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Kulmbach

Der steinerne Reiter

In zwei Folgen befassen sich die Entdeckertouren mit dem Christiansportal. Das prächtige Tor ist im Jahr 2016 saniert worden.



Im Jahr 2016 ist das Christiansportal der Plassenburg saniert worden. Fotos: Erich Olbrich
Im Jahr 2016 ist das Christiansportal der Plassenburg saniert worden. Fotos: Erich Olbrich   » zu den Bildern

Kulmbach - Das Christians-Portal auf der Plassenburg ist ein Werk des vielbeschäftigten und besonders im fränkischen und württembergischen Raum tätigen Bildhauers Hans Werner, der von etwa 1560 bis 1623 gelebt hat. Er starb in Nürnberg. Der bekannte Künstler hat sich in der linken Kopfbüste mit seinen Initialen H W verewigt. Wahrscheinlich hat er sich hier auch selbst dargestellt.

Über dem hohen Portal, das den Zugang ins Innere des etwas zu groß ausgefallenen Treppenturms vermittelt, befindet sich das wohl bedeutendste steinerne Reiterstandbild des Manierismus in Deutschland. Im Vergleich zur Größe des Reiters wirkt das Pferd sehr wuchtig. Es ist voll gesattelt und trägt wie zu einem Turnier einen Schmuck aus Straußenfedern und eine reich verzierte Satteldecke. Der Reiter, es handelt sich dabei um den Markgrafen Christian von Brandenburg-Bayreuth (1581-1655), sitzt in militärischer Haltung mit leicht angezogenen Armen auf dem Pferd und trägt eine zeitgemäße Rüstung. Der lange Degen ist angehängt. In einer Kartusche über dem Kopf des Reiters ist die Jahreszahl zu erkennen, in der das Portal errichtet wurde: 1607.

Ganz oben auf dem Portal erhebt sich die Kriegsgöttin Athene. Diese Figur ist verkürzt dargestellt. Ihre Rechte stützt sich auf einen Speer, während die Linke den Schild, der mit einem Medusenhaupt verziert ist, hält. Sie trägt eine zeitgemäße Kopfbedeckung, einen Helm, der mit einem Federbusch geschmückt ist.

Der Schlussstein des Toreingangs trägt einen Löwenkopf, dessen aufgesperrtes Maul von einer vergoldeten Kugel ausgefüllt wird. Der Überlieferung nach soll die Größe der Kugel die jährliche Goldgewinnung aus den eigenen Bergwerken bei Goldkronach versinnbildlichen.

Die Kartusche in der Mitte trägt auf dem Hohenzollern-Schild den Brandenburgischen Adler. Zur Abrundung der Umrisslinien daneben sind zwei Helme, mit Straußenfedern geschmückt, angeordnet.

Die mit Kanonenkugeln gefüllten Fässchen (auch unter dem Reiter) weisen auf den eigentlichen Zweck des Baues hin, nämlich den Schutz und die Verteidigung. Seitlich befinden sich zwei Obelisken, die auf Kugeln gelagert sind, diese stehen wiederum auf Würfeln, die mit einem Löwenkopf versehen sind. Die Obelisken selbst sind auf allen sichtbaren Seiten mit menschlichen Fratzen versehen, die stilisierte Bärte und Kopfschmuck tragen.

Auf den beiden nach vorne verlagerten Säulenwürfeln befinden sich auf Augenhöhe des Betrachters zwei Löwenfratzen, die einen furchterregenden und abschreckenden Eindruck machen.

Auf beiden Seiten des Markgrafen sind überlebensgroße Gestalten von Kriegern aufgestellt, die mit ihrem Blick auf die Hauptfigur hinweisen.

Beide tragen römische Rüstung. Sie halten in einer Hand eine Hellebarde, in der anderen ein Schild, auf dem folgende Buchstaben stehen:

"S P Q R" = SENATUS POPVLVSQVE ROMANVS. Die Übersetzung lautet: Der Senat und das römische Volk.

Die goldene deutsche Inschrift im rechten Feld über dem Portal lautet:

Markgraf Christian der edle Held

Herzog in Preussen hoch erwählt

Burggraf zu Nürnberg hat aufs neu,

aufgerichtet diess schöne Gebeu

Und angefangen in dem Jahr, als von

Den löblichen Ständen wahr,

Zum Obersten des Frankenkreises erwehlt

Mitsondern Preis

Behüt den edlen Fürsten vor Noth,

und dies Portal treuer Gott.

Erwähnt werden muss aber auch noch das schmiedeeiserne Oberlichtgitter des Tores, das als eines der frühesten Zierstücke dieser Art bewertet werden kann. Das Vorbild dafür dürfte bei den Schreibern von Urkunden gesucht werden, die Anfangsbuchstaben mit Schnörkeln und Linienbündeln umzogen.

Trotz der barocken Lebendigkeit fügt sich das Gitter infolge seines nur bescheidenen Hervortretens gut in das Gesamtbild ein.

Das Christians-Portal wurde im Jahr 2016 von der "Bayerischen Schlösser- und Seenverwaltung" unter Mitwirkung des Vereins "Freunde der Plassenburg" saniert.

Der Verein und ein anonymer Spender trugen die Kosten für die Instandsetzung der dargestellten Waffen des Markgrafen und der Soldaten.

Autor

Erich, Marcus Olbrich
Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
01. 09. 2019
16:42 Uhr

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Autor

Erich, Marcus Olbrich

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Veröffentlicht am:
01. 09. 2019
16:42 Uhr



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