unterschriften sammeln möchte, kann sich im Internet unter www.awo.org Vordrucke herunterladen und ausdrucken.

Unter dieser Adresse gibt es auch weitere Informationen und den Link zu der Online-Petition, die man auch via Internet zeichnen kann.


50 000 Unterschriften deutschlandweit sind mindestens nötig, um die Petition beim Bundestag einzureichen. Viel mehr wären eindrucksvoller, sagt Margit Vogel und wirbt dafür, sich an diesem von der AWO initiierten Projekt zu beteiligen. Einen Grund mitzumachen sollte nach Überzeugung der Kulmbacher AWO Hauptgeschäftsführerin jeder haben: Früher oder später kommt fast jeder Mensch an den Punkt, wo er Pflege braucht.

Die Arbeiterwohlfahrt hat sich eingehend mit dem Thema befasst. "Wir haben ein Stück tiefer geblickt, um die Ursachen für die immer größeren Belastung der Menschen, die Pflege brauchen, zu durchleuchten", erklärt Margit Vogel. Der Satz, den die Bewohner von der Pflegekasse erhalten, sei seit vielen Jahren nahezu starr. Das Delta komme unmittelbar beim Bewohner an. Das müsse anders werden, wenn nicht immer mehr alte Menschen in die Armut rutschen und auf Sozialhilfe angewiesen sein wollen.

Mit der Petition wolle die AWO den Anstoß geben, etwas zu ändern. Ein Umdenken über die Berechnung des Systems sei nötig, sagt Margit Vogel. "Der Eigenanteil muss angepasst werden. Es gab Preissteigerungen,diverse Tariferhöhungen. All das spiegelt sich in diesem Pauschalbetrag, der über die Pflegekasse zur Verfügung gestellt wird, nicht wider."

Die AWO hat ihre Forderungen in der Petition genau definiert:

Für die Versicherten der Pflegeversicherung soll ein gesetzlich definierter Höchstbetrag für die Eigenanteile eingeführt werden. Das finanzielle Risiko der Menschen bei Pflegebedürftigkeit müsse über die Dauer der Pflege verlässlich abgesichert sein.

Steigende Kosten in der Pflege sollen künftig aus Mitteln der Pflegeversicherung getragen werden!

Der Eigenanteil, den Pflegebedürftige zahlen müssen, soll in der Höhe begrenzt werden. Zudem müsse der Eigenanteil über die gesamte Dauer der stationären Pflege verlässlich planbar sein.

Die Begründung:

Steigende Kosten in der Pflege führen laut AWO zu einem stetigen Anstieg des Eigenanteils der Versicherten im Pflegeheim. Im Bundesdurchschnitt lagen die Kosten, die ein Versicherte selbst übernehmen musste, bei monatlich durchschnittlich rund 1750 Euro.

Zum Vergleich führen die Petenten an: Zum Ende des Jahres 2017 lag das durchschnittliche Netto-Renteneinkommen in den alten Bundesländern bei monatlich 1231 Euro und in den neuen Bundesländern bei monatlich 1169 Euro. Die Folge sei , dass die Eigenanteile von einem durchschnittlichen Rentenbezieher aus eigenem Einkommen nicht mehr aufgebracht werden können.

Das führe in vielen Fällen dazu, dass Senioren Hilfe zur Pflege im Rahmen der Sozialhilfe in Anspruch nehmen müssen. Das sei, betont die Arbeiterwohlfahrt, gegenüber den Pflegebedürftigen unwürdig und führe auch bei deren Angehörigen zu extremen Unsicherheiten. Darüber hinaus werden, so das Argument der Arbeiterwohlfahrt, durch die Übernahme der Kosten aus der Sozialhilfe die kommunalen Haushalte weiter belastet. "Alles drei kann politisch nicht gewollt sein", stellt die AWO fest.

Das Problem sei, dass die 1995 eingeführte Pflegeversicherung die Leistungsbeträge der Pflegekassen gesetzlich festgeschrieben hat. Diese seien also gedeckelt. Etwaige Kostensteigerung tragen somit pflegebedürftige Menschen allein. "Das bringt sie nicht mehr nur an den Rand ihrer finanziellen Existenz, sondern konfrontiert sie auch mit enormen Unsicherheiten, was mögliche Kosten in der Zukunft betrifft. Dieses löst erhebliche Ängste und Sorgen aus" heißt es in einer Erklärung der AWO zum Thema.

Notwendig sei eine bundeseinheitliche Definition der Kosten, die in der Pflege entstehen. Diese sei den Pflegekassen gesetzlich zuzuweisen und dürfe kein unkalkulierbares finanzielles Risiko für Menschen mit Pflegebedarf darstellen. Das Fazit der AWO: "Das heißt, alle pflegebedingten Kosten sind aus Mitteln der Pflegeversicherung zu tragen. Eine Pflegeversicherung muss die Menschen absichern und ihnen sowie ihren Angehörigen Sicherheit geben."

Ziel der jetzt angestoßenen Petition sei es, für die versicherten Leistungsbezieher der Pflegeversicherung eine Verbesserung und mehr Sicherheit zu erzielen.

Für AWO-Chefin Margit Vogel ist klar: "Nachdem es jeden im Leben betreffen kann, ist das ein wichtiges Thema, das uns begleitet. Damit ist Jung wie Alt gefordert, mitzumachen, um dieses Thema in Zukunft sauber einzustellen und finanzierbar zu machen." Im Alter treten laut Vogel Einschränkungen ein. Dann brauche man Unterstützung und die Sicherheit, sich Pflege auch leisten zu können. "Unterstützen Sie unsere Forderung. Helfen Sie, die 50 000 nötigen Unterschriften einzusammeln", ruft Vogel auf.

Autor

Melitta Burger
Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
12. 02. 2019
17:34 Uhr

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12. 02. 2019
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