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Kulmbach

Der zweite Frühling mitten im Herbst

Einem Naturphänomen ist Friedhelm Haun auf der Spur. Der Kreisfachberater für Gartenbau und Landschaftspflege hat in Kulmbach einen blühenden Kastanienbaum entdeckt.



Auf der linken Seite, die in Richtung Süden zeigt, treibt die Kastanie frühlingsgrüne Blätter und Blüten aus. Am Rest des Baums fällt dem Herbst entsprechend das braungefärbte Laub allmählich ab. Friedhelm Haun hat das Naturphänomen in Kulmbach entdeckt. Fotos: Stefan Linß
Auf der linken Seite, die in Richtung Süden zeigt, treibt die Kastanie frühlingsgrüne Blätter und Blüten aus. Am Rest des Baums fällt dem Herbst entsprechend das braungefärbte Laub allmählich ab. Friedhelm Haun hat das Naturphänomen in Kulmbach entdeckt. Fotos: Stefan Linß   » zu den Bildern

Kulmbach - Der Jahreszeit entsprechend färben sich die Blätter normalerweise bunt und fallen ab. Den krassen Gegensatz dazu bietet derzeit ein Kastanienbaum in Kulmbach. Er steht in voller Blüte. Es ist ein außergewöhnlicher und vergleichsweise seltener Anblick. Am Kreuzstein in Kulmbach hat Friedhelm Haun das Naturphänomen bemerkt. "Es sind weiße Blüten und neue Blätter in Frühlingsgrün zu sehen", sagt der Kreisfachberater für Gartenbau und Landschaftspflege im Gespräch mit der Frankenpost. Er hat eine Erklärung für das Schauspiel.

"Die Ursache ist der besonders trockene Sommer", sagt Haun. In den vergangenen Wochen habe der Regen dem Baum wieder mehr Feuchtigkeit gebracht. Gleichzeitig war das Wetter recht mild. Es sieht so aus, als habe sich für den Baum nun eine neue Saison eröffnet. Die Kastanie ist in den Frühlingsmodus gewechselt und hat ausgetrieben.

Pulver verschossen: Auffällig ist, dass sich nur an der Südseite des Baums die neuen Blüten und Blätter zeigen. Dort hat die Sonne die meiste Wärme gebracht. Der Baum hat die Knospen zwar in der gesamten Krone angesetzt. Aber nur an der einen Seite sind sie ausgetrieben. "Der Frost wird dem ganzen Spiel ein Ende bereiten", sagt der Kreisfachberater. Die Früchte werden keine Chance bekommen, um auszureifen. Und im kommenden Frühling wird der Baum an der Südseite nicht mehr blühen können, weil er sein Pulver verschossen hat.

Die weißen Blüten, die derzeit noch den Baum zieren, sind etwas kleiner und nicht in derselben großen Zahl vorhanden, wie es normalerweise im Frühjahr der Fall wäre. Dennoch gibt es keinen Zweifel daran, dass der Baum für 2019 seinen zweiten Frühling eingeläutet hat.

Größere Notsituationen: Für Friedhelm Haun ist das Phänomen nicht ganz neu. "Ich habe dasselbe vor zwei Jahren in Wien gesehen", sagt er. Offensichtlich passiert solch eine Blüte im Herbst vermehrt in Städten. "Die vielen versiegelten Flächen im Umkreis können Pflanzen in noch größere Notsituationen bringen." Während bei Parkbäumen die Lage auch in Trockenperioden noch entspannter ist, leiden die Straßenbäume ganz erheblich. Wenn dann im Herbst Niederschläge kommen bei gleichzeitig mildem Wetter, dann hoffen die notleidenden Bäume sozusagen auf die neue Saison, preschen nach vorn und gehen in Blüte. Im Grunde verpulvern die Bäume somit ihre Möglichkeiten, weil ihnen der nahende Winter mit Sicherheit alle neuen Blätter und Früchte nehmen wird.

Schlafende Augen: In dem aktuellen Kulmbacher Beispiel hat der Baum nur einen Teil der angelegten Knospen ausgetrieben. "Es gibt noch genügend schlafende Augen, damit im nächsten Frühling neue Blätter wachsen können", sagt Haun.

Das extreme Wetter ist nicht der einzige Grund, der den Baum dazu anregt, im Herbst neu auszutreiben. Bereits in den 1980er-Jahren haben Kastanien diese Reaktionen gezeigt als Folge einer hohen Tausalzbelastung, erinnert sich der Kulmbacher Kreisfachberater. In der Regel ist Stress die Ursache.

Größter Baumschädling: Stress löst auch die Kastanienminiermotte aus. Das wenige Millimeter große Insekt gilt als einer der größten Baumschädlinge. "Es kann sein, dass die Miniermotte eine Rolle spielt, dass der Baum nun erneut austreibt."

Die gefräßigen Larven haben die Blätter vieler Bäume massiv geschädigt. Deshalb verfärbt sich das Laub der Kastanien schon im Sommer braun und fällt frühzeitig ab. Besonders die weißblühenden Rosskastanien werden im gesamten Landkreis Kulmbach seit Jahren von dem Schädling heimgesucht. Die Larven fressen Gänge, die aussehen wie Minen, in die Blätter hinein und zerstören damit das Gewebe. Nach der Verpuppung schlüpft der Schmetterling. Überwintern kann der Schädling im abgefallenen Laub. Um den Befall einzudämmen, sollten deshalb die Blätter gesammelt und vernichtet werden.

Nur oberflächliche Durchfeuchtung: Ob sich die von Hitze und Schädlingen gestressten Bäume erholen werden, wird sich zeigen. Die Kastanie, die derzeit am Kreuzstein neu aufblüht, stand heuer ganz gut im Laub und sie trug auch viele Früchte, hat Friedhelm Haun beobachtet. Der Regen der vergangenen Wochen hat die Situation ein bisschen entspannt. Trotzdem haben die Niederschläge nur zu einer oberflächlichen Durchfeuchtung beigetragen. Die dürre Steppenlandschaft ist zwar verschwunden. Rasen sprießt wieder und auch für die Stauden reicht die Wassermenge aus. Doch die Wurzeln der Bäume reichen viel tiefer. Und dort herrscht weiterhin ein Defizit, sagt Haun.

Wer in die Erde gräbt, der merkt, dass die unteren Schichten immer noch sehr trocken sind. Es müssten zusätzlich zum normalen Regen noch lang anhaltende Niederschläge fallen, damit die Bäume richtig profitieren können. Ein sehr regenreicher Winter wäre für die Natur nötig.

Zunehmend Probleme: Wenn es trocken bleibt, dann haben die Bäume zunehmend Probleme. "Zuerst müssen wir mit absterbenden Ästen rechnen", sagt Haun. Eine Lösung könnte sein, Baumarten zu pflanzen, die Hitze besser aushalten. Die ersten Tests dafür laufen schon.

Autor

Stefan Linß
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Veröffentlicht am:
22. 10. 2019
18:14 Uhr

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Stefan Linß

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22. 10. 2019
18:14 Uhr



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