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Kulmbach

Eine Vorzeige-Architektur wird 50

Die im September 1969 eingeweihte Hauptstelle der Kulmbacher Sparkasse ist modern, chic-amerikanisch und autofreundlich. Dennoch sieht sie sich in der Tradition der ehrwürdigen Sparanstalt.



Die neue Hauptstelle der Sparkasse bei ihrer Fertigstellung im September 1969.
Die neue Hauptstelle der Sparkasse bei ihrer Fertigstellung im September 1969.   » zu den Bildern

Kulmbach - Bei der Einweihung des Kaufhauses der Mitte (KDM) im März 1968 strömten die Massen. Omnibusse und Sonderzüge mussten eingesetzt werden, um den Ansturm zu bewältigen. Ein Einkaufsmekka schien geboren, ein gigantisches Sortiment auf 2700 Quadratmetern Verkaufsfläche. Die Sensation war jedoch eine zweispurige, verglaste Rolltreppe, die die Besucher ausprobierten wie eine Attraktion auf dem Rummelplatz. Nicht wenige hatten das Gefühl, mit diesem modernen Bau habe sich das Provinznest Kulmbach in die neue Zeit eingeklinkt. Endlich.

Die Neugier ist groß: Eineinhalb Jahre später bei der Einweihung der Kulmbacher Sparkasse an der Fritz-Hornschuch-Straße eine ähnliche Neugier. Zum Tag der offenen Tür im September 1969 quetschten sich die Massen durch den Neubau an der Fritz-Hornschuch-Straße und ließen sich vom Chic und mancher Raffinesse faszinieren. Während der Glanz des KDM schnell ermattete, gilt das Sparkassengebäude heute noch als großer Wurf.

Jedermann kann sparen: Bei der Einweihung am 5. September 1969 standen die Verdienste der Kulmbacher Sparkasse im Mittelpunkt. "Die Sparkassenleistungen sind deshalb so notwendig", betonte Direktor Fritz Schiffner bei seiner Ansprache, "weil dieses Gebiet von der bayerischen Kapitale ohne Zweifel seit jeher etwas vernachlässigt wurde." Auch heute sei Kulmbach auf sich selbst gestellt, doch es sei entschlossen, sein wirtschaftliches Schicksal zu meistern, damit die Schornsteine rauchten. Die Stadt- und Kreissparkasse, ein Motor der kommunalen Selbsthilfe, leiste nachhaltige Unterstützung. Seit ihrer Gründung 1861 habe sie sich beim Sparen und der Kreditvergabe allen sozialen Schichten geöffnet - den Dienstboten, Taglöhnern, unverheirateten Handarbeiterinnen genauso wie kapitalkräftigen Unternehmern.

Intarsien nicht komplett erhalten: Um den Gründungsgedanken der Sparkasse sichtbar zu machen, hat man Max Wild mit der Gestaltung einer Intarsienwand im ersten Stock beauftragt. Der Künstler löst dies bravourös: In die Mitte rückt er eine Ansicht der Stadt Kulmbach als dem Zentrum des Zweckverbands. Darum herum gruppiert er Bild-Motive der Miteigentümer - des Landkreises Kulmbach sowie der drei Gewährträgergemeinden Thurnau, Wirsberg und Marktschorgast. Leider haben nur einige Ansichten spätere Baumaßnahmen überstanden.

Bestaunter Autoschalter: Nachdem Anfang der 1960er-Jahre die bisherige Hauptstelle in der Buchbindergasse dem Geschäftsverkehr nicht mehr gewachsen war - sie wurde in den frühen NS-Jahren, 1935, eingeweiht - begann die Planung eines Neubaus auf dem frei gewordenen Gelände der Stadtwerke beim Gasfabrikgässchen. Die Ausschreibung gewann der Kulmbacher Architekt Heinrich Hanke. Sein viergeschossiger Bau wirkt wie aus einem Guss. Harmonisch fügt er sich zum schlanken Industrie-Design der Kulmbacher Spinnerei auf der Straßenseite gegenüber. Die 5000 Quadratmeter Büro-und Geschäftsräume sind großzügig angelegt. Es gibt einen Film- und Vortragssaal und einen Mehrzweckraum für die Mitarbeiter, der eine komplette Etage beansprucht. Das Highlight, die elegante Schalterhalle mit ihren 600 Quadratmetern, in die man durch den verglasten Haupteingang mit einem Windfang eintritt. An gediegenem Chic wird nicht gespart: Der Aufzugskern ist mit dunklem Stein verkleidet, die ums Eck führende Fensterfront ist mit modernen Thermopane-Scheiben versehen, die Verkleidung der Brüstungen mit römischem Travertin. Mit einer leistungsstarken EDV-Anlage ist man technisch auf dem neuesten Stand.

American Way of Life: Um der Motorisierung der Zukunft gerecht zu werden, hat der Architekt dem Kellergeschoss eine Tiefgarage mit 42 Stellplätzen für die Mitarbeiter angegliedert. Für die Kunden sind Plätze auf einer Parkzone im Freien vorgesehen. Die meistbestaunte Attraktion aber ist der Autoschalter an der Gasfabrikgässchen-Seite. Kinder guckten damals, und mancher Erwachsener wohl klammheimlich auch, ob wirklich jemand mit seinem Mercedes vorfährt, die Scheibe herunterdreht und die Scheine zückt. Der "American Way of Life", vom Auto aus alles bequem erledigen zu können, hat Kulmbach erreicht.

Autor

Wolfgang Schoberth
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Veröffentlicht am:
11. 09. 2019
18:20 Uhr

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Wolfgang Schoberth

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Veröffentlicht am:
11. 09. 2019
18:20 Uhr



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