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Kulmbach

Anarchie im Stadtverkehr

Viele halten sich, wenn auch oft unsicher, an die neue Verkehrsführung in der Innenstadt. Doch etliche machen was sie wollen. Schilder scheinen für sie nicht zu gelten.



Preisverdächtig: Eine Bake sperrt die Einfahrt, das Schild sagt eindeutig, dass die Sutte in Richtung Bahnhof gesperrt ist. Das hielt diesen Autofahrer aber nicht davon ab, sich trotz Engstelle durchzuquetschen und die Einbahnstraße in der falschen Richtung zu befahren. Fotos: Melitta Burger
Preisverdächtig: Eine Bake sperrt die Einfahrt, das Schild sagt eindeutig, dass die Sutte in Richtung Bahnhof gesperrt ist. Das hielt diesen Autofahrer aber nicht davon ab, sich trotz Engstelle durchzuquetschen und die Einbahnstraße in der falschen Richtung zu befahren. Fotos: Melitta Burger   » zu den Bildern

Kulmbach - Alle waren pünktlich da. Nur die Firma, die die Schilder aufstellen sollte, erschien mit Verspätung. So kam es, dass die große Umleitung in der Kulmbacher Innenstadt am Montagmorgen erst eine knappe dreiviertel Stunde später eingerichtet wurde. Bis gegen 8.45 Uhr war somit alles wie es immer gewesen ist. Das schuf aber gleich schon die erste Verwirrung. Eine Autofahrerin, die offensichtlich Zeitung gelesen hatte, kam vorbereitet auf den großen Kreisel zu und wollte wie ein Profi nach links abbiegen. Dass sie von Mitarbeitern der Stadt dann doch in die andere Richtung geleitet wurde, gefiel ihr gar nicht. Das brachte sie auch zum Ausdruck, als sie wenig später zu Fuß nochmals am Kreisel erschien und dem Team von der Stadt erklärte, dass seit 8 Uhr Linksverkehr herrsche und ob man das wohl nicht wüsste.

Man wusste es. Aber es galt nicht nur, die Verspätung der in Thüringen beheimateten Firma zu verkraften. Die hatte für die umfangreiche Beschilderung der weitflächigen Umleitungsstrecken gerade einmal zwei Mitarbeiter geschickt. So kam es, dass am Ende mit Simon Ries und Uwe Angermann gleich zwei führende Rathaus-Mitarbeiter persönlich Schilderständer rückten und auch der Verkehrssachbearbeiter der Polizei, Klaus-Peter Lang, packte mit an.

Als es dann wirklich so weit war, gab es durchaus so einige Szenen, die gut in den Wilden Westen gepasst hätten. Den Anfang machte die Umkehrung der Richtung des Einbahnverkehrs in der Sutte. Ein Kulmbacher, nicht ganz unbekannt in der Stadt, machte mit seinem Bamberger Firmen-Dienstwagen preisverdächtig den Anfang. Das Schild für die gesperrte Einfahrt in die Sutte stand schon, die Absperrbake ebenfalls. Das hielt den Mann aber keineswegs davon ab, sich vor den Augen der Polizei zwischen Baustellenfahrzeug und Absperrung durchzuschlängeln und die Sutte in der verkehrten Richtung zu befahren. Später folgte noch ein Lkw dem schlechten Beispiel.

Soviel "Mut" hatten andere nicht. Doch "Augen zu und durch" war am Montagfrüh am kleinen Kreisel noch öfter die Devise. Eine Autofahrerin, von der Spitalgasse kommend, hob hilflos beide Arme, schüttelte den Kopf und blieb erst einmal stehen, um sich zu orientieren. Vielleicht hat sie das vor einem Unfall bewahrt, denn wenig später kam aus der Grabenstraße ein Pkw, der nach rechts in die Spitalgasse einbiegen wollte. Nicht in allen Einbahnstraßen in der Stadt wurde die Fahrtrichtung gedreht. Es ist zu hoffen, dass der Mann das jetzt auch weiß, nachdem er rückwärts setzen musste.

Am großen Kreisel gab es am Morgen die spannendsten Szenen. Sogar der Lkw einer Kulmbacher Fahrschule bog erst einmal in gewohnter Richtung, bevor er dann ruckartig zum Stehen kam. Der Fahrschüler dürfte sich gefreut haben, dass er nicht mühsam rückwärts rangieren musste, sondern als vorerst Letzter noch einmal durchgewunken wurde.

Deutsche Autofahrer sind im Kreisel und beim Auffahren auf die Autobahn auf rechts regelrecht "geeicht". Linksrum hat keiner im Kopf. Das ändert auch ein Fahrtrichtungspfeil nach links nicht so einfach. Deshalb wurde nachgebessert. Warnbaken mit Blinklichtern stehen jetzt noch zusätzlich an der Einmündung von der Kronacher Straße in den Kreisel. Aber das macht vielen Autofahrern gleich die nächsten Probleme. Sie ziehen schon auf der Kronacher Straße nach links und stehen dann denen im Weg, die von der Webergasse kommend aus dem Kreisel in die Kronacher Straße einbiegen wollen.

Und auch die sowohl von der Stadt und der Polizei erbetene Rücksicht wollten nicht alle Autofahrer aufbringen. So mancher hupte ungeduldig, weil vor ihm erst jemand die Orientierung finden musste. Einige zogen gar sichtlich wütend an Autos vorbei, deren Fahrer zögernd erst einmal die Verkehrssituation begreifen mussten.

Den großen Kreisel kann man derzeit nicht vollständig durchfahren. Aus Sicherheitsgründen wurde dann doch die Ausfahrt aus der Tiefgarage gesperrt. Baken machen die Durchfahrt von der Webergasse nach rechts in den Kreisel unmöglich. Doch damit kann man von der Webergasse auch nicht mehr nach rechts in den EKU-Platz einbiegen. Das gefiel einem Kulmbacher gar nicht. Kurzerhand fuhr er mit seinem Wagen über den Gehsteig vor dem ehemaligen "Sir Henry" , um ohne Umweg zu seinem Ziel zu kommen. Die Barrierefreiheit samt den angesenkten Bordsteinen macht es möglich. Das nutzen Autofahrer auch gleich nach dem Kreisel in der Sutte, um auf den EKU-Platz zu fahren. Dort ist eigentlich gar keine Zufahrt. Aber wen stört’s, wenn man sich dadurch Zeit sparen kann? Ganz Ähnliches konnte man am kleinen Kreisel beobachten. Von der Grabenstraße bogen etliche direkt nach links in den EKU-Platz ein. Den Kreisel ließen sie aus. Das geht vorerst nicht mehr. Die Grabenstraße ist jetzt Einbahnstraße.

Einer Autofahrerin, die den großen Kreisel ansteuerte, war die Situation so spanisch vorgekommen, dass sie kurzerhand ohne zu blinken links auf den Gehweg vor dem "Fässla" abbog, den Rückwärtsgang einlegte, wendete und Richtung Bahnübergang davonbrauste. Nichts wie weg.

Autor

Melitta Burger
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Veröffentlicht am:
11. 02. 2019
17:24 Uhr

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Melitta Burger

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11. 02. 2019
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