Lade Login-Box.
Topthemen: 30 Jahre GrenzöffnungBilder vom WochenendeHofer Filmtage 2019VER Selb

Kulmbach

Als das Fotografieren noch lukrativ war

Der Name Krezdorn ist vermutlich gerade jüngeren Stadtsteinachern kein Begriff mehr. Und dennoch dürfte er noch in vielen Haushalten der Stadt präsent sein.



Der gesellige Eugen Krezdorn war in vielen Vereinen in Stadtsteinach aktiv. Stolz präsentiert sich der Fotograf mit seiner Frau und seinen beiden Kindern als Schützenkönig im Jahre 1958.	Fotos: Archiv Siegfried Sesselmann
Der gesellige Eugen Krezdorn war in vielen Vereinen in Stadtsteinach aktiv. Stolz präsentiert sich der Fotograf mit seiner Frau und seinen beiden Kindern als Schützenkönig im Jahre 1958. Fotos: Archiv Siegfried Sesselmann   » zu den Bildern

Stadtsteinach - Im Zeitalter der Digitalisierung, Selfies und Fotobücher via Internet haben es Fotografen immer schwerer, im Wettbewerb zu bestehen. Ganz anders war es 1951, als Eugen Krezdorn in Riedenburg, Landkreis Kelheim, über eine Anzeige in einer Fotozeitung erfuhr, dass in Stadtsteinach ein Fotograf namens Kube einen Nachfolger für sein Fotogeschäft in der Forstamtstraße Nummer 3 suchte. Franz Kube, der 1903 in Weckersdorf, Tschechien, geboren wurde, eröffnete nach seiner Vertreibung sofort ein Fotogeschäft in Stadtsteinach, zog aber 1951 weg. Über 25 Jahre sollte danach die Familie Krezdorn in ihrem Geschäft in Stadtsteinach tätig sein, Eugen Krezdorn zusätzlich in seiner Freizeit in vielen Vereinen und seine Frau Mathilde, genannt Flora, als Fotografin.

Aus einer Lehrerfamilie: Eugen Krezdorn wurde als zweiter Sohn des Schulrektors Max Krezdorn am 5. August 1900 in Bollschweil bei Freudenstadt im Schwarzwald geboren, seine Mutter Lenchen war ebenfalls Lehrerin. Schon mit 17 Jahren war Eugen Krezdorn Soldat im Ersten Weltkrieg in Frankreich. Der Zweite Weltkrieg verschlug Eugen Krezdorn über Polen und die Ukraine bis nach Stalingrad. Er war nie in der NSDAP. Der gesellige Veteran erzählte später in gemütlichen Runden seine Erlebnisse aus dieser schlimmen Zeit.

Im Jahre 1944 kam er, der Hölle von Stalingrad entronnen, mit polnischen Gefangenen als Feldwebel nach Riedenburg im Altmühltal, wo er seine Frau Mathilde Kettner kennenlernte und 1949 heiratete. Mathilde Krezdorn, oder Flora, wie sie liebevoll genannt wurde, geboren 1921, kam aus einer alten Drucker- und Fotografenfamilie. Als Älteste von sechs Geschwistern bestand sie an der Fotoschule in München ihre Prüfung als "Photomeisterin" mit Auszeichnung.

Doch die ersten Schritte in die Selbstständigkeit wollten nicht gelingen. 1949 wollte sie zunächst das Fotogeschäft einer Tante in Kelheim übernehmen, doch leider bekam der Sohn dieser Tante das Geschäft. Das eigene Fotogeschäft zu Hause erhielt ihr Bruder Andreas mitsamt Druckerei und Schreibwarenladen.

Umzug nach Stadtsteinach: Das Schicksal wollte es, dass zu dieser Zeit die Anzeige in einer Fotozeitung zu lesen war, und der Umzug nach Stadtsteinach war beschlossen. Vorbesitzer Kube überließ der Familie seine Fotoausrüstung. Weitere Utensilien brachte Mathilde Krezdorn vom elterlichen Geschäft mit. Das Fotogeschäft der Familie Krezdorn war nun in dem Haus des Regierungsinspektors Hans Alfred Weinmeyer in der Forstamtstraße 3. Als Wohnung bezog man am Marktplatz 15 Zimmer in der ehemaligen Gaststätte Bauerschmidt ("Schwalbs Michel") neben der Post.

Als im Jahre 1954 Sohn Max Julius zur Welt kam, zog man in das Haus Marktplatz 10 der Familie Josef Hebentanz, zuerst ins Hinterhaus, dann ins Vorderhaus, wo die Familie Krezdorn bis 1973 lebte.

Das Fotogeschäft lief von Anfang an gut. Viele Heimatvertriebene waren die ersten Kunden und vom Bundesgrenzschutz, der seit 1951 in Stadtsteinach stationiert war, kamen viele schnittige Burschen, die Bilder für ihre Liebschaften oder für ihre Verwandten brauchten. Kam sonst der Fotograf Erwin Stenglein aus Mainroth, der alle Schulklassen in Oberfranken fotografierte, so übernahm nun Foto Krezdorn die Aufnahmen der Schulklassen in Stadtsteinach. Als nun auch Kunden aus dem Umland kamen, war der Bestand des Unternehmens gesichert.

Ein Vereinsmeier: Eugen Krezdorn liebte die Gesellschaft, liebte das Vereinsleben und die Kameradschaft. Seine große Leidenschaft war jedoch die Jagd um Schwand und um Schöndorf bei Presseck. Auch in der Schützengesellschaft Stadtsteinach fand er ein Zuhause. Er wurde 1958 und 1962 zweimal Schützenkönig. Die Liste der Vereine, in denen er Mitglied war, ist lang: Krieger- und Veteranen-Verein, Faschingsgesellschaft, VdK, TSV, Rotes Kreuz, um nur einige zu nennen. Also war es nicht verwunderlich, wenn Eugen Krezdorn mit seiner Kamera bei allen Festen dabei war und als Fotograf die Lokalfotografen Werner Döll oder Hans-Dieter Stütze entlastete. Seine weiteren Markenzeichen waren sein Auto, ein markanter DKW, und seine immer qualmende Zigarre, die einen markanten Eindruck bei den Kunden hinterließen.

Die Fotos wurden damals noch in reiner Handarbeit hergestellt. Auf Bilder mussten die Kunden oft bis zu zwei Wochen warten. Die meisten Aufnahmen schoss Mathilde Krezdorn. Ihr Mann Eugen musste die Negative entwickeln, fixieren und wässern. Anschließend verbrachte man noch Stunden, um die Negative zu retuschieren, damit Falten nicht mehr zu sehen waren. Um die beiden Kinder Max und Mathilde kümmerte sich Haushaltshilfe Dora Ittner, die heute noch in dem Haus wohnt.

Weniger Kunden: Als Eugen Krezdorn 1974 krank wurde und seine Frau ihre ganze Kraft in das Fotogeschäft steckte, mussten sie zusehen, wie immer mehr Kunden nach Kulmbach wechselten. Das Geschäft ging zunehmend schlechter. Als die Wohnung Marktplatz 10 für Räume der Volksbank umgebaut wurde, zog die Familie Krezdorn in das alte Rathaus in der Kulmbacher Straße 1 (Fahrschule Josef Zangl).

Nach dem Tod von Eugen Krezdorn im Jahre 1977 wohnte sein Sohn Max mit seiner Mutter in Kulmbach. Von 1982 bis zu ihrem Tod 2012 betreute Max seine Mutter in München, wo der gelernte Setzer, Drucker und Buchbinder eine Stelle als Herstellungsleiter in einem Verlag bekam. Seine Schwester Mathilde lernte bei Foto Tichy in Kulmbach, und als Fotomeisterin zog sie über Traunstein nach München, wo sie bis vor wenigen Jahren als freie Fotografin tätig war.

Mit Sicherheit befinden sich in allen Stadtsteinacher Haushalten Fotoalben mit Bildern von Taufe, Einschulung, Kommunion, Hochzeit, Passfotos, die die Handschrift von Foto Krezdorn tragen. Und so werden die Spuren dieser Familie noch lange in Stadtsteinach erhalten bleiben.

Leider wurden beim Umbau des alten Rathauses wahrscheinlich alle Negative, Filme und Fotoplatten entsorgt, ohne die Familie in Kulmbach zu informieren. Doch durch Zufall tauchte ein Karton voller Fotoplatten mit Schulfotos aus Stadtsteinach auf. So haben die beiden Krezdorns doch noch einen kleinen Schatz hinterlassen, den es gilt, für die Zukunft zu sichern und der Öffentlichkeit wieder zugänglich zu machen.

Autor
Siegfried Sesselmann

Siegfried Sesselmann

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
20. 10. 2019
16:40 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Druckereien Familien Fototechnik und Fotoausrüstung Karnevalsvereine Krieger Kunden NSDAP Rotes Kreuz Schulrektoren Söhne Verlagshäuser Weltkriege
95346 Stadtsteinach
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Ihrer Ausbildung zum Brauer geben Konstantin Iltyakow (links) und Alexey Buchwalow (rechts) bei Florian Pittroff den Feinschliff. Foto: Rainer Unger

24.10.2019

Gründla-Bier gibt's bald auch in Sibirien

Zwei Russen bilden sich gerade bei der Familie Pittroff in Kulmbach fort. Künftig wird es im russischen Kurgan Bier nach Metzdorfer Rezept geben. » mehr

Wer ist "die Schönste" im Land? Andy Sesselmann (links) als "Andrea" und Bürgermeister Roland Wolfrum als "Rosalinde".

12.11.2019

Zwei Grazien und ein neues Prinzenpaar

Neues Prinzenpaar, Schlüsselübergabe und zackige Tänze. Die Faschingsgesellschaft Stadtsteinach ist am Montag mit Schwung in die neue Session gestartet. » mehr

Inge Schoberth arbeitet seit 60 Jahren in der Bäckerei Schoberth - jeden Tag verkauft sie die beliebten Hörnchen an ihre Stammkunden. Foto: Kristina Kobl

27.06.2019

Eine der letzten ihrer Art

Die Bäckerei Schoberth ist die älteste Handwerks- bäckerei in Kulmbach. Inge Schoberth ist seit 60 Jahren im Betrieb, doch die Zukunft ist ungewiss. » mehr

Das Stanicher Weiberballett arbeitet an der Choreographie für den neuen Schautanz. Die Kostüme sind noch streng geheim. Foto: Gabriele Fölsche

08.11.2019

Vor der Session heißt es schwitzen

Das Weiberballett aus Stadtsteinach hat sich aus einem Frauenstammtisch heraus gegründet. Aus einer Schnapsidee ist eine feste Größe im Stanicher Fasching geworden. » mehr

Der "Hohner’sch Odl" in der Kulmbacher Straße 5 in Stadtsteinach. Stolz ziert die Schrift "Kommunbräu Hohner" das Haus. Der Eingang war früher zur Straße hin, jetzt ist er aus Sicherheitsgründen seitlich. Vorne im Bild die letzte Wirtin Waltraud Sommer, die in diesem Jahr ebenfalls verstarb.	Fotos: Archiv Sesselmann

08.11.2019

Der "Hohner'sch Odl"

Mit Herzblut hat Waltraud Sommer die Gaststätte ihres Urgroßvaters bis zu ihrem Tod geführt. Der Hausname beruht auf ihrem Großvater Adam. » mehr

Der totgeglaubte Siegfried Weiß taucht 1958 völlig überraschend bei seinem Schulfreund Simon Hartmann in der Spitalgasse 12 auf. Ein Jahr später kann er auch stolz seine Jugendliebe "Gundi" vorstellen, die er nach langem Suchen gefunden hat.

19.09.2019

Gesichter jüdischer Mitbürger

Am Montag wird in der Buchhandlung Friedrich eine Ausstellung mit Fotos von Kulmbacher Juden eröffnet. Bearbeitet hat die Bilder Manfred Ströhlein. » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Eddy

Katzen aus Lichtenberg |
» 5 Bilder ansehen

Wunsiedel

20. Wunsiedler Kneipennacht | 09.11.2019 Wunsiedel
» 98 Bilder ansehen

Kickers Selb - FC Vorwärts Röslau

Kickers Selb - FC Vorwärts Röslau | 09.11.2019 Selb
» 5 Bilder ansehen

Autor
Siegfried Sesselmann

Siegfried Sesselmann

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
20. 10. 2019
16:40 Uhr



^