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Kulmbach

Brücken bauen in einem großen Konflikt

Im Seelsorgebereich Kulmbach hat sich die Bewegung "Maria 2.0" formiert. Die Gruppe tritt gegen die Benachteiligung von Frauen in der katholischen Kirche ein.



Der "harte Kern" der Bewegung "Maria 2.0" im Seelsorgebereich Kulmbach Stadt und Land, (von links) Michaela Axtner, Susanne Witzgall, Bernadette Sauerschell und Brigitte Wolpert sowie die Unterstützer der Bewegung Maria 2.0, wollen die Kirche nicht spalten, sondern Brücken bauen. Foto: Gabriele Fölsche
Der "harte Kern" der Bewegung "Maria 2.0" im Seelsorgebereich Kulmbach Stadt und Land, (von links) Michaela Axtner, Susanne Witzgall, Bernadette Sauerschell und Brigitte Wolpert sowie die Unterstützer der Bewegung Maria 2.0, wollen die Kirche nicht spalten, sondern Brücken bauen. Foto: Gabriele Fölsche  

Kulmbach - Vor Gott sind alle Menschen gleich - aber scheinbar nicht in den Augen manch eines Gottesmannes oder frommen Kirchgängers - die an der Vormacht männlicher Würdenträger in der katholischen Kirche festhalten. Deshalb haben Pfarrgemeinderatsvorsitzende Brigitte Wolpert vom Seelsorgebereich Kulmbach Stadt und Land, die Religionslehrerinnen Michaela Axtner, Bernadette Sauerschell und Susanne Witzgall in den Gemeindesaal St. Hedwig eingeladen, um darüber zu informieren, dass sich im Juni in Kulmbach die Gruppe "Maria 2.0" gegründet hat. Sie verwendet für ihre Vereinigung das abgewandelte Bistumsmotto dieses Jahres: "getauft - berufen - und gesendet", wobei das "u" nach unten fällt.

Die Sprecherin der Gruppe, Michaela Axtner sagte, dass man den Schwerpunkt der Kulmbacher Initiative auf die Benachteiligung der Frauen in der katholischen Kirche lege: "Die weitere Forderung der Maria-2.0- Initiative betreffen die Abschaffung des Pflicht-Zölibats sowie konsequente Prävention, Aufdeckung und Bestrafung sexuellen Missbrauchs. Diese Forderungen sind außerordentlich wichtig und werden selbstverständlich von uns mit Nachdruck unterstützt. Allerdings wollen wir diese komplexen Themen nicht oberflächlich miteinander vermischen, deshalb legen wir unser Hauptaugenmerk auf das Problem der Diskriminierung von Frauen durch die katholische Kirche."

Bevor die Initiative in Kulmbach startete, fand ein Gespräch mit Pfarrer Hans Roppelt und Pater Thomas statt: "Alles was wir tun, geschieht mit Einverständnis unseres Pfarrers", sagen die Frauen unisono. Anfänglich suchte der "harte Kern" mit Unterschriftslisten nach Unterstützern, wobei die der Pfarrei "Unser Liebe Frau" aus "unerklärlichen Gründen" verschwand; ebenso ein ausgelegter Stoß des Rundschreibens in einer Kirche, in dem die Gruppe ihr Anliegen formulierte und die Gemeindemitglieder informierte.

"Wir haben nicht die Mehrheit der Frauen in der Gemeinde hinter uns ", sagt Brigitte Wolpert wohl wissend, dass das Thema nur mit fundierten Argumenten und behutsam angeschoben werden kann. Dennoch hat "Maria 2.0" bisher rund 70 Unterstützer und an die 20 Frauen und Männer, die mitarbeiten. Als Nächstes folgte ein Schreiben an Erzbischof Dr. Ludwig Schick Anfang Juli. Eine Antwort hat die Gruppe bislang nicht bekommen.

Michaela Axtner erklärt, dass die Diskriminierung der Frauen nicht in den Wurzeln des katholischen Glauben gründe, sondern diese Entscheidung von Männern getroffen wurde: "Als die Frauen zu stark wurden, wurden sie blockiert", sagt die Sprecherin. Denn Frauen standen sehr wohl vor Jahrhunderten an der Spitze und haben massiv zur Verbreitung des Christentums beigetragen. Nicht die Zulassung von Frauen zu den Ämtern ist begründungspflichtig, sondern deren Ausschluss, sind sich die Frauen einig.

Die Kritik an dem Plakat der Bewegung "Maria 2.0", das die Gottesmutter mit zugeklebtem Mund zeigt und diese angeblich entweiht, lässt Michaela Axtner nicht gelten. Jahrelang habe die katholische Kirche die Gottesmutter instrumentalisiert und mit Demut und Gehorsam behaftet, nur damit Frauen in ihrer Kirche nicht zu ihrem Recht kommen: "Werde wie Maria, aber halt den Mund", interpretiert sie trocken.

Der Kulmbacher Kreis ist sich einig, dass es keine stichhaltigen Argumente gegen die Zulassung von Frauen zu den Ämtern gibt, lediglich das gewohnte Bild, das hinterfragt werden muss. Denn die katholische Kirche hinke, gerade in der Zeit einer großen Krise, der notwendigen Entwicklung hinterher. Als Religionslehrerinnen wissen drei der Frauen aus dem täglichen Unterricht, dass den Schülern die Kirche immer fremder wird. "Wir haben einen großen Konflikt, wir müssen hinter Dingen stehen, die wir nicht mehr vermitteln können. Zum Beispiel, dass die Frau in den Augen der Kirche weniger wert ist als ein Mann", erklärt Axtner, und ihre Kolleginnen Susanne Witzgall und Bernadette Sauerschell stimmen zu.

Was den vier Frauen sehr wichtig ist, dass sie sich auf keinen Fall selbst darstellen wollen und auch nicht die Kirche spalten. Auch einen Streik wird es nicht geben: "Vielmehr wollen wir mit anderen Gemeindemitgliedern in einen friedlichen, konstruktiven Dialog treten, der uns thematisch weiterbringt." Gelegenheit dazu gibt es am 23. Oktober im Pfarrsaal St. Hedwig in Kulmbach. Susanne Witzgall hat einen Vortrag organisiert. " Dr. Joachim Kügler, Professor für neutestamentliche Wissenschaften an der Universität Bamberg, spricht über die Rolle der Frau in der Kirche", erzählt sie. Der Titel lautet "Wenn Frauen "Söhne" Gottes sind". Beleuchtet werden die Folgen des Satzes für die Ämterfrage in der katholischen Kirche."

Das Kulmbacher Team "Maria 2.0" hofft, dass zu diesem Vortrag auch Nichtunterstützer ihres Anliegens kommen. "Wir hoffen auf eine friedliche, konstruktive Diskussion nach den Ausführungen des Referenten", betont Susanne Witzgall. Und dann denkt sie laut nach: "Wenn Jesus heute die Welt sehen würde und seine Kirche, wäre er damit sicher nicht einverstanden. Was würde er tun?" Die Antwort bekommt sie prompt und trocken von Brigitte Wolpert: "Er würde austreten." Und dann ertönt unter den Frauen ein schallendes Lachen.

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Gabriele Fölsche
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Veröffentlicht am:
09. 10. 2019
16:52 Uhr

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Autor

Gabriele Fölsche

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Veröffentlicht am:
09. 10. 2019
16:52 Uhr



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