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Kulmbach

Ein Ferkel namens Herpes

Autor Helmut Vorndran begeistert seine Kulmbacher Fans mit einem neuen Werk. Dabei gibt er so viel davon gar nicht preis.



Sein neues Buch "Lupinenkind" stellte Helmut Vorndran in der Buchhandlung Friedrich vor. Foto: Rainer Unger
Sein neues Buch "Lupinenkind" stellte Helmut Vorndran in der Buchhandlung Friedrich vor. Foto: Rainer Unger  

Kulmbach - "Und wie das ausgeht, liebe Kinder, müsst ihr selber lesen!" Helmut Vorndran versteht es wie kaum ein Zweiter, bei seinen Lesungen Spannung zu erzeugen, obwohl er dabei im Normalfall nur Passagen rezitiert, die für die Handlung im Buch keine oder nur eine sekundäre Bedeutung haben. So war es auch dieses Mal am Donnerstagabend, als er in der Buchhandlung Friedrich seinen neuesten Krimi "Lupinenkind" vorstellte.

Der Leseraum in der Buchhandlung platzte aus allen Nähten. Inhaberin Christine Friedlein war bemüht, noch Stühle herbeizuschaffen, damit jeder sitzen konnte. Helmut Vorndran kommentierte das auf seine eigene Art, indem er monierte, es wäre ja immer noch ein Platz frei und er würde erst anfangen, wenn auch der besetzt sei. Als Nächstes gab er preis, dass es bei seinen Lesungen oftmals traurige Gesichter gebe, weil darin keine Leichen vorkommen: "Vor allem bei älteren Damen, die haben’s gern blutig!"

Dennoch flossen in der Folge reichlich Tränen, allerdings nicht aus Trauer, sondern weil die Passagen, die der Autor vortrug, einfach nur unglaublich witzig, teils aberwitzig, waren. So hatte am Ende des letzten Romans "Die Kamuelsfeder" das Ermittler-Ferkel Riemenschneider Nachwuchs bekommen und dies gleich siebenfach. Das Auditorium in der Buchhandlung ließ der in Bad Neustadt an der Saale geborene Vorndran zunächst teilhaben an der Namensgebung für den schweinischen Nachwuchs. Jeder Mitarbeiter in der Polizeidienststelle durfte dabei einen Namen aussuchen für sein "Patenkind", und so unterschiedlich die Charaktere der Mitarbeiter sind, so konträr fielen auch die Namen aus: von "Tofu" über "Presssack", "Schnitzel" und "Zwieback" bis hin zu "Herpes." Zwei kleine Ferkel mussten auf ihren Namen noch etwas warten, denn die Meldung über einen Mord unterbrach die Tauffeierlichkeiten abrupt.

In der nächsten Passage nahm der Schriftsteller die Zuhörer mit ins Haus eines Wissenschaftlers, der, als einer der weltweit führenden Informatiker sein gesamtes Zuhause hochtechnisiert eingerichtet hat. Egal, ob Kühlschrank oder Staubsauger, alle Geräte verrichten ihre Tätigkeiten komplett eigenständig. Sie sind aber miteinander vernetzt, und was passiert, wenn die Geräte ein Eigenleben entwickeln und gegen ihren Erbauer rebellieren, trug der fränkische Erfolgsautor danach vor. Erneut kamen die Besucher aus dem Lachen nicht mehr heraus.

Helmut Vorndran setzte aber noch eins drauf und nahm das Publikum mit zu einem Festmahl, mit dem der selbstgefällige, egozentrische Leiter der Erlanger Gerichtsmedizin, Professor Dr. Siebenstädter, Kriminalkommissarin Andrea Onello, die davon nichts ahnte, als Verlobte in seinem Reich, dem Sezierraum der Gerichtsmedizin, wo auch das Candle-Light-Dinner stattfand, willkommen heißen wollte. Wie das ausging? Siehe den ersten Satz dieses Artikels!

Ungewohnt ernst wurde Helmut Vorndran am Schluss seiner höchst amüsanten Lesung, denn das Buch beschäftigt sich unter anderem mit den Marienerscheinungen von Heroldsbach in der Nähe von Forchheim ab dem Jahr 1949. Auf diese Ereignisse, bei denen die katholische Kirche eine unrühmliche Rolle spielte, ging der Autor ausführlich ein. Und keinerlei Toleranz ließ das Erzbistum Bamberg auch beim neuen Buch des Schriftstellers walten, denn das Cover, dass die dortige Muttergottes zeigt, wird ab der zweiten Auflage durch ein anderes ersetzt, da dem Verlag sonst eine Klage drohte. Ob sich die Kirche damit einen Gefallen getan hat, bleibt dahingestellt, denn wie meinte Helmut Vorndran trocken: "Die werden sich wundern, was als Nächstes kommt!" Dennoch, wer das Originalcover haben möchte, sollte sich demnächst eine Ausgabe der ersten Auflage sichern. Und das Lesen lohnt sich allemal, das war nach den ungemein kurzweiligen, spannenden, abenteuerlichen zwei Stunden in der Buchhandlung Friedrich jedem klar.

Autor

Rainer Unger
Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
22. 09. 2019
17:12 Uhr

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Autor

Rainer Unger

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Veröffentlicht am:
22. 09. 2019
17:12 Uhr



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